Sport

Baseball-Legende stirbt mit 86 Die Todesdrohungen vergaß Hank Aaron nie

ad811751110eb11990a68e9ff4c636ab.jpg

Je besser Aaron wurde, desto größer wurde der Hass der Rassisten.

(Foto: AP)

Henry Louis "Hank" Aaron ist eine Baseball-Legende. Die Erinnerungsstücke seiner aktiven Zeit hat er lange vor seinem Tod abgegeben. Die Nachrufe auf den 86-Jährigen erinnern vor allem daran, mit welcher Würde er über Jahrzehnte dem Rassismus in den USA entgegentrat.

Es gehört in Amerika zum guten Ton, dass ein erfolgreicher Sportler der jeweiligen Hall of Fame ein Erinnerungsstück überlässt. Henry Louis Aaron, genannt Hank, beließ es nicht bei einem. Nach einer einzigartigen Karriere als Baseball-Profi stiftete er alles, was sonst als wichtig erachtet wird: Den Ring für den Gewinn der World Series 1957, den Schläger, mit dem ihm der 3000. Treffer gelang, die Medal of Freedom, die er einst von Präsident George W. Bush überreicht bekam - alles liegt in den heiligen Hallen von Cooperstown.

Von den wichtigsten Erinnerungen seines Lebens trennte sich Hank Aaron freilich nie. Bis zu seinem Tod am vergangenen Freitag im Alter von fast 87 Jahren bewahrte er die Kisten mit den Hassbriefen auf, die er in all den Jahren erhalten hatte. "Aaron vergaß nie, wie ihn Amerika behandelt hat. Und Amerika sollte das auch nicht tun", schrieb "Sports Illustrated" nach dem Tod des ehemaligen Homerun-Königs. Aaron war eine Ikone seines Sports, aber vor allem, weil er den Rassismus in den USA mit Würde ertrug - und ihn dann bekämpfte und damit nicht zuletzt Muhammad Ali inspirierte.

Aaron wurde am 5. Februar 1934 geboren - in Mobile im Bundesstaat Alabama, wo er sich als Schwarzer unter dem Bett verstecken musste, wenn der Ku-Klux-Klan durch die Stadt marschierte. Als er als Teenager in den Negro Leagues spielte, zerbrachen die Angestellten in den Hotels die Teller, von denen er gegessen hatte. "Hätten Hunde davon gefressen, hätten sie die abgewaschen", sagte er 2014 bei der Feier zu seinem 80. Geburtstag. Und immer wieder schrieben Journalisten, er sei dumm und habe nur Erfolg, weil er halt talentiert sei.

6c600c17bac73376a08a619db9c2097d.jpg

Hank Aaron im Jahr 2018.

(Foto: AP)

Der Sport war nicht das Wichtigste

Der Hass auf Aaron nahm zu, je erfolgreicher er spielte. Und vor allem, weil er sich dem heiligen Gral näherte, dem Homerun-Rekord des legendären Babe Ruth, der den Ball 714 Mal aus dem Spielfeld geschlagen hatte. Die Atlanta Braves, für die er damals spielte, besorgten ihm einen Bodyguard, registrierten ihn in Hotels unter falschem Namen. Es gab Morddrohungen, die Entführung seiner Tochter wurde angekündigt. Die Zeitung in Atlanta hielt einen vorverfassten Nachruf bereit.

Dann kam der 8. April 1974. Im vierten Inning schlug Aaron den Ball zum 715. Mal aus dem Feld. Das Fulton County Stadium in Atlanta explodierte geradezu. Der legendäre Kommentator Vin Scully sprach dazu Sätze für die Ewigkeit: "Was für ein wundervoller Moment für den Baseball. Was für ein großartiger Moment für Atlanta und den Staat Georgia. Was für ein großartiger Moment für das Land und die Welt. Ein schwarzer Mann bekommt Standing Ovations im tiefen Süden, weil er den Rekord eines Baseball-Idols bricht."

Als Aaron nach seiner Runde über alle Bases die Home Plate erreichte, umarmte ihn seine Mutter Estella. Sie habe, sagte sie später, ihren Sohn gegen mögliche Heckenschützen abschirmen wollen. Aaron selbst verspürte keine Freude. "Ich danke einfach Gott, dass alles vorbei ist", sagte er zu den 53.775 Zuschauern im Stadion. Er schlug danach weitere Homeruns, 755 insgesamt, erst 2007 verlor er den Rekord an den umstrittenen Barry Bonds.

Doch die sportlichen Leistungen erschienen Aaron nicht so wichtig. Bei der Feier 2014 sagte Aaron, er habe all die Hass-Briefe aufgehoben "um mich daran zu erinnern, dass wir nicht weit weg sind von jenen Tagen, als ich den Rekord gejagt habe". Wer etwas anderes denke, der mache sich etwas vor. Der große Unterschied, ergänzte er, sei, dass die Rassisten heute keine Kapuzen mehr tragen, "sondern Krawatten und gestärkte Hemden". Worte, die in diesen Tagen aktueller sind denn je.

Quelle: ntv.de, Thomas Häberlein, sid