DHB-Team droht EM-AusBundestrainer sorgt mit Blackout für Fassungslosigkeit

Konsterniert und geschockt verlässt die deutsche Handball-Nationalmannschaft nach dem zweiten Gruppenspiel als Verlierer die Halle. Serbien beißt sich durch - und ein bisschen schlägt sich der Bundestrainer auch selbst. Alfred Gislason unterläuft ein grotesker Fehler.
Plötzlich fiel Juri Knorr nach seinem Treffer in der 57. Spielminute völlig verzweifelt auf dem Hallenboden zusammen: Dabei hatte er doch gerade den Ausgleich zum 26:26 in einem denkbar engen EM-Vorrundenspiel gegen Serbien erzielt. Nein, der Spielmacher der deutschen Handball-Nationalmannschaft hatte es direkt gesehen. Im Tor war die rote Leuchte angegangen, in der Halle die Sirene ertönt.
Es war ausgerechnet der eigene Trainer, der seinem Spieler das Tor wegnahm. Denn Leuchte und Sirene bedeuten: Auszeit. Alfred Gislason hatte den Buzzer am Spielfeldrand gedrückt. Die einminütige Auszeit kann er nur nehmen, wenn sein Team im Angriff ist. Es ist ein Element, das eigene Team auf den nächsten Spielzug einzustimmen und ihm ein wenig Frische zu verschaffen. Oder wahlweise den Gegner aus dem Flow zu bringen.
Doch Gislason schaffte nichts davon, im Gegenteil. "Das war fatal, natürlich geht das auf meine Kappe", sagte er, nachdem er den Ausgleich verhindert hatte. "Ich wollte in der Sekunde die Auszeit nehmen, wo wir wieder vollzählig sind. Leider hat Juri das Tor gemacht, ich habe den Bruchteil einer Sekunde zu früh gedrückt."
Bundestrainer schaut gar nicht aufs Spielfeld
Im TV war zu sehen, dass der Bundestrainer gar nicht auf das Spiel schaut, als er den Buzzer drückt. Das bestätigt er dann auch: "Ich habe nur auf die Uhr geschaut, wo die Sekunden runtergezählt werden." ARD-Experte Dominik Klein hatte erkannt, dass Gislason fast sogar noch vor seinem Patzer bewahrt worden wäre: "Man hat Andi Wolff noch gesehen, der ihn von hinten noch fast weggezogen hat." Doch der Torhüter kam einen Moment zu spät.
Das stellte das Schiedsrichtergespann dann final im Videobeweis fest: Den nahmen sie und checkten, ob der Ball von Knorr schon hinter der Linie war, als Gislason den Buzzer drückte. Es war verflucht eng, aber doch eindeutig: Knorrs Wurf hatte die Torlinie noch nicht vollständig überquert, als im Tor die rote Lampe anging.
Und so war die Entscheidung: Auszeit für Deutschland, das Tor zählt nicht. "Die Auszeit war passend zum Spiel. Aber daran hat es nicht gelegen. Das passiert", befand Knorr. Was nach der Auszeit folgte, war der endgültige Genickbruch für das DHB-Team. Miro Schluroff, der vor allem in der ersten Halbzeit mit seinen gewaltigen Würfen ein wichtiger Mann im Angriff war, produzierte einen technischen Fehler. So kam Serbien an den Ball, Uros Kojadinovic warf den 27. Treffer der Serben - und Deutschland kam in den letzten knapp zwei Minuten dieses wichtigen Spiels nicht mehr ran.
Minutenlang kein Tor
"Alfred wollte die Auszeit nehmen, bevor das Zeitspiel kommt. Da erwischt er eigentlich einen guten Moment. Dass Juri genau in dem Moment intuitiv einläuft, konnte keiner absehen. Er hat sich in der Auszeit direkt dafür entschuldigt", berichtete Kapitän Jiohannes Golla über den Patzer des Bundestrainers. Auch der sechsfache Torschütze Miro Schluroff nahm seinen Trainer in Schutz: "Kein Vorwurf an den Trainer, das kann immer passieren", sagte der Gummersbacher. Tatsächlich hatte das Team bereits vorher eklatante Fehler gemacht. Nach der 17:13-Führung zur Halbzeit folgte in der Offensive ein völliger Einbruch, mehrere Minuten gelang den Deutschen kein Tor.
Statt eines erwarteten Siegs gegen den vermeintlich schwächsten Gruppengegner hagelte es also die 27:30-Pleite. Statt bereits vorzeitig den Einzug in die Hauptrunde zu schaffen, droht sogar das EM-Aus. Das dritte Gruppenspiel gegen Spanien wird über Wohl und Wehe entscheiden.