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Lehrjahre eines Ski-Wunderkinds Das WM-Desaster des Domen Prevc

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"Ich akzeptiere die Entscheidung voll und ganz": Domen Prevc.

(Foto: imago/Newspix)

Domen Prevc erlebt bei seiner ersten Weltmeisterschaft in Lahti ein Desaster. Der erst 17 Jahre alte Skispringer tritt bereits zur Halbzeit die Heimreise nach Slowenien an. Wann er nach dieser kompletten Enttäuschung in den Weltcup zurückkehrt, ist völlig offen.

 

Eine letzte Chance erhielt Domen Prevc noch. Sie endete im Desaster. Auf indiskutable 76 Meter hüpfte das Skisprung-Wunderkind im finnischen Lahti, von der Großschanze wohlgemerkt, auf der Anzeigetafel stand: 0,0 Punkte, Platz 48. Sloweniens Nationaltrainer Goran Janus hatte genug gesehen, brach das WM-Training ab und schickte den 17-Jährigen nach Hause. Für Domen Prevc, der zu Saisonbeginn vier Weltcup-Springen gewann, das Gelbe Trikot trug und gefeierter Senkrechtstarter war, endete mit seinem missglückten Flugversuch eine WM zum Vergessen.

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"Die WM war eine wertvolle Erfahrung."

(Foto: imago/Newspix)

Auf der Normalschanze hatte der hoch gehandelte Teenager als 34. den Finaldurchgang verpasst, im Mixed gehörte er nicht zum Aufgebot. Die vorzeitige Abreise war der Tiefpunkt. "Ich akzeptiere die Entscheidung voll und ganz. Abgesehen von meinen Ergebnissen habe ich mich in Lahti sehr wohl gefühlt, die WM war eine wertvolle Erfahrung", sagte der jüngere Bruder von Peter Prevc pflichtbewusst. Die slowenische Presse ging da schon härter mit dem Team ins Gericht. "Mit der Vierschanzentournee begann Domens Form zu sinken. Das zeigt, dass der 17-Jährige verbrannt wird", schrieb die Tageszeitung "Dnevnik".

"Wir haben Angst um ihn"

Seit dem Jahreswechsel befindet sich der "Domenator" in der Tat im steten Sinkflug. Als Topfavorit zur Tournee gereist, belegte er dort nur Rang neun der Gesamtwertung. Auf ein Weltcup-Podest schaffte er es nur noch einmal, im Januar als Dritter in Wisla, einstellige Ergebnisse wurden zur Seltenheit. Ob Prevc noch in diesem Winter in den Weltcup zurückkehrt, ist offen. "Ich bin enttäuscht über das, was passiert ist. Aber ich würde es nicht als Tragödie bezeichnen. Wir werden versuchen, Domen so gut zu helfen, wie es geht", sagte Nationaltrainer Janus. Für den Rest der WM hält sich sein jüngster Schützling in der Heimat fit, erst danach will Janus sein Aufgebot für die anstehende Norwegen-Tour bekannt geben.

In Slowenien heben Skeptiker dennoch mahnend den Finger und erinnern an Landsmann Rok Benkovic. Der wurde 2005 in Oberstdorf mit 18 Jahren völlig überraschend Weltmeister von der Normalschanze, Prevc hätte diesen Altersrekord in Lahti brechen können. Aber: Schon im Mai 2007, im Alter von nur 21 Jahren, beendete Benkovic aus Mangel an Motivation seine Karriere. So weit soll es bei Domen Prevc nicht kommen, der Mann mit der unfassbaren Fluglage ist noch immer das größte Versprechen des Skispringens. Mal stürzt sich Prevc mit der Chuzpe eines unbekümmerten Kindes in die Tiefe, mal entsteht aber auch eine höchst wackelige Angelegenheit. "Wir haben Angst um ihn, weil er keine Angst hat", sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer zu Saisonbeginn.

Prevc selbst hat keine Angst, auch nicht vor der Zukunft. "Im Skispringen kann es schnell nach unten gehen, aber auch schnell nach oben", sagte er der Tageszeitung Slovenske Novice vor der Abreise. Was ihm am meisten von der WM in Erinnerung bleiben würde, wurde Prevc ganz am Ende gefragt. Seine Antwort: "Wir haben hier in einem wirklich schönen Holzhaus geschlafen." Na immerhin.

Quelle: n-tv.de, Erik Roos und Christoph Leuchtenberg, sid

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