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Flüche, Doppelfehler, Rollstuhl Das hässlichste Match der French Open

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Kiki Bertens war beteiligt am hässlichsten Match der French-Open-Woche. Die treibende Kraft hinter dem Drama war aber ihre Gegnerin Sara Errani.

(Foto: REUTERS)

In der zweiten Runde der French Open produzieren die Niederländerin Kiki Bertens und Sara Errani aus Italien bemerkenswerte Zahlen - und ein Match zwischen Drama und Skandal. Es gibt viel Streit, der nicht mit dem Matchball endet.

24 Breaks in 37 Aufschlagspielen, 3:11 Stunden Spielzeit und ein Überlängen-Ergebnis von 7:6 (7:5), 3:6, 9:7 für Kiki Bertens lassen erahnen, dass im Match der Niederländerin gegen die Italienerin Sara Errani in der zweiten Runde der French Open etwas Außergewöhnliches passiert ist. Dass die Partie zwischen Drama und Skandal in die Geschichtsbücher des traditionsreichen Grand-Slam-Turniers eingehen wird, geben die Zahlen aber nicht her. Dafür sorgten die Protagonistinnen - und besonders die Italienerin. Die lieferte eine ganz große Show ab. Es wurde eines der schmutzigsten, kuriosesten Matches, die Roland Garros je gesehen hat.

Am Ende sank Bertens in den Sand von Platz 14, gerade so, als hätte sie gerade den größten Titel ihrer Karriere errungen. Einen Pokal gab es für den Sieg nicht, es war aber ohne jeden Zweifel ein besonderer. Zwei Sätze lang lieferten sich Bertens, Nummer fünf der Setzliste, und Errani, ehemals Nummer fünf der Weltrangliste, ein enges, trotz zahlreicher Breaks vergleichsweise normales Match.

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Bertens gewann den ersten Durchgang, Errani den zweiten - und dann nahm das Drama - oder doch der Skandal? - seinen Lauf. Früh im entscheidenden Durchgang verletzte sich Bertens offenbar am Oberschenkel, wurde mehrere Minuten lang behandelt und hatte danach sichtbar Probleme beim Laufen. Errani wiederum ist überzeugt: Die vermeintliche Verletzung war nur Finte ihrer Gegnerin, reine Show. "Sie ist gerannt wie nie zuvor. Sie hat mich wütend gemacht. Hat sie super gemacht", meckerte die Italienerin auf der Pressekonferenz nach dem Match und fügte hinzu: "Ich mag es nicht, wenn jemand mit mir 'spielt'."

Immerhin konnte sie selbst gehen ...

Nach der Behandlungspause aber führte Errani noch mit 3:2 - bevor beide Spielerinnen in der Folge jeweils fünfmal in Serie ihre eigenen Aufschlagspiele verloren. Die genervte Errani, die zwischendurch ihre - vermeintlich oder tatsächlich - angeschlagene Gegnerin nachäffte und verhöhnte, stand sich dabei immer wieder selbst im Wege.

Die 33-Jährige kämpft schon seit geraumer Zeit mit ihrem Aufschlag, schlug mit wachsendem Frust immer wieder von unten auf - und produzierte trotzdem zwölf Doppelfehler. Am Ende hatte sie - nach 19 eigenen Aufschlagspielen - ganze sechs Punkte nach eigenem zweiten Aufschlag gewonnen. Mehrfach wurde Errani wegen Zeitüberschreitung verwarnt, weil sie mit dem eigenen Ballwurf kämpfte - so auch bei ihrem eigenen Matchball beim Stand von 6:5. Verwarnung, zweiter Aufschlag, Matchball weg.

Als Bertens ihr Aufschlagspiel zum 8:7 durchbringen konnte, war das Match praktisch entschieden. Insgesamt vier Matchbälle konnte Errani abwehren, den fünften dann nicht mehr. Bertens sank zu Boden - und Errani, 2012 Finalistin in Paris, eskalierte final. Zunächst verweigerte sie ihrer Gegnerin die Gratulation am Netz, dann stürmte sie mit einem bösen italienischen Schimpfwort ("vaffanculo/F*** dich") vom Platz. Immerhin konnte sie selbst gehen: Bertens musste kurz darauf von Krämpfen geplagt im Rollstuhl vom Platz geschoben werden. Die Niederländerin schrie beim Abtransport mehrfach laut auf vor Schmerzen.

Natürlich war das übertrieben - war sich Errani später sicher: "Sie hat den Court auf einem Rollstuhl verlassen und jetzt isst sie im Restaurant, so als ob alles gut wäre, ich habe sie gerade gesehen." Bertens war nach dem Match naturgemäß in besserer Stimmung - und gab sich versöhnlich: "Das ist natürlich nicht schön zu hören, aber ich versuche, das nicht persönlich zu nehmen. Ich kann mir vorstellen, wie frustriert sie ist." Und weiter: "Sie kann natürlich denken, was sie will. Aber wenn das nur gespielt war, dann sollte ich dringend mehr Stunden in der Schauspielschule nehmen und vielleicht eine Karriere in dieser Richtung forcieren." Ein Schmunzeln zum Abschluss eines hässlichen Nachmittags.

Quelle: ntv.de