Sport

Tour de France Cancellara gewinnt Etappe

Fabian Cancellara hat am Dienstag die kuriose "Schneckentempo-Etappe" der Tour de France gewonnen. Das Peloton nahm erst auf den letzten 25 Kilometern so richtig Fahrt auf, vorher wurde ein Jedermann-Rennen geboten. Den Massensprint im Anschluss an die stundenlange Bummelei gewann überraschend der Spitzenreiter im Gesamtklassement vor Erik Zabel. Der Schweizer baute in Compigne dank der Zeit-Bonifikation für den Tagessieger von 20 Sekunden seinen Vorsprung gegenüber Andreas Klöden im Ziel der längsten Tour-Etappe auf jetzt 33 Sekunden aus. Am Vortag war Cancellara gestürzt und hatte sich leicht am linken Arm verletzt.

Vier Ausreißer wurden 500 Meter vor dem Zielstrich gestellt - Maßarbeit. Nach dem Zusammenschluss attackierte sofort Zeitfahr-Weltmeister Cancellara, der seinen zweiten Etappensieg der diesjährigen Tour nach seinem Prolog-Erfolg perfekt machte. Die letzten 1500 Meter boten zwei sehr gefährliche Passagen. Die zweite von zwei fast rechtwinkligen Kurven mündete in grobes Kopfsteinpflaster, das sich bei Regen in ein gefährliches Parkett verwandelt hatte.

Glücklicherweise ging die 3. Etappe in Compigne, wo in jedem April der Frühjahrs-Klassiker Paris - Roubaix gestartet wird, ohne Stürze im Finale zu Ende. Klöden, der sich am Dienstag auf seiner Internetseite für seinen Ausfall ("durchgeknallt") gegen den geständigen Jörg Jaksche entschuldigte, nahm den Zeitverlust gelassen, weil Cancellara langfristig keine Rolle mehr spielen wird.

Die langsamste in der Marschtabelle vorausberechnete Zeit für den Zieleinlauf war 17.41 Uhr. Die "Jedermann-Fahrer" im Tour-Feld überschritten dieses Limit um etwas mehr als eine Stunde. Selten leisteten sich die Profis bei der Tour eine solche Bummel-Etappe. Der französische Fernseh-Kommentar vermutete, die Profis wollten die schöne Landschaft genießen, ein Kollege von der "L'quipe" vermutete eine versuchte Nachtfahrt. Der Tagessieger fuhr ein Stundenmittel von rund 35,8 Kilometern - ein Wert, der bei schwierigen Bergetappen üblich ist. Der fünffache Toursieger Bernard Hinault, der die Siegerehrungen vornimmt, wähnte die Fahrer gar "in den Ferien".

Eine Art Protesthaltung steckte nicht hinter dem "Bummelstreik", versicherte T-Mobile-Teamchef Rolf Aldag, den Jan Ullrich am Dienstag in der "L'quipe" einen "Märchenerzähler" nannte. "Das Tempo war der Taktik geschuldet. Die Ausreißer vorne waren platt, und das Feld hatte keine Lust, sie zu früh zu stellen", begründete Ex-Profi Aldag die sich dahin schleppende Vorstellung der 188 Profis. Die gleiche Meinung tat Teamchef Jean-Ren Bernaudeau von Bouyges Telecom kund.

Vor dem Start in Waregem in Belgien waren bei 53 Fahrern Blut- Kontrollen vorgenommen worden. Unter den getesteten Mannschaften waren auch T-Mobile und Astana. Keiner der untersuchten Profis zeigte auffällige Werte.

Quelle: ntv.de