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"Operation Aderlass" um Mark S. Blutspur führt zu Radstar Petacchi

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Alessandro Petacchi war bereits 2007 wegen eines Dopingvergehens gesperrt, nun steht der italienische Sprintstar im Fokus des Blutdopingskandals um den Erfurter Mediziner Mark S..

(Foto: imago/Belga)

Der frühere Sprintstar Alessandro Petacchi, zwei Slowenen, ein Kroate - und erst am Sonntag der deutsche Ex-Radprofi Danilo Hondo. Die Folgen der "Operation Aderlass" und das Ausmaß des Blutdopings erschüttern auch den Radsport.

Was im Schnee von Seefeld begann, entfaltet seine Wirkung immer stärker auch im Radsport. Nachdem der Weltverband UCI den früheren italienischen Sprintstar Alessandro Petacchi und drei weitere Fahrer mit vorläufigen Sperren belegte, rückt eine der anfälligsten Ausdauersportarten mehr und mehr ins Zentrum des Blutdoping-Skandals um den Mediziner Mark S., der mit der "Operation Aderlass" bei der Nordischen Ski-WM seinen Anfang nahm.

Gerade die Vorwürfe gegen den 45 Jahre alten Petacchi sind brisant. Noch am Dienstag hatte der Ex-Profi jegliche Beteiligung bestritten, über die die Tageszeitungen "Corriere della Sera" in Italien und "Le Monde" in Frankreich unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet hatten. Seine abwehrenden Sätze stehen allerdings nun in einem völlig anderen Kontext, nämlich in dem einer auf offiziellen Informationen basierenden Beweislage.

"Ich habe keine Ahnung"

Petacchi, der 22 Giro-Etappen gewonnen hat und als TV-Experte arbeitet, verteidigte sich: "Ich habe erfahren, dass dieser Mark S. ein Arzt bei Milram war, als ich dort gefahren bin. Vielleicht hat er sich um die deutschen Fahrer gekümmert. Ich bin aber nie in seine Praxis in Deutschland oder anderswo gegangen, hatte noch nie eine Bluttransfusion. Ich habe keine Ahnung, warum mein Name in der Datei auftaucht." Die UCI erklärte, sie habe Informationen von österreichischen Strafverfolgungsbehörden erhalten und daraufhin gehandelt.

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2007 fuhr Petacchi gemeinsam mit Erik Zabel für das deutsche Team Milram. Zabel hatte gestanden, selbst jahrelang gedopt zu haben.

Bei Petacchi gehe es ebenso wie bei den Slowenen Kristijan Koren und Borut Bozic, der Ende 2018 seine Laufbahn beendete, um den Gebrauch verbotener Methoden der Leistungssteigerung in den Jahren 2012 und 2013. Der Kroate Kristijan Durasek soll 2017 die Anti-Doping-Regularien verletzt haben.

Petacchi war einst einer der hellsten Sprintersterne der Szene, seine Erfolgsliste reichte weit über den Giro hinaus. Sechs Etappen der Tour de France gehören dazu wie auch 20 Abschnitte der Vuelta in Spanien. Einmal eroberte er das Grüne Trikot bei der Frankreich-Rundfahrt und 2005 triumphierte er beim Klassiker Mailand-Sanremo.

Zum Zeitpunkt der fraglichen Infusionen war Petacchi bei Lampre (2012) und Quick-Step (2013) tätig. Beim deutschen Team Milram stand er ebenso wie Erik Zabel von 2006 bis 2008 unter Vertrag. Die Zusammenarbeit endete, nachdem Petacchi aufgrund eines positiven Dopingtests wegen eines überhöhten Wertes des Asthmamittels Salbutamol im Blut gesperrt wurde. 2010 geriet er durch die Staatsanwaltschaft Padua nochmals unter Dopingverdacht.

Sechs Athleten sind noch anonym

Koren (32/Bahrain-Merida), Durasek (31/UAE Team Emirates) und Bozic sind dagegen eher kleine Fische, die beiden Erstgenannten gleichwohl aktive Rennfahrer. Koren nahm als Teamkollege des Italieners Vincenzo Nibali am 102. Giro d'Italia teil, wurde aber vor Beginn der fünften Etappe aus dem Rennen genommen. Durasek fuhr am Dienstag noch die dritte Etappe der Kalifornien-Rundfahrt. Beide füllten Helferrollen aus und wurden umgehend suspendiert. Gleiches gilt für Bozic, der bei Bahrain-Merida nach seinem Laufbahnende als Sportlicher Leiter angestellt war.

Erst am Sonntag hatte der deutsche Ex-Profi Danilo Hondo für das Jahr 2011 in einem Interview mit der ARD-Dopingredaktion Blutdoping eingeräumt und war daraufhin als Schweizer Nationaltrainer fristlos entlassen worden. Sieben aktuelle oder ehemalige Radprofis sind nunmehr in die Folgen der sogenannten "Operation Aderlass" verwickelt, die ihren Ursprung im Langlauf hatte und sich auch auf Eisschnelllauf und Leichtathletik erstreckt. 15 der mindestens 21 involvierten Sportler sind inzwischen bekannt.

Quelle: n-tv.de, Ruben Stark, sid

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