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Turn-Weltpremiere in Stuttgart Bretschneider erfindet neuen Salto

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Höchste Schwierigkeitsstufe: Andreas Bretschneider am Reck.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Stuttgart turnt sich Andreas Bretschneider in die Geschichtsbücher. Als 13. deutschem Kunstturner gelingt ihm die offizielle Anerkennung eines von ihm entwickelten Elementes durch den Weltverband. Der "Bretschneider" ist von nun an die schwierigste Figur am Reck.

Es ist eine historische Entscheidung des Technischen Kommitees des Turnweltverbandes FIG: Das vom deutschen Turner Andreas Bretschneider entwickelte Element "Bretschneider", ein doppelt gehockter Salto mit zwei Schrauben, wurde zum ersten H-Teil am Reck in der Geschichte des Weltverbandes erklärt. Somit ist es ab sofort die schwerste Figur am Reck in der Turnerbibel "Code de Pointage" und potentiell am punkteträchtigsten.  

Die offizielle Weltpremiere beim DTB-Pokal in Stuttgart ist ein voller Erfolg, 5000 Kinder feiern Bretschneider wie einen Popstar: "Einmal im Leben  wollte ich cool bleiben und dann war ich doch so nervös", klagte der Chemnitzer, nachdem er sich in die Geschichtsbücher geturnt hatte. Aber trotz feuchter Hände und vieler Gedanken, die ihm bei seiner Flugshow durch den Kopf schossen, ging alles gut. Der 25-Jährige kann nun durchatmen: "Das war ein hartes Stück Arbeit. Bei ganzen acht der ersten 800 Versuche hatte der Sportsoldat die Hände brauchbar an die Reckstange gebracht. Und als die  Weltpremiere bei der WM im Oktober im südchinesischen Nanning zum Greifen nah erschien, versagten ihm die Nerven.

Ein "Bretschneider" macht zum Sieganwärter

"Daran habe ich schon geknabbert und musste mit meiner  Mentaltrainerin erstmal den ganzen Käse aus dem Kopf kriegen", sagte  Bretschneider. Zuletzt lag die Erfolgsquote im Training wieder bei  80 Prozent, und auf nationaler Ebene gelang der "Bretschneider" bereits vor einer Woche beim Bundesliga-Finale in Karlsruhe. Seit 1970 ist Bretschneider der 13. deutsche Kunstturner, nach  dem ein Turnelement benannt ist. Vorgänger am Reck waren unter  anderem Bernd Jäger, Eberhard Gienger und Daniel Winkler, die  jeweils einen neuen Salto am Königsgerät kreierten. Zuletzt wurde dem Hallenser Matthias Fahrig 2010 diese Ehre zuteil, als er eine  neue Sprungreihe am Boden als Erster in dieser Form im Wettkampf präsentierte.

Teamkollegen Bretschneiders wie Ex-Weltmeister Fabian Hambüchen oder auch der Olympiazweite Marcel Nguyen hingegen haben sich als Erfinder noch keinen Namen machen können. "Das war auch nie mein  primäres Ziel", sagte Nguyen, der wegen eines Kreuzbandrisses in Stuttgart nur als Co-Kommentator im Einsatz ist. Auch Hambüchen, der am Sonntag an die Geräte geht, sieht die Situation gelassen: "Ich hatte genug andere Erfolge."

Das Element war vom Deutschen Turnerbund regelgerecht mit entsprechenden Videos eingereicht worden. Die einzelnen Elemente werden im "Code de Pointage" entsprechend ihrer Wertigkeit abgestuft, d. h. für ein A-Teil gibt es 0,1 Punkte, für ein B-Teil 0,2 Zähler und so weiter. Demzufolge wird das erste H-Teil der Turn-Geschichte mit 0,8 Punkten im Ausgangswert berücksichtigt, so dass eine erfolgreiches Turnen des "Bretschneider" die Siegchancen für jeden Athleten beträchtlich erhöht.

Quelle: n-tv.de, sid/dpa