"Niemanden beleidigt"DHB-Boss kommentiert Knorrs Ärger über den Bundestrainer

Auf die Pleite bei der Handball-Europameisterschaft folgt unmittelbar der Ärger. Auch im Team, Spielmacher Juri Knorr äußert sich kritisch über Bundestrainer Alfred Gislason. Verbandspräsident Andreas Michelmann verweist auf "mündige Spieler".
Vertrauen in den Bundestrainer, Verständnis für den Spielmacher: DHB-Präsident Andreas Michelmann hält die Kritik von Juri Knorr nach der Niederlage gegen Serbien für legitim. "Wir wollen einerseits immer mündige Spieler haben, und dann wundern wir uns, wenn mündige Spieler auch mal das sagen, was sie denken. Ich finde das vollkommen in Ordnung", sagte Michelmann der ARD-"Sportschau" im dänischen Silkeborg. "Er hat ja niemanden beleidigt."
Knorr hatte sich nach dem 27:30 (17:13) gegen die Serben frustriert in Richtung von Bundestrainer Alfred Gislason über seine geringen Einsatzzeiten nach der Pause geäußert. "Natürlich brodelt es in einem auf der Bank, wenn man da draußen sitzt und nicht helfen kann", hatte der 25-Jährige gesagt. Und: "Wir haben die Serben in der ersten Halbzeit niedergerannt - und dann ändern wir alles. Das verstehe ich nicht. Ich stand nicht so viel auf der Platte in der zweiten Halbzeit. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll."
Deutschland steht vor dem letzten EM-Vorrundenspiel unter riesigem Druck. Im Gruppenfinale gegen Spanien droht am Montag (20.30 Uhr/ZDF, Dyn und im ntv.de-Liveticker) das Aus. Michelmann sagte mit Blick auf Gislasons Zukunft, er habe "volles Vertrauen zum Trainer, was das nächste Spiel anbelangt": "Der Trainer und die Mannschaft haben die Chance, morgen im Spiel gegen Spanien alles wiedergutzumachen."
Eine Debatte über Gislason, der noch bis zur Heim-WM 2027 Vertrag hat, hält er zugleich "nicht für ungerechtfertigt, weil das ist ja das Recht von jedem, über dies oder jenes zu diskutieren", sagte der 66-Jährige und verwies auf eine Präsidiumssitzung im Februar, die nach jedem Turnier stattfinde. Dort würden die Leistung der Mannschaft und "die der Trainer beurteilt".
Vor Beginn der EM hatte Michelmann eine Jobgarantie für Gislason ausgeschlossen. "Es ist doch klar, dass wir darüber nachdenken würden, wenn die Mannschaft - wovon ich nicht ausgehe - bei der EM absolut nicht performt", hatte der DHB-Präsident gesagt. Gislason ist seit Anfang Februar 2020 im Amt, der Isländer hatte das Team 2024 zu Olympia-Silber geführt, im vergangenen Jahr war aber bereits im WM-Viertelfinale Schluss.