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Endspurt im Olympia-Dreikampf Die Zahlenspiele um 2018

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Ein Wallpaper der Münchner Bewerbergesellschaft, erhältlich unter www.muenchen2018.org.

(Foto: www.muenchen2018.org)

Mit Abgabe der Bewerbungsbücher tritt der Dreikampf um Winter-Olympia 2018 in die entscheidende Phase. Die Gegner kritisieren Kommerz und Gigantismus. Die Münchner Bewerber loben den Imagegewinn. So wenige Städte wollten die Spiele allerdings lange nicht mehr ausrichten.

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Bernhard Schwank war zunächst einer von drei Geschäftsführern der Münchner Bewerbergesellschaft, inzwischen ist er allein verantwortlich. Schwank ist sehr zuversichtlich, das ist sein Job.

(Foto: dpa)

Die bayerische Landeshauptstadt München ist einer von drei Bewerbern für die Winterspiele 2018, nur drei Bewerbern. Am 15. Oktober 2009 gingen beim IOC die Unterlagen aus München, dem französischen Annecy und von Pyeongchang (Südkorea) ein. Seit 1988 waren es nicht mehr so wenige. Aus Mangel Interessenten verzichtete das IOC darauf, die allgemein als chancenlos angesehene Bewerbung von Annecy bei der Benennung der "Candidate Cities" am 22. Juni 2010 auszusortieren. Favorit bleibt Pyeongchang, das sich zum dritten Mal in Folge bewirbt und dem IOC seit Jahren alle Wünsche von den Augen abliest. International macht München aber eine hervorragende Lobbyarbeit.

Ein Artillerieangriff Nordkoreas auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong forderte am 23. November 2010 vier Todesopfer. Was das mit Olympia 2018 zu tun hat? Es erhöht, wurde hierzulande eifrig spekuliert, Münchens Chancen auf die Spiele. Allerdings: Ein angriffslustiger Nachbarstaat böte den Südkoreanern auch die Chance, die Spiele 2018 zum grenzüberschreitenden Versöhnungsgipfel auszurufen. Ein Standortvorteil nicht ohne olympischen Reiz. Nicht nur die Fifa träumt seit Jahren vom Friedensnobelpreis.

Vier Tage lang, vom 1. bis zum 4. März, wird die Evaluierungskommission des IOC unter Leitung der Schwedin Gunilla Lindberg vor Ort überprüfen, wie es tatsächlich um die Versprechungen im Münchner Bid Book steht. Am 18. und 19. Mai müssen die Olympia-Kandidaten dann beim IOC in Lausanne die technischen Details der Bewerbung vorstellen. Wirklich entscheidend sind die Ergebnisse nicht. Für 2014 erhielt mit dem russischen Sotschi der Bewerber den Zuschlag, dem die Kontrolleure zuvor das schlechteste Zeugnis ausgestellt hatten. Die Fifa lässt grüßen.

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Das Gesicht der Münchner Bewerbung ist Katarina Witt. Auf internationalem Parkett macht die zweimalige Olympiasiegerin eine formidable Figur. Ihr Charme kommt an.

(Foto: dapd)

18 Gründe gegen München 2018 finden sich auf der Website www.nolympia.de. Die Macher der Website meinen, es sind gute Gründe. Die Bewerber meinen, sie können die Gründe entkräften (Stellungnahme als pdf). Flankiert werden die Gegner-Argumente freilich durch ein Kritisches Olympisches Lexikon. Sachargumente stehen im Vordergrund, nicht vermeintlich piefige Wutbürger, die mit bäuerischem Trotz und Starrsinn dem Rest des Landes die versprochenen "Freundlichen Spiele" verwehren wollen.

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In diesem Brandbrief teilten 59 Garmischer Grundbesitzer dem IOC am 22. Dezember 2010 mit, dass die Münchner Bewerbung in ihren Augen nicht haltbar ist.

(Foto: dpa)

59 Garmischer Grundbesitzer weigern sich hartnäckig, ihr Land für Olympia zur Verfügung zu stellen. Nicht aus Starrsinn oder Profitgier, wie sie betonen, sondern aus Prinzip. Die Spiele finden sie, sind zu groß und zu teuer für ihren mit 100 Millionen Euro verschuldeten Ort. Der vermeintliche Mehrwert an Image und Besucherzahlen, sagen sie, kann den Verlust wertvoller Naturflächen nicht aufwiegen. Sie fordern den Verzicht auf die Bewerbung und argumentieren, dass ohne ihre Flächen eh nichts geht. Die Bewerber bestreiten das, reden von sechs, vielleicht sieben notwendigen Grundstücken, Alternativflächen, kurz bevorstehenden Einigungen. Jedem Dementi folgt ein neues, zuletzt von Ludwig Seitz, dem Anwalt der Garmischer Landwirte. Er sagt: "Es wird keine Einigung geben. Meine Klienten möchten, dass der Kelch der Olympischen Spiele an Garmisch-Partenkirchen vorübergeht."

