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Lehren aus dem World Grand Prix Die Darts-Welt hat einen neuen Dominator

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Gerwyn Price ist die neue Nummer zwei der Darts-Weltrangliste.

(Foto: LAWRENCE LUSTIG)

Gerwyn Price gewinnt den World Grand Prix im Finale gegen Dirk van Duijvenbode, einen der größten Außenseiter aller Zeiten, der hauptberuflich auf einer Auberginenfarm arbeitet. Der Weltranglistenerste Michael van Gerwen scheidet erneut früh aus. Willkommen in der neuen Darts-Welt.

Price ist aktuell der beste Spieler der Welt: Der Ex-Rugbyprofi aus Wales springt auf Platz zwei in der Weltrangliste. Nur noch der (ehemalige) Dauer-Dominator Michael van Gerwen steht im Ranking vor Price. Doch das Klassement sagt über die tatsächlichen Kräfteverhältnisse an der Spitze der Darts-Welt nicht alles aus. Price ist durch seinen Triumph beim World Grand Prix zum momentan besten Spieler der Welt aufgestiegen.

Seit einem Monat ist der Waliser fast unschlagbar. Zunächst gewinnt Price nacheinander zwei kleinere Players-Championship-Turniere in Deutschland und die World Series Finals in Österreich. Dann setzt es auf der European Tour zwar eine Auftaktniederlage gegen den späteren Turniersieger Devon Petersen, beim World Grand Prix ist der "Iceman" allerdings nicht zu stoppen. Auch nicht von Dave Chisnall, der im Halbfinale drei Matchdarts liegen lässt. Auch nicht von Sensationsfinalist Dirk van Duijvenbode, den Price mit 5:2 bezwingt. "Ich wusste, wenn ich ihn unter Druck setze, wird er patzen. Und das habe ich die meiste Zeit über getan", sagt Price nach dem Spiel bei Sky Sports.

Der 35-Jährige geht jetzt als Topfavorit in die nächsten großen Turniere. Vor allem die Titelverteidigung beim Grand Slam of Darts im November steht auf seinem Zettel: "Daran habe ich gute Erinnerungen. Hoffentlich kann ich das Jahr gut beenden". Dominiert Price so weiter wie zuletzt, wird der Grand-Prix-Titel auf keinen Fall sein letzter bleiben.

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Dirk van Duijvenbode freut sich über den größten Zahltag seiner Darts-Karriere.

(Foto: LAWRENCE LUSTIG)

Es gibt keine Kleinen mehr: 32 Spieler nehmen am World Grand Prix teil und ausgerechnet der laut Weltrangliste größte Außenseiter von allen erreicht das Endspiel. Van Duijvenbode besiegt auf dem Weg ins Finale Österreichs Spitzenspieler Mensur Suljovic, Matchplay-Champion Dimitri Van den Bergh, Ex-Weltmeister Gary Anderson und den australischen Darts-Star Simon Whitlock. Nach seiner erwartbaren Niederlage im Endspiel gegen Price ist der 28-Jährige dennoch enttäuscht: "Verlieren macht mir nichts aus, wenn ich mein normales Spiel spiele. Aber heute Abend weiß ich nicht, was passiert ist. Ich habe erst gezeigt, was ich kann, als ich 1:4 hinten lag. Von da an war ich der bessere Spieler, aber es war zu spät."

Dennoch reist van Duijvenbode mit immerhin rund 55.000 Euro im Gepäck aus Coventry in seine niederländische Heimat. Für einen Spieler, der im gesamten vergangenen Jahr nicht einmal 20.000 Euro Preisgeld eingespielt hat, ist das ein beachtlicher Zahltag. Zumal der Niederländer bislang eher nur für seinen Walk-On, kombiniert mit extremer Hardstyle-Musik, sowie seine Tätigkeit abseits der Darts-Bühne bekannt war. Van Duijvenbode arbeitet auf einer Auberginen-Plantage. "Wenn ich verloren hätte, wäre ich mit dem ersten Flug zurück und hätte am Nachmittag wieder gearbeitet", sagt er nach seinem Halbfinal-Triumph über Whitlock. Mit dem Finaleinzug hat sich van Duijvenbode seinen neuen Spitznamen "Aubergenius" redlich verdient.

