Sport

Interview beeindruckt Petkovic feiert Kassatkinas "wahnsinnig mutiges" Coming-out

imago0040897609h.jpg

Auf dem Platz wie neben dem Platz: Petkovic spricht Kassatkina Mut zu.

(Foto: imago images / Action Plus)

Darja Kassatkina ist erst die zweite Sportlerin in Russland, die sich zu ihrer Homosexualität bekennt. Andrea Petkovic feiert ihre Kontrahentin dafür und lobt sie überschwänglich, schließlich sei ein Coming-out als Russin alles andere als selbstverständlich.

Als das Gespräch voller Mut, Verletzlichkeit, Tränen und beeindruckender Stärke beendet war, fiel Darja Kassatkina ihrem Interviewer bewegt in die Arme. "Du hast mir so viele gute Fragen gestellt", sagte die beste russische Tennisspielerin zum YouTuber Witia Krawtschenko. Doch es war die 25 Jahre alte Weltranglistenzwölfte höchstselbst, die mit ihrem Coming-out und klaren Aussagen zum Angriffskrieg ihres Heimatlandes in bemerkenswerter Manier für Aufsehen sorgte.

"Mit sich selbst in Frieden zu leben, ist das Einzige, was zählt", sagte Kassatkina in dem Video, das nicht nur in der Tennisszene wahrgenommen wird: "Sich einzuschließen, ist sinnlos." Ja, sie habe eine Freundin, mit der sie sich am Montagabend bei Instagram glücklich präsentierte.

In Zeiten, in denen Russlands Präsident Wladimir Putin mit martialischer Rhetorik gegen seine Gegner wettert und die blutige Offensive in der Ukraine unbeirrt fortsetzt, zeigt die in Spanien trainierende French-Open-Halbfinalistin mit nicht selbstverständlicher Offenheit, dass sie mit den Ansichten der politischen Spitze ihrer Heimat wenig anfangen kann.

"Wahnsinnig cool"

Kassatkina beeindruckte damit auch Andrea Petkovic. "Ich fand es wahnsinnig mutig und auch wahnsinnig cool, wie sie es in dem Video vor sich hinsagt. Als wäre es das Normalste auf der Welt. Das ist es aber eben nicht, wenn du Russin bist und in Russland wohnst", sagte die deutsche Nummer zwei in Hamburg: "Ich habe es gesehen, ich habe es gefeiert und werde es auch weiterhin feiern."

Kassatkina kritisierte die vorherrschende Homophobie in Russland und bedauerte, dass das Thema in ihrem Land "verboten" sei. Homosexuell zu sein, mache das Leben "besonders in Russland" schwieriger. Russische LGBT-Personen sind häufig Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt. Homosexualität galt in Russland bis 1993 als Verbrechen und bis 1999 als Geisteskrankheit.

Kassatkina, die am Hamburger Rothenbaum als zweitgesetzte Spielerin bereits in der ersten Runde scheiterte, äußerte sich auch dezidiert zum Geschehen in der Ukraine, es sei ihr größter Wunsch, "dass der Krieg endet". Sie fügte an, dass sie alles dafür tun würde, wenn sie nur einen minimalen Beitrag leisten könnte, um den "absoluten Albtraum" zu beenden.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 19. Juli 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ara/sid

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen