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Offene Worte nach WM-Debakel Brand sieht düstere Zeiten

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Heiner Brand fand harsche Worte für das Abschneiden der deutschen Mannschaft.

Nach der Blamage gegen Norwegen herrscht bei Deutschlands Handballern Katerstimmung. Bundestrainer Heiner Brand beklagt vor allem den Mangel an Führungsfiguren, gibt sich dennoch kämpferisch. DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier übt scharfe Kritik an den deutschen Klubs.

Am historischen Tiefpunkt zeichnete Bundestrainer Heiner Brand ein düsteres Zukunftsbild und sprach den deutschen Handballern das Format ab, ein Weltklasse-Team zu werden. "Neben vielen Dingen wie Hierarchie, Führungsfiguren und so weiter spielt natürlich auch eine grundlegende Rolle die sportliche Qualität. Deswegen würde ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon sprechen, dass wir die Perspektive haben, eine Top-Mannschaft zu werden", sagte der Gummersbacher nach der deprimierenden 25:35- Schlappe zum Hauptrunden-Abschluss in Jönköping gegen Norwegen. Platz elf oder zwölf - nie in den vergangenen 73 Jahren war eine deutsche Mannschaft schlechter, wenn sie ein WM-Turnier gespielt hat.

Nun scheint auch der 58-Jährige am Scheideweg zu stehen. Eine Entscheidung darüber, ob er seinen bis 2013 laufenden Vertrag erfüllt, ließ er offen. "Ich werde das wie alles andere auch mit dem Präsidium besprechen, mit dem ich sehr gut über die ganzen Jahre hinweg zusammen gearbeitet habe und noch arbeite", kündigte der Weltmeister von 1978 Gespräche mit der Führung des Deutschen Handballbundes (DHB) an.

Keine Führungsfiguren

Diese stellte sich in Person von Vize-Präsident Horst Bredemeier bereits hinter Brand. "Von meiner Seite gibt es keine Trainer-Diskussion. Wir wären froh, wenn es weiter geht entsprechend des Vertrages", erklärte er demonstrativ. Brands Rücktritt erwartet er nicht. "Im Augenblick halte ich das nicht für möglich."

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Laut Brand mangelt es dem Team vor allem an Führungsfiguren. Eine Aussicht auf Besserung sieht er nicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Erstmals seit EM-Silber 2002 in Schweden hatte der Bundestrainer keine Spielerausfälle zu beklagen. Dennoch war sein Team wegen schwankender Leistungen nur phasenweise konkurrenzfähig. "Wir haben nicht die Leute, die die Verantwortung in Spitzenmannschaften tragen. Ich kann nicht sagen, da sind einige Weltmeister geworden. Die waren 2007 dabei, aber die waren nicht die zentralen Personen. Auf der anderen Seite muss man sagen: Nennt mir einen. Vielleicht auch jüngere mit Perspektive. Da herrscht nämlich Schweigen hier. Und bei mir auch", sagte der Bundestrainer in die Runde der Journalisten.

Seit dem berauschenden Titelgewinn 2007 bei der Heim-WM reihen sich die Misserfolge aneinander. Abgesehen von Rang vier bei der EM 2008 und vom fünften WM-Platz vor zwei Jahren stehen das Vorrunden-Aus bei Olympia in Peking, der zehnte Platz bei der EM im Vorjahr und nun das peinliche Duell an diesem Donnerstag (18.00 Uhr) in Kristianstad um Platz elf gegen Argentinien zu Buche. "Letzten Endes ist das eine Entwicklung, vor der ich immer gewarnt habe, aber die ich auch versucht habe zu verhindern und auch geglaubt habe, es zu schaffen. Diesmal hat es nicht hingehauen", konstatierte Brand.

Vereine "sind Egoisten"

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Die Handball-Bundesliga (im Bild Marcin Lijewski und Igor Viori vom Hamburger SV gegen Bjarte Myrhol von den Rhein-Neckar Löwen) ist die wahrscheinlich stärkste Liga der Welt. Doch zu wenig deutsche Spieler kommen in den Genuss dort zu spielen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wie der Bundestrainer sieht auch Bredemeier das grundsätzliche Problem in der mangelnden Auswahl an geeigneten Spielern. "Was viel schlimmer ist, wir führen auch keine Personaldiskussion." In den Clubs seien die entscheidenden Positionen mit ausländischen Assen besetzt. "Unsere Spieler spielen in der Champions League nicht die entscheidenden Rollen", urteilte Bredemeier. Daran wird sich seiner Meinung nach auch nichts ändern. Die Vereine würden das Alarmsignal "überhaupt nicht" hören. "Das sind Egoisten, weil jeder nur an seinen Erfolg denkt. Die haben von unserem Boom profitiert."

Brand vermied die Konfrontation mit der Liga vorerst: "Das werde ich zu einem anderen Zeitpunkt mal machen." Bredemeier polterte weiter drauf los. Die Junioren waren unter Brands Co-Trainer Martin Heuberger bei EM und WM von Erfolg zu Erfolg geeilt, die Spieler aus diesen Mannschaften aber kommen nicht in der "stärksten Liga der Welt" an. "Wir brauchen die Anschlussförderung. Das geht nur gemeinsam mit der Liga. Da sind viele Gespräche nötig. Das muss auch die Liga kapieren, dass die Nationalmannschaft das Aushängeschild ist", forderte der Funktionär.

Das Ziel? "Olympiasieger 2016"

Nun besteht die Gefahr, dass in London erstmals seit Einführung des Handballs ins olympische Programm keine deutsche Männer-Mannschaft dabei ist. "Die Sorge ist berechtigt", sagte Heiner Brand. Die deutsche Mannschaft muss 2012 in Serbien Europameister werden oder eines von zwei Teams sein, das noch kein Ausscheidungsturnier für Olympia erreicht hat.

Die EM jedoch ist noch gar nicht erreicht. Im März wird die Qualifikation mit zwei Spielen gegen Island fortgesetzt. Allein dies könnte Brand bewegen, Bundestrainer zu bleiben. "Es ist ja im Handball auch das Schöne, man hat ja dann direkt wieder das nächste Ziel vor Augen. Qualifikation und Europameisterschaft 2012. Motivation ist sicherlich keine Schwierigkeit", sagte er und nannte in einem Anflug aus Galgenhumor als nächstes Ziel: "Olympiasieger 2016."

Quelle: n-tv.de, Martin Kloth, dpa

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