Um überhaupt eine Chance auf den Zuschlag zu haben, müssen die Bewerber zahlreichen Garantien und Bürgschaften für das IOC zustimmen, im Fall von München nicht weniger als 100 Garantien. Zentral ist das Versprechen, eventuelle Defizite nicht dem IOC aufzubürden, sondern dem deutschen Steuerzahler. Weil so etwas in Bayern eigentlich verboten ist, wurde laut "Süddeutscher Zeitung" im Olympia-Gesetz kurzerhand die Haushaltsordnung außer Kraft gesetzt. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nannte die vom IOC diktierte Verteilung von Kosten und Erträgen, Rechten und Pflichten, Chancen und Risiken im Herbst 2009 "eine Zumutung". Für Olympia ist er trotzdem.

In 176 Tagen entscheidet sich im südafrikanischen Durban, wer den Zuschlag erhält. Dann, am 6. Juli, stimmt die Vollversammlung des IOC über den Olympia-Ausrichter 2018 ab. Gegenwärtig gibt es 107 Mitglieder, zwölf von ihnen kommen aus deutschsprachigen Ländern. Die Spanne reicht von sportpolitischen Technokraten über Geschäftsleute bis zu sportfernen Vertretern der Adelswelt. Entsprechend breit gefächert sind auch die Argumente, mit denen sich IOC-Mitglieder überzeugen lassen.

Für Olympia in München war auch die Parteispitze der Grünen. Überzeugen konnte Parteichefin Claudia Roth die Basis mit ihrem Werben für die womöglich ökologischsten Spiele aller Zeiten nicht. Mit 289 zu 244 Stimmen bei 70 Enthaltungen sprachen sich die Delegierten auf dem Parteitag in Freiburg für den Antrag aus, die Winterspiele 2018 in München nicht zu unterstützen, und düpierten ihre Chefin nachhaltig.

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Das Zwei-Park-Konzept der Münchner Bewerber sieht drei Standorte vor (Stand September 2010).

(Foto: www.muenchen2018.org)

Die einmalige Nachhaltigkeit der Spiele soll primär daraus resultieren, dass 74 Prozent der benötigten Flächen schon jetzt intensiv durch den Sport genutzt werden und nicht dauerhaft baulich angepasst werden müssen. So steht es im Eckdatenpapier. Als Sportstätten vorgesehen sind der Eis-Park-München, der 90 Kilometer entfernte Schnee-Park Garmisch-Partenkirchen und die 160 Kilometer entfernte Kunsteisbahn Königssee. Es soll ein Olympia der kurzen Wege werden.

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Das Münchner Bid Book wurde in 100facher Ausführung in Lausanne eingereicht.

(Foto: REUTERS)

396 Seiten umfasst das deutsche Bid Book, um 10.08 Uhr gab es Katarina Witt in Lausanne ab.Insgesamt werden den IOC-Mitgliedern 100 Exemplare in einem Schuber mit jeweils drei Bänden ausgehändigt, in englisch und französisch. Eine deutsche Fassung gibt es nicht. Das Cover ist schneeweiß, der Inhalt laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) "erstklassig". Vom langjährigen IOC-Vizepräsidenten Richard Pound ist laut "Berliner Zeitung" das Bonmot überliefert, dass nirgendwo soviel gelogen werde, wie in olympischen Bewerbungsbüchern.

In Deutschland gibt es derzeit 824 Sportsoldaten, bis 2012 soll die Zahl auf 744 sinken. Die anstehende Bundeswehrreform mit der Aussetzung der Wehrpflicht ist allerdings nicht der Grund dafür, im Gegenteil: Spitzensportförderung sei für eine auf freiwillige Kräfte angewiesene Bundeswehr auch künftig sehr attraktiv. Für eine erfolgreiche Medaillenausbeute sind sie unabdingbar, vor allem bei Heimspielen. In Vancouver gewannen die Sportsoldaten 17 von 30 Medaillen