Michael van Gerwen fehlt das Selbstverständnis: Die fetten Jahre scheinen für den Weltranglistenersten erstmal vorbei zu sein. "MvG" schafft es nicht mehr, Turniere von Anfang bis Ende zu dominieren, geschweige denn zu gewinnen. Seit seinem letzten Major-Titelgewinn bei den UK Open vor der Corona-Unterbrechung läuft es beim dreimaligen Weltmeister nicht. Der Niederländer erleidet auch beim World Grand Prix frühen Schiffbruch. Im Viertelfinale ist gegen Simon Whitlock Schluss. Mit 0:3-Sätzen geht "MvG" gegen "The Wizard" unter, kassiert damit vom Australier bereits die zweite Abreibung in Folge. "Ich denke nicht, dass ich schlecht gespielt habe. Whitlock hat eines seiner besten Spiele aller Zeiten gemacht", entschuldigt sich van Gerwen nach dem Aus bei Twitter.

Mit Blick auf die nahende WM muss "MvG" auf einen schnellen Befreiungsschlag hoffen. Je länger seine Durststrecke anhält, desto stärker dürften die Zweifel werden. Zumal das Problem mit seinen Darts nicht gelöst ist: Nach einem Ausrüsterwechsel fiel van Gerwen die Umstellung auf neue Pfeile sichtlich schwer, wechselte zuletzt wieder zu seinen alten Darts. Ohne Erfolg.

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Darts-Deutschland wartet weiter auf den Durchbruch: Für Gabriel Clemens entwickelt sich die Runde der letzten 16 zum Fluch. Weiter muss Deutschlands Darts-Hoffnung auf seine erste Viertelfinale bei einem großen Turnier warten. Beim World Grand Prix gelingt Clemens zwar eine faustdicke Überraschung gegen den Weltranglisten-Sechsten Nathan Aspinall, in der zweiten Runde ist gegen Jeffrey de Zwaan allerdings Schluss. Für den "German Giant" bedeutete die 0:3-Klatsche bereits die sechste Niederlage im Achtelfinale eines Major-Turniers. Was seine starke Entwicklung in den vergangenen beiden Jahren aber nicht schmälern soll. Clemens liegt in der Weltrangliste nun auf Platz 33 und damit nur noch einen Platz hinter Max Hopp, dem bestplatzierten Deutschen. Eine Wachablösung an der deutschen Spitzenposition scheint ob der mittlerweile seit über einem Jahr andauernden Formschwäche von Hopp nur eine Frage der Zeit zu sein.

Corona macht auch vor dem Dartsport nicht halt: Nachdem im Frühjahr mit Kyle Anderson der erste Spieler positiv getestet wurde und es zuletzt auch Barry Hearn, den Chef der Professional Darts Organisation (PDC) erwischt hatte, nimmt das Coronavirus jetzt erstmals direkten Einfluss auf ein Turnier. Ex-Weltmeister Adrian Lewis und Stephen Bunting werden am ersten Turniertag positiv getestet. Kurzfristig muss die PDC den Spielplan anpassen, lässt als Nachrücker Simon Whitlock und Jeffrey de Zwaan nach Coventry anreisen. Und beide nutzen die unverhoffte Chance. Während der Niederländer erst im Viertelfinale gegen Price verliert, schafft es Whitlock sogar bis ins Halbfinale. Das hat für Adrian Lewis Konsequenzen: Ohne eingreifen zu können, verliert "Jackpot" seinen Status als "Top 16"-Spieler. Und Preisgeld bekommen er und Bunting trotz ihrer sportlichen Qualifikation für das Turnier auch nicht.

Quelle: ntv.de