Sport

Irre Karriere von Merlene Ottey Die Sprint-Süchtige, die keinen Verfall kennt

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Mit 44 Jahren sprintet Ottey 2004 beim Leichtathletikmeeting in Madrid noch immer vielen Konkurrentinnen davon.

Olympiadritte mit 20, Olympiadritte mit 40: Dieses Kunststück gelingt Sprinterin Merlene Ottey. Mittlerweile hat die 61-Jährige ihre Spikes doch mal an den Nagel gehängt. Nach einer turbulenten Karriere inklusive Zoff mit ihrem Heimatland Jamaika und Nationenwechsel nach Europa.

Es gibt jene Sportler und Sportlerinnen, die ihre Karriere mit einer teils bewundernswerten, teils schwer ertragbaren Konsequenz ausquetschen wie ein Barkeeper die allerletzte Limette an einer überfüllten Cocktailtheke. Der Flugsaurier Noriaki Kasai, der mit bald 49 Jahren nicht das Skispringen lassen will, ist ein solches Exemplar. Die gleichaltrige unaufhörbare Eisschnellläuferin Claudia Pechstein ein anderes. Und über allen thronte einst Merlene Ottey.

Für die ewige Sprintkönigin aus Jamaika, die am 10. Mai vor 61 Jahren geboren wurde, schien irgendwann die Altersuhr in den frühen 80er-Jahren stehengeblieben zu sein. Mit 20 wurde Ottey 1980 in Moskau Olympiadritte und lief die 100 Meter knapp über 11 Sekunden. Mit 40 wurde sie 2000 in Sydney Olympiadritte und lief knapp unter elf Sekunden.

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1980 gewinnt Ottey bereits Olympia-Bronze.

(Foto: imago images/United Archives International)

"Ich bin noch immer fasziniert von diesem Sport", sagte Ottey 2012, als sie mit 52 Jahren nur knapp die Olympia-Qualifikation für London verpasst hatte. Schon längst lief sie da für Slowenien, denn ihr Heimatland hatte sie bereits vor Sydney, als sie sich bei den nationalen Trials nicht qualifizieren konnte, zum Aufhören bewegen wollen. Zu alt, zu langsam, sei sie. Ein Affront.

Eine Obsession endet plötzlich

"Man wollte mich zu Hause aus dem Sport drängen", sagte Ottey, die auch mit einer positiven Dopingprobe im Jahr 1999 haderte. Ottey erklärte dem nationalen Verband den Krieg, klagte auf ihre Teilnahme in Sydney und bekam, als das IOC angesichts des schwelenden Streits mit dem Ausschluss des gesamten Teams drohte, recht.

Ottey führte in Australien die Staffel auf Platz vier, erhielt aufgrund des Dopingfalls Marion Jones nachträglich 100-Meter-Bronze - doch der Bruch mit ihrer geliebten Heimat war nicht mehr reparabel. Für Ottey indes wurde der Sprint zur ewigen Obsession, sie konnte, sie wollte nicht aufhören ohne diesen vermaledeiten Olympiasieg. Sieben Mal nahm die dreimalige Weltmeisterin an Sommerspielen teil, bei fünf Spielen holte sie insgesamt neun Medaillen - Gold sollte ein unerfüllter Traum bleiben. Das sah schließlich auch die bald 53-jährige Ottey ein.

Eines Tages im Februar 2014, erzählte sie dem "Tagesspiegel", dachte sie beim Training plötzlich, "was mache ich hier bloß?" Sie habe die Spikes aus- und nie wieder angezogen, sei seitdem nicht einmal mehr joggen gewesen.

Quelle: ntv.de, ara/sid

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