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Nach Super-Sieg gegen Slowenien DHB-Team provoziert wunderliche Aussagen

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Trainer Alfred Gislason (2.v.l) war nach dem Spiel gegen Slowenien erleichtert.

(Foto: imago images/wolf-sportfoto)

Bei den deutschen Handballern stehen alle Zeichen auf Olympia. Jetzt müssen sie noch eine letzte Hürde nehmen, ein Scheitern ist aber ausgeschlossen. Gegen Slowenien präsentiert sich das DHB-Team endlich so, wie man es sich schon so lange wünscht. Das provoziert zu spannenden Aussagen.

Bob Hanning packte die ganz große Keule aus. "Das ist die beste erste Halbzeit, seit ich hier ein Amt habe", sagte der Vize-Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Hanning ist seit acht Jahren beim Verband, der Berliner feierte den Gewinn der Europameisterschaft 2016 und bejubelte ein paar Monate später die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Der Satz des starken Mannes im deutschen Handball hat deshalb Aussagekraft, wenngleich er überzogen war. Hanning schoss verbal etwas über das Ziel hinaus, aber das war nachvollziehbar. Schließlich fiel enormer Druck von ihm ab, Hanning war in der Halbzeitpause euphorisch.

Die deutsche Mannschaft hat mit einer ihr vorher nicht zugetrauten Leistung für eine 22:12-Führung gesorgt, am Ende hatte die DHB-Auswahl gegen Slowenien 36:27 gewonnen und damit den entscheidenden Schritt hin zur Olympia-Qualifikation gemacht. Im abschließenden Spiel beim Turnier in Berlin müssen die Deutschen heute gegen Algerien noch einen Punkt holen, was gegen den Außenseiter gelingen wird. Nach dem 25:25 am Freitag gegen Schweden und der dürftigen Leistung in der zweiten Halbzeit war die Leistungsexplosion nicht vorhersehbar.

Eine Niederlage gegen die Slowenen hätte das Scheitern bedeutet, der Druck war vor den 60 Minuten noch einmal größer geworden. Alle im Lager der deutschen Handballer wussten um die Bedeutung dieser Begegnung, die Verbandsspitze, die Trainer und die Spieler. Umso verblüffender war die Körpersprache, mit der die Akteure von der ersten Sekunde an deutlich machten, dass sie das Spielfeld als Gewinner verlassen würde. Überzeugung war spürbar, während Verunsicherung von den Beobachtern erwartet wurde. Die nach außen transportierte Entschlossenheit war man von dieser Mannschaft in den vergangenen Jahren nicht gewohnt. Beeindruckend war, dass die Deutschen den Moment des größten Drucks zu einer Befreiung nutzten.

"Ich habe da ein bisschen gezockt"

"Wir haben in den vergangenen Jahren häufig wichtige Spiele verloren, deshalb war es wertvoll, wie wir die Aufgabe heute gelöst haben", sagte Hendrik Pekeler. Der Abwehrchef war ein Garant für den Sieg, sein Trainer war der Baumeister. Im wichtigsten Match seiner Amtszeit waren die Überlegungen von Alfred Gislason aufgegangen. Der Isländer hatte drei Personalien im Vergleich zum Vortag geändert, die jede für sich ein Faktor für den Sieg wurde. "Alle Entscheidungen waren richtig und alle haben funktioniert", sagte Hanning.

Gislason war nach dem Spiel erleichtert und gab einen kleinen Einblick in sein Seelenleben. "Ich habe da ein bisschen gezockt", räumte der Trainer mit Blick auf die Torhüterrochade ein. Gegen Schweden hatte er überraschend auf Andreas Wolff verzichtet, gegen Slowenien kehrte die etatmäßige Nummer eins zwischen die Pfosten zurück und zeigte eine starke Leistung. "Andi kennt die slowenischen Angreifer gut und sollte ausgeruht sein", begründete Gislason seinen Kniff. Wolff bestach mit guten Reflexen und mit seiner Körpersprache, der Keeper wirkte wie seine Kollegen befreit von einer Last.

Im Innenblock wuchs an der Seite von Pekeler Johannes Golla über sich hinaus, der anstelle von Patrick Wiencek verteidigte. Der Flensburger war ein Aktivposten und half entscheidend mit, dass die Slowenen in der ersten Halbzeit an der Deckungsleistung der Deutschen verzweifelten. Golla war ein Überraschungscoup, während der Einsatz von Marcel Schiller erwartet worden war. Der Linksaußen ersetzte Kapitän Uwe Gensheimer, der gegen Schweden hinter seinen Möglichkeiten geblieben war. Schiller war mit sieben Treffern am Ende bester Werfer der DHB-Auswahl. Gislason, der im Februar 2020 als Trainer geholt worden war, um dem Team in entscheidenden Duellen mehr Impulse geben zu können als sein Vorgänger Christian Prokop, wurde den Erwartungen gerecht, als viel auf dem Spiel stand.

Am Nachmittag (15.45 Uhr) genügt gegen Algerien jetzt ein Unentschieden, um sich das Ticket zu den Olympischen Spielen zu sichern. Die Nordafrikaner waren in ihren ersten beiden Spielen in Berlin nicht mehr als ein Sparringspartner für die favorisierten Teams aus Europa. Bei den Niederlagen gegen Slowenien am Freitag (28:36) und Schweden am Samstag (25:36) verspielten die Algerier bereits die theoretische Chance auf eine Olympia-Teilnahme.

Eine Pleite gegen Algerien liegt außerhalb des Bereichs des Denkbaren, sie ist nicht möglich. "Wir brauchen noch zwei Punkte, wir müssen das bis zum Ende durchziehen", gab Gislason die Losung für die abschließenden 60 Minuten des richtungsweisenden Turniers in der Berliner Max-Schmeling-Halle aus: "Eine Niederlage könnte alles ruinieren." Dieses Szenario wird im Konjunktiv verbleiben.

Quelle: ntv.de

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