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Darts-Bad-Boy Price im Interview "Dann ist mir egal, was andere denken"

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Nicht jeder mag die Extravaganz mit der sich Gerwyn Price auf der Darts-Bühne pusht.

(Foto: imago images / Contrast)

Der Grand Slam of Darts im Herbst 2018 hat Gerwyn Price endgültig zum Bad Boy des Pfeilesports gemacht. Im Duell mit Gary Anderson flogen damals nicht nur die Pfeile, sondern auch verbal die Fetzen. Fast wären sich Price und Publikumsliebling Anderson sogar an die Wäsche gegangen. Unter gellenden Pfiffen gewann Price sein erstes großes Turnier. Aber der Sieg war teuer bezahlt, Price wurde in den folgenden Monaten bei jedem Turnier ausgepfiffen. Mittlerweile gilt der ehemalige Rugby-Profi nicht mehr als verhasst, polarisieren tut er aber nach wie vor. Daran dürfte auch sein neuerlicher Ausraster mitsamt verweigertem Handshake während des WM-Halbfinals gegen den späteren Weltmeister Peter Wright nichts ändern.

ntv.de: Herr Price, die WM liegt mittlerweile ein paar Wochen hinter uns. Sie sind ins Halbfinale eingezogen, haben dann allerdings gegen Peter Wright keinen guten Tag erwischt. Wie bewerten Sie mit etwas Abstand ihre Leistung?

Gerwyn Price: Natürlich war ich ziemlich enttäuscht an dem Abend und in den Tagen danach. Ich habe mich in der Partie gegen Peter Wright etwas hängen lassen und zu wenig mit dem eigentlich Spiel beschäftigt. Peter hat mich nach dem ersten Satz gekriegt, er ist in meinen Kopf gekommen. Letztendlich habe ich mich an dem Abend selbst geschlagen. Aber wenn ich mein gesamtes Turnier mit etwas Abstand betrachte, kann ich mit meiner Leistung zufrieden sein. Ich habe größtenteils gut gespielt und bin immerhin zum ersten Mal in meiner Karriere ins Halbfinale der WM eingezogen. Aber klar, mein Ziel war es, ins Finale zu kommen. Da habe ich versagt. Aus der Situation muss ich lernen und jetzt nach vorne schauen. Ich will besser und besser werden und unbedingt wieder ein gutes Jahr spielen.

Was haben Sie sich für 2020 vorgenommen?

Natürlich schaue ich von Turnier zu Turnier. Jetzt geht es bald schon mit der Premier League los, da muss ich gut aus den Startlöchern kommen, also am besten direkt mit einem Sieg starten. Dann mittendrin in der Premier-League-Zeit sind die UK Open, viele ProTour-Events und auch einige Turniere auf der European Tour. Das wird eine ziemlich intensive Zeit. Aber ich nehme jedes Spiel und jedes Turnier wie es kommt. Ich hoffe, ich kann einige Turniere gewinnen und schaffe es in der Premier League bis in die Playoffs.

Wer steht Ihnen auf dem Weg zu Ihren Zielen im Weg? Ist es Weltmeister Peter Wright? Ist es der Weltranglistenerste Michael van Gerwen?

Nein, keiner von beiden. Ich selbst bin mein größter Gegner. Wenn ich auf die Bühne gehe und das spiele, wozu ich fähig bin und wenn ich die Dämonen aus meinem Kopf bekomme, brauche ich vor keinem Spieler auf dieser Welt Angst zu haben. Ich gehe einfach auf die Bühne und spiele gegen das Dartboard, nicht gegen meinen Gegner. Klar, Michael van Gerwen ist seit Jahren Weltranglistenerster und Peter Wright ist jetzt Weltmeister, aber ich mache mir da überhaupt keine Gedanken. Ich mache mir nur Gedanken darüber, welches Ich von mir auf der Bühne steht.

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Schauen wir mal zurück auf Ihre Anfänge im Dartsport. Sie haben früher professionell Rugby gespielt, dann aber ihre Karriere beendet. Warum?

Ich habe 2010 parallel zum Rugby mit dem Dart spielen angefangen. 2014 habe ich mich dann an der Qualifying-School der PDC, dem Qualifikationsturnier, um Teil der PDC-Tour werden zu können, versucht und direkt eine Tourcard gewonnen. Zu dem Zeitpunkt war ich im Rugby noch als Halbprofi aktiv und habe zwischen Rugby und Darts hin und her jongliert. Parallel hätte das aber nicht weiter geklappt und ich habe realisiert, dass ich mit Darts viel mehr Geld verdienen kann. Meine Rugbykarriere stand sowieso schon kurz vor dem Ende. Ich entschied mich also, den Sprung zu wagen und mich auf Darts zu konzentrieren. Das war die richtige Entscheidung.

Hatten Sie auch schon während Ihrer Rugby-Karriere ein Bad-Boy-Image?

Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Ich bin einfach ich selbst. Manche Leute lieben das, manche Leute hassen das. Und das war auch im Rugby so. Ich gebe in jedem Spiel mein Bestes. Egal gegen wen, ich möchte einfach so gut es geht spielen. Und wenn ich damals auf dem Platz stand oder jetzt auf der Bühne stehe, ist es mir egal, was andere über mich denken.

Sie sind, wie gesagt, seit 2014 Profi. Damals haben sie sich das Ticket für die Profitour im Duell mit Hunderten anderen bei der Qualifying-School der PDC gesichert. Wie schwer war das damals?

Das war sehr hart. Ich schaue selten in die Vergangenheit, aber wenn, dann auf die Q-School damals. Im Nachhinein denke ich, es ist schwieriger die Qualifikation für die Profi-Tour zu schaffen als auf der Profi-Tour selbst erfolgreich zu sein. Auch in diesem Jahr wird es für keinen einfach, sich zu qualifizieren. Fallon Sherrock (hat bei der WM 2020 als erste Frau überhaupt einen Mann bei der WM geschlagen; Anm. d. Red.) ist dabei, viele Ex-Profis wollen zurück auf die Tour und auch viele neue, junge Gesichter. Ich wünsche allen, die dieses Jahr dabei sind, viel Glück.

Mit Gerwyn Price sprach Kevin Schulte.

Quelle: ntv.de