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MLB erlebt Infektions-Albtraum Das Virus greift um sich, der Kollaps droht

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Treffen sollte der Ball, getroffen hat die MLB aber vor allem das Coronavirus.

(Foto: USA TODAY Sports)

Trotz 17 Corona-Fällen in einem einzigen Team hält die Major League Baseball an ihrer Saison fest. Liga-Chef Rob Manfred scheint der Realität entrückt, Regierungsexperte Anthony Fauci dagegen warnt. Es droht ein Desaster.

Rob Manfred klang wie einer, der in einer anderen Welt lebt - in einer Welt fernab der Realität. Manfred ist der Chef der nordamerikanischen Baseball-Profiliga, und es schien ihn zunächst nicht zu beunruhigen, dass Ungemach droht. Die Major League Baseball ist nur wenige Tage nach dem Restart in heller Aufregung: Infizierte Spieler bei den Miami Marlins könnten bald die gesamte Liga lahmlegen, erste Spiele mussten bereits verschoben werden, doch Manfred behauptet kühn: "Ich stecke das nicht in die Kategorie Albtraum." Nein?

Mindestens 17 Mitglieder der Marlins haben sich infiziert. Das hat Auswirkungen auch auf andere Mannschaften: Auf die Atlanta Braves, gegen die Miami in der vergangenen Woche seine ersten zwei Spiele der auf 60 Partie verkürzten Saison bestritt; auf die Philadelphia Phillies, Gegner der Marlins am Wochenende; auf die New York Yankees, die seit Montag bei den Phillies zu Gast sind - das erste Spiel am Montag wurde abgesagt, ebenso die erste Begegnung der Baltimore Orioles am Montag in Miami. Am Mittwoch sollen die Marlins dann nach Baltimore.

Laut US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci könnte der Vorfall die Saison in "in Gefahr bringen". Es sei sehr bedauerlich, was mit dem Team passiert sei, sagte Fauci in der Sendung "Good Morning America" beim TV-Sender ABC. "Ich glaube nicht, dass sie aufhören müssen zu spielen, aber wir müssen schauen, was von Tag zu Tag mit anderen Teams passiert", ergänzte Fauci, der der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses angehört.

Schlechte Nachrichten auch für die NFL

Als "Desaster" oder "Albtraum" bezeichnen US-Medien die sich abzeichnende Katastrophe in der MLB, die ihre Saison nicht in einer "Blase" spielt wie die Basketball-Liga NBA (alle Spiele in Disney World) oder die Eishockey-Liga NHL (Edmonton und Toronto). Die Begegnungen finden in den Stadien der 30 Klubs statt - eine Ausnahme sind die Toronto Blue Jays, die wegen der Einreise- und Hygienebestimmungen in Kanada ihre Heimspiele in Buffalo im US-Bundesstaat New York bestreiten müssen. Das begünstigt womöglich die Verbreitung des Virus.

Die MLB glaubte, sie sei auf alles vorbereitet. Das Konzept für den Start der normalerweise 162 Spiele langen regulären Saison ist 113 Seiten stark - allerdings fehlen Maßnahmen zur Bewältigung eines Ausbruchs des Virus. Nach Informationen von ESPN geht die Liga davon aus, dass sich Miamis Spieler und Betreuer auf dem Rückflug aus Atlanta ansteckten - nicht zum Sicherheitskonzept gehören etwa Piloten oder Stewardessen oder sonstiges Servicepersonal. Das Test-Konzept funktioniere, es müsse nur angepasst werden, sagte Liga-Chef Manfred.

Um personellen Problemen vorzubeugen, durften die Klubs ihre Kader für diese Saison auf 30 Spieler erweitern, dazu gibt es die sogenannte "taxi squad", eine schnelle Eingreiftruppe von weiteren 30 Spielern pro Franchise. Die Pläne der MLB seien in Erwartung von positiven Tests aufgestellt worden, bekräftigte Manfred. Er ergänzte: Er bleibe "optimistisch, dass "unsere Protokolle stark", um diesen Ausbruch zu überstehen "und die Saison zu Ende zu spielen". Eine Saison freilich, die gleich mit einem Albtraum begonnen hat.

Die Probleme der MLB dürften auch die Football-Liga NFL nicht unbeeindruckt lassen. Sie will im September mit ihrer Saison beginnen. Ebenfalls ohne Zuschauer. Aber eben auch in allen 32 Stadien, verteilt quer über den Kontinent.

Quelle: ntv.de, tsi/sid