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Altmeister mit siebten Titel Boll holt Gold bei Tischtennis-EM

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Boll setzt sich nach holprigem Auftakt im Finale der Tischtennis-EM souverän durch.

picture alliance/dpa

War da mal was? Timo Boll gewinnt wenige Wochen nach einer Verletzung am Nackenwirbel den Titel bei den Europameisterschaften im Tischtennis. Für den Routinier ist es das siebte Einzelgold auf europäischer Bühne - und er selbst hat wohl kaum damit gerechnet.

Nach seinem Matchball verbeugte sich Timo Boll ungläubig vor dem Publikum. Der Ausnahmespieler des deutschen Tischtennis ist zum siebten Mal Europameister geworden - und das im Alter von 37 Jahren und nur drei Monate nach einer schmerzhaften Halswirbel-Verletzung. In der 60-jährigen Historie der Titelkämpfe stellt Boll damit einen Altersrekord auf.

Trotz seines Trainingsrückstands wehrte Boll bei der EM in Alicante noch einmal die Angriffe seiner immer aufmüpfiger werdenden Herausforderer ab. Am Schlusstag gewann der Weltranglisten-Vierte zunächst das deutsche Halbfinal-Duell mit seinem Freund Patrick Franziska in 4:3 Sätzen und am Abend auch noch das Endspiel gegen den rumänischen Außenseiter Ovidiu Ionescu mit 4:1. "Ich kann das gar nicht glauben. Ich hatte null Erwartungen vor diesem Turnier", sagte Boll. "Aber ich bin ein Kämpfer, ich gebe nie auf."

Fabel-EM für deutsches Team

Aus deutscher Sicht krönte der Rekord-Europameister damit ein äußerst erfolgreiches Turnier. Kristin Lang und Nina Mittelham gewannen die Goldmedaille im Damen-Doppel. Im Finale setzten sich die beiden Bundesliga-Spielerinnen mit 4:3 gegen Sofia Polcanova und Jana Noskowa aus Österreich und Russland durch. Ruwen Filus und Han Ying hatten am Freitagabend den Titel im Mixed geholt.

Der einzige, der nie wirklich an seinen siebten EM-Titel nach 2012, 2011, 2010, 2008, 2007 und 2002 glauben wollte, war Boll selbst. "Ich bin nach meiner langen Pause noch etwas langsam", hatte er erst am Freitag in Alicante betont. Den Erfolg verdankte er seinen Leistungssteigerungen von Spiel zu Spiel. Und dem Umstand, dass auch die Konkurrenten mit Problemen zu kämpfen hatten. Sein stärkster Rivale, Dimitrij Ovtcharov, schied im Achtelfinale gegen Wladimir Samsonow aus Weißrussland aus, weil ihm nach zwei langen Verletzungspausen ebenfalls noch die Wettkampfpraxis fehlt.

"War da mal was?"

Den hoch gehandelten Engländer Liam Pitchford räumte Boll mit 4:2 aus dem Weg. Blieb Teamkollege Franziska, der als Weltranglisten-16. so gut drauf ist wie noch nie. Der 26-Jährige vom 1. FC Saarbrücken führte im Halbfinale gegen Boll mit 3:1 Sätzen und mit 7:3 im entscheidenden siebten Durchgang - und musste dann feststellen, dass er so eine Situation zum ersten Mal erlebt. "Natürlich steigt dann der Druck und auch etwas die Nervosität. Aber sachlich betrachtet weiß ich, dass das eine Super-EM für mich war."

Bundestrainer Jörg Roßkopf freute sich ebenfalls über die Erfolge seiner Spieler. Er hatte schon vor dem Turnier gesagt: "Bei Timo Boll bin ich total entspannt. Diese EM kommt ihm vielleicht zwei Wochen zu früh. Aber wenn er sich über ein, zwei Runden wieder in eine Form hineinspielen kann, dann fragt sich am Ende jeder: War da mal was?"

Quelle: n-tv.de, Sebastian Stiekel, dpa

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