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Favorit Reindl verliert Wahl DEB-Boss scheitert im Weltverband krachend

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In Deutschland wartet womöglich der nächste Ärger.

(Foto: imago/Sven Simon)

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert wählt der Eishockey-Weltverband IIHF einen neuen Präsidenten. Franz Reindl gilt als Favorit, doch der Chef des deutschen Verbandes erhält zu wenig Stimmen, um an die Spitze zu rücken. Und selbst als Vize wird er nicht gewählt.

Franz Reindl blieb nach stundenlangen Wahlen nicht einmal der Trostpreis. Die Abstimmung um das Präsidentenamt im Eishockey-Weltverband IIHF, sein selbst ausgerufenes "big game", hatte er im entscheidenden Durchgang verloren - und auch für den Vize-Posten reichte es nicht. Den Kongress in St. Petersburg verlässt der Vollzeitfunktionär aus Garmisch-Partenkirchen ohne die erhoffte Krönung seiner zweiten Karriere, präsentierte sich den Delegierten aber als fairer Verlierer.

Nach der Niederlage im Rennen um die Nachfolge des "ewigen" Präsidenten Rene Fasel (Schweiz), der sein Amt nach 27 Jahren an der Spitze des Weltverbandes abgibt, gratulierte Reindl dem Franzosen Luc Tardif zum "großen Erfolg in diesen Playoffs". Nur 39 Mitglieder hatten ihn mit seinem Programm "Hockey First" unterstützt, 67 Stimmen bekam Tardif, langjähriger Schatzmeister der IIHF. Obwohl Reindl als Favorit galt.

"Ein Tag mit großen, unerwarteten Entscheidungen geht zu Ende. Es war ein langes und intensives Spiel", sagte Reindl: "Als fairer Sportsmann gratuliere ich dem neuen Präsidenten mit dem Council, dem ich weiter angehören darf." Der ehemalige Nationalspieler und Bronzemedaillengewinner der Winterspiele 1976 bleibt damit zunächst Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), auch wenn auf ihn in der Heimat ungemütliche Tage warten könnten. Wie der "Spiegel" berichtet, setzt sich die Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit Reindls Ämterfülle auseinander.

Zumindest ein Posten bleibt Reindl

Unter anderem steht die Frage in Raum, wie Reindls Rollen als Geschäftsführer einer DEB-Tochtergesellschaft mit üppigem Gehalt und das präsidiale Ehrenamt zu vereinbaren sind. Der Widerstand einiger Landesverbände im DEB ist deutlich zu vernehmen, von einem Interessenskonflikt ist die Rede, den Reindl jedoch stets verneint. 2022 stehen die nächsten Wahlen im Deutschen Eishockey-Bund an, Reindl will dann nicht mehr antreten. Seit 2014 ist er DEB-Präsident.

Zuletzt war er mit dem internationalen Wahlkampf beschäftigt - mit prominenten Unterstützern. So sprachen sich NHL-Ausnahmespieler Leon Draisaitl oder auch der frühere Alpin-Star Felix Neureuther für Reindl aus. Doch Tardif, in Kanada geborener Ex-Profi, sammelte die meisten Stimmen, deutlich mehr auch als die in den ersten Wahlgängen aussortieren Petr Briza (Tschechien), Henrik Bach Nielsen (Dänemark) und Sergej Gontscharow (Belarus). Bach Nielsen schnappte Reindl dann auch noch das Amt des Vize-Präsidenten Europa und Afrika weg. Erst im letzten Durchgang sicherte sich Reindl zumindest den Verbleib im IIHF-Council, dem erweiterten Vorstand des Weltverbandes.

Tardif nutzte die Bühne in St. Petersburg nach einem Dank an Reindl für salbungsvolle Worte: "Alleine sind wir schneller", sagte er, "aber gemeinsam kommen wir weiter." Reindl wird wie bisher im Council an der Entwicklung des Welteishockeys mitarbeiten. Einziger deutscher IIHF-Präsident bleibt aber Günther Sabetzki, der diese Funktion von 1975 bis 1994 ausgefüllt hatte.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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