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Motor-Doping im Radsport? Cancellaras Team ist empört

Der Vorwurf, Radprofi Fabian Cancellara ist mit einem verstecktem Motor am Arbeitsgerät unterwegs, klingt auf den ersten Blick absurd. Andererseits handelt es sich um Radsport - und dort kennt die Experimentierfreude bei Manipulationen schon immer keine Grenzen. Und die Empörung bei Manipulationsvorwürfen auch nicht.

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Fabian Cancellara soll einige Saisonsiege mit verbotener Motorisierung errungen haben.

(Foto: REUTERS)

Fabian Cancellaras Team Saxo Bank hat die Gerüchte über Motor-Doping im Rad des Zeitfahr-Olympiasiegers empört zurückgewiesen. "Das Team weist alle Andeutungen und Anschuldigungen, Fabian Cancellara habe einen Elektromotor in seinem Rad genutzt, zurück. An der Geschichte ist nichts wahr", teilte der Rennstall von Bjarne Riis mit.

Derzeit kursieren Gerüchte, dass der Schweizer seine überlegenen Siege bei der Flandern-Rundfahrt sowie bei Paris-Roubaix nur mit Hilfe eines im Rahmen verstecken Hilfsmotors feiern konnte. Der italienische Ex-Profi Davide Cassani erklärt in einem Video, wie einfach und kaum sichtbar sich ein derartiger Motor bedienen lässt. Saxo Bank wies den Film als Dokumentation getarnte Fiktion zurück. Das Video wurde im Internet bisher fast 1,5 Millionen Mal aufgerufen.

Konkurrenten stehengelassen

Der Radsport-Weltverband UCI hat als Reaktion auf die Vorwürfe ein Meeting mit Vertretern der Rad-Industrie vereinbart. Das Treffen soll nach UCI-Angaben in der kommenden Woche stattfinden. Gleichzeitig erklärte UCI-Präsident Pat McQuaid, dass er sich einen Betrugs-Versuch von Radprofis mit Elektromotoren nicht vorstellen könne. "Die Batterien haben die Größe eines Pakets Zucker, sie wären nicht unsichtbar", sagte der Ire. Ermittlungen gegen Cancellara würden nicht aufgenommen.

Während des vergangenen Giro d'Italia hatte Ex-Profi und Fernseh-Kommentar Davide Cassani den Mechanismus des kleinen Elektromotors im Sattelrohr des Fahrrades demonstriert. Damit könne er als 50-Jähriger den Giro gewinnen, meinte Cassani. Auf "Youtube" wurden Bilder von Cancellara bei seinen diesjährigen Siegen bei der Flandern-Rundfahrt und bei Paris-Roubaix gezeigt. Bei seinen entscheidenden Attacken beschleunigt der Schweizer aus dem Saxo-Bank-Rennstall tatsächlich so rasant, dass seine Konkurrenten förmlich stehen zu bleiben scheinen.

"Hatte noch nie Batterien in meinem Rad"

Der unterlegene Topfavorit Tom Boonen aus Belgien hatte nach seiner Niederlage in Flandern vor zwei Monaten erklärt: "Ich fuhr auf der Verfolgung von Cancellara immer über 50 Stundenkilometer, aber ich kam nicht näher. Das war unglaublich." Sein Teamchef Patrick Lefèvere äußerte jetzt auch Zweifel an der Korrektheit des Cancellara-Erfolges.

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Cancellara bestreitet jede Manipulation.

(Foto: REUTERS)

Der Schweizer Zeitfahr-Olympiasieger wehrte sich gegen Vorwürfe des obskuren "Rad-Dopings". Die Verdächtigungen seien Schwachsinn. "Meine Siege sind das Ergebnis harter Arbeit. Ich hatte noch nie Batterien in meinem Rad", sagte Cancellara verschiedenen Medien.

Das von Cassani vorgestellte Modell mit einem mittels Knopfdruck am Bremshebel zu aktivierenden Mini-Motors bringt eine enorme Leistungssteigerung. Ein derartiges System, das allerdings dafür entwickelt wurde, Hobbyradfahrern das Strampeln zu erleichtern, wird von einer österreichischen Firma unter dem Namen "Gruber-Antrieb" hergestellt.

Quelle: ntv.de, sid/dpa