Sport

"Das ist der absolute Scheiß"Paralympics-Eröffnungsfeier droht zur Farce zu werden

04.03.2026, 18:12 Uhr
Statt-Athleten-werden-Freiwillige-bei-der-Eroeffnung-der-Paralympischen-Spiele-die-Fahnen-tragen
Statt Athleten werden Freiwillige bei der Eröffnung der Paralympischen Spiele die Fahnen tragen. (Archivbild)

Die deutsche Mannschaft setzt mit dem Fernbleiben der Eröffnungsfeier ein Zeichen. Viel verpassen wird das Team nicht, bei nur zwei zugelassenen Sportlern pro Nation droht das Event zur Farce zu werden. Ein Athlet findet sehr deutliche Worte.

Viele Bilder, die am Freitag um die Welt gehen sollen, sind bereits im Kasten. In den drei paralympischen Dörfern wurden zahlreiche Clips aufgezeichnet, auch die deutschen Sportlerinnen und Sportler standen in Mailand, Cortina und Tesero vor der Kamera. Das Fernbleiben des Team D von der Eröffnungsfeier in Verona wird somit vor den heimischen Bildschirmen kaum auffallen, ohnehin wären vor Ort im Amphitheater nur maximal zwei Athleten zugelassen gewesen.

"Das ist ja kein Boykott, sondern lediglich die Nicht-Teilnahme an einer Eröffnungsfeier, die von den Organisatoren um alle Kriterien einer normalen Eröffnungsfeier gebracht worden ist", urteilte DBS-Ehrenpräsident Friedhelm Julius Beucher im Gespräch mit dem SID. Eine solche Zeremonie diene eigentlich "dem Zusammenkommen von Sportlern aus aller Welt. Doch hier geraten die Sportler in eine Alibi-Rolle." Es fehle "ein Teil dessen, was sonst die Spiele ausmacht".

Kaum Interesse an Plätzen im deutschen Team

Hierfür müsse man in aller Deutlichkeit "Kritik" an den Organisatoren der Spiele üben, betonte Beucher, der ebenso wie Markus Rehm am Freitagnachmittag noch die Paralympische Fackel durch Verona tragen darf. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hatte am Dienstag mitgeteilt, dass das Team D nicht am Einmarsch der Nationen teilnehmen wird. Diese Entscheidung diene "sowohl der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe als auch dem Anliegen, die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck zu bringen".

Ohnehin hätten nur maximal zwei deutsche Sportler in Verona einlaufen dürfen. Nach Informationen des Sportinformationsdienstes hielt sich innerhalb des Teams das Interesse an diesen beiden Plätzen in Grenzen, zum einen wegen der enormen Entfernungen aus den Clustern und zum anderen genau wegen dieser Teilnahmebeschränkung. "Das ist der absolute Scheiß", klagte Para-Eishockeyspieler Jörg Wedde: "Ich kann das wirklich nicht verstehen, ich weiß nicht, wer auf so eine Idee gekommen ist."

Den Sportlern werde etwas "Besonderes" genommen, monierte Monoskifahrerin Anna-Lena Forster: "Ich habe gesehen, wie sie es bei den Olympischen Spielen gelöst haben. Da fragt man sich als Athlet, warum das bei den Paralympics nicht auch möglich ist." Bei Olympia wurden die einzelnen Teil-Teams aus den Clustern live zugeschaltet beim Einmarsch der Nationen, bei den Paralympics werden größtenteils bereits am Dienstag aufgezeichnete Clips aus der Konserve eingespielt. 

"Das hätte krass werden können"

Die riesige Eröffnungsfeier im Vogelnest von Peking vor vier Jahren sei "eines der Wow-Erlebnisse in meinem Leben" gewesen, sagte Skifahrer Christoph Glötzner: "Es ist echt schade, dass das den Athleten jetzt genommen wird. Das hätte in einem europäischen Land krass werden können." Doch stattdessen wird die Eröffnungsfeier von einer Reihe von Boykotts überlagert. Ungefähr ein Dutzend der rund 60 Teilnehmernationen wird entweder aus Protest gegen den Start von sechs Russen und vier Belarussen unter eigener Flagge oder aus logistischen Gründen keine Sportler entsenden.

"Sport ist nicht politikfrei", betonte Beucher: "Das ist einfach ein Fakt." Bei den Paralympics zeigt sich das mal wieder mehr als deutlich.

Quelle: ntv.de, tno/sid

ParalympicsItalien