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Hohe Haftstrafen, 40 Blutbeutel Die Betrüger zittern im Dopingsumpf

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Die Nordische Ski-WM in Seefeld wird von einem Dopingskandal überschattet

(Foto: dpa)

Die "Operation Aderlass" dürfte für Dopingbetrüger und diejenigen, die diese Verbrechen organisieren, ernste Konsequenzen haben. Im Raum stehen hohe Gefängnisstrafen. Und dann gibt es da auch noch 40 anonyme Blutbeutel.

Ab sofort könnte jede Pressemeldung der Staatsanwaltschaft München ein Erdbeben im deutschen Sport verursachen: Die bayerischen Ermittler untersuchen 40 Blutbeutel, die in der Praxis des Erfurter Mediziners Mark S. sichergestellt wurden. Dieter Csefan vom österreichischen Bundeskriminalamt ist zuversichtlich, die Blutbeutel, die mit Tarnnamen beschriftet sein sollen, "über DNA-Tests den jeweiligen Besitzern zuordnen zu können", wie er in der "Süddeutschen Zeitung " zitiert wird.

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Beim Doping gefilmt: Max Hauke.

(Foto: www.imago-images.de)

Die Ermittler gehen von einem internationalen Dopingnetzwerk aus. Die fünf bei der Razzia während der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld festgenommenen Langläufer sind wieder auf freiem Fuß, zumindest den beiden Österreichern Max Hauke und Dominik Baldauf aber steht beträchtlicher juristischer Ärger ins Haus: Beiden Athleten droht eine Freiheitsstrafe wegen Sportbetrugs. Das Strafmaß: bis zu drei Jahre Haft. Beide Sportler hatten ausführlich ausgesagt und Eigenblutdoping gestanden.

Für Sportmediziner Mark S. könnte es noch ungleich unangenehmer werden: "Im Gesetz sind für jeden einzelnen Fall der Anwendung von  Dopingmethoden - wenn sie gewerbsmäßig und im Rahmen einer Bande erfolgen - bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe vorgesehen, im Falle  einer Anklage gehen wir daher schon davon aus, dass es zu einer erheblichen Freiheitsstrafe kommt", sagte Staatsanwältin Anne Leiding, Pressesprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft. Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, betonte unterdessen, S. habe keine deutschen Kaderathleten betreut, "weder Nachwuchskader-Athleten noch irgendwelche Top-Athleten Deutschlands aus irgendeiner Sportart", wie er dem ZDF sagte.

Blutdoping in Deutschland

Damit widersprach der Funktionär dem Präsidenten des österreichischen Ski-Verbandes, Peter Schröcksnagel. Der hatte dem MDR gesagt, er hätte " Informationen, dass auch deutsche Athleten betroffen sind". Während man also auf die Namen weiterer Athleten wartet, die sich von dem deutschen Sportmediziner versorgen ließen, gab einer der bei der "Operation Aderlass" verhafteten Athleten Einblick in Dopingpraxis:  Der Este Karel Tammjärv sagte vor estnischen Journalisten, dass S. ihm erstmals 2016 eine Injektion angeboten habe und er mehrfach zum Dopen nach Berlin und Frankfurt gereist sei. Strafrechtlich werden die estnischen Athleten in ihrer Heimat wohl nicht belangt werden können. Der estnische Kulturminister Indrek Saar, der auch für den Sport zuständig ist, möchte Doping jedoch für die Zukunft kriminalisieren: "Dem Ruf des estnischen Sports und dem Glauben an die Möglichkeit eines sauberen Sports ist ein schwerer Schlag versetzt worden. Etwas noch Unanständigeres und Dümmeres ist schwer vorstellbar", sagte Saar am Freitag.

Den deutschen Doping-Experten Werner Franke überraschen die neuerlichen Dopingvergehen bei einem internationalen Großereignis unterdessen nicht. "Dass betrogen wird, ist eh klar. Aber so viel Dummheit", sagte der Heidelberger der "Welt" und bezeichnet den weiterhin inhaftierten Mark S. "hinsichtlich der kriminellen Energie und der Organisation des Dopings" als "deutschen Fuentes". Der spanische Arzt Eufemiano Fuentes stand unter anderem 2006 im Mittelpunkt des Dopingskandals bei der Tour de France.

Quelle: n-tv.de, ter/sid/dpa

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