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Marcel Eckardt kennt die WM-Teilnehmer aus diversen Spielen.
Marcel Eckardt kennt die WM-Teilnehmer aus diversen Spielen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 26. April 2018

Im feinen Zwirn zur WM: Deutscher richtet über die Snooker-Profis

Für Snooker ist Deutschland ein Entwicklungsland - die Bundesliga besteht aus gerade einmal sieben Teams. Profis sucht man vergeblich. Und so ist bei der Weltmeisterschaft in England nur ein Deutscher dabei - als Schiedsrichter.

Marcel Eckardt ist ohne Queue zur Snooker-Weltmeisterschaft nach England gereist. Der 28-Jährige ist der einzige Deutsche, der am Turnier teilnimmt. Doch seine wichtigsten Gepäckstücke sind andere: "Was ich auf keinen Fall vergessen sollte, ist mein Anzug, mein Dinner Jacket, weiße Baumwollhandschuhe - und mein Schiedsrichter-Dreieck." Der junge Snooker-Referee aus Thüringen ist dieses Jahr zum vierten Mal bei der WM dabei, hat also schon etwas Erfahrung gesammelt, obwohl er auch weiterhin bei den Turnieren meist der jüngste Spielleiter ist. "Die Schiedsrichter bekommen in Deutschland eine sehr gute Ausbildung", meint Eckardt. "Das unterscheidet sich zu anderen nationalen Verbänden."

Bei den Spielern sieht das dagegen völlig anders aus. Snooker ist in Deutschland eine Randportart - und wer sich dennoch für das komplexe und knifflige Spiel an den mehr als drei Meter langen Tischen begeistert, findet keine guten Trainingsmöglichkeiten vor. Die im Vergleich zum Pool-Billard riesigen Tische sind sperrig und teuer, der Zugang zum Schulsport ist höchstens ein kühner Traum. Außerdem sei Snooker vor allem für Anfänger sehr frustrierend, sagt Michael John, Präsident der Deutschen Billard Union: "Man sieht lange gar keinen Erfolg."

Bundesliga hat gerade einmal sieben Teams

Dafür ist das Spiel mit den 21 Bällen zu sehr von Präzision und taktischer Finesse geprägt. Johns Verband schätzt, dass es derzeit rund 750 aktive Spieler in Deutschland gibt. Snooker macht damit nur einen sehr kleinen Anteil des Verbands aus. Pool ist in Deutschland weitaus beliebter. Gerade mal fünf Prozent der Billardspieler spielen die Variante Snooker. In der 1. Bundesliga spielen derzeit gerade einmal sieben Teams. Das Interesse vor dem Fernseher ist da schon deutlich größer: Rund 190.000 Zuschauer verfolgten etwa am Montag die WM-Übertragung bei Eurosport.

Die deutsche Hoffnung unter den Spielern ist Lukas Kleckers. Der 21-Jährige hatte sich im vergangenen Jahr für die Main Tour der Profis qualifiziert. Seitdem kämpft er darum, auch langfristig auf der Tour bleiben zu können. Bisher läuft das aber alles andere als erfolgreich: Bei den meisten Turnieren verlor er bereits die Erstrunden-Partien. Auch bei der WM-Qualifikation gelang ihm der große Coup nicht. Bereits in der ersten Begegnung musste er sich dem Thailänder Sunny Akani klar mit 4:10 geschlagen geben. Eine Qualifikation für den Saisonhöhepunkt, an dem 32 Spieler teilnehmen, wäre nicht weniger als eine Sensation gewesen. Bisher hat es noch nie ein Deutscher zu dem prestigeträchtigen Turnier geschafft.

"Insgesamt war es eine sehr lehrreiche Saison für mich", schreibt Kleckers auf seiner Homepage. Im vergangenen Jahr sei er trotz der vielen frühen Niederlagen mit seinem Spiel zufrieden gewesen. "Dagegen war mein Spiel bei den letzten Turnieren seit Januar eher nicht zufriedenstellend." Ihm habe teilweise die nötige Konzentration gefehlt, dadurch seien ihm vermeidbare Fehler passiert.

Und so vertreten seit Jahren höchstens die Schiedsrichter die deutschen Farben im Crucible Theatre. Marcel Eckardt hat es auf diesem Weg schon bis ins WM-Viertelfinale geschafft. Seit acht Jahren leitet er nun schon Spiele der Profis. "Ich hatte inzwischen jeden sicher mehr als 20 Mal am Tisch und bin bisher mit allen gut klar gekommen", erzählt Eckardt. Einen Favoriten auf den WM-Titel will der 28 Jahre alte Student aber nicht benennen - ganz unparteiisch eben. Stattdessen verweist er auf die Weltrangliste. "Ich denke, es ist ersichtlich, wer gute Chancen auf den Titel hat."

Quelle: n-tv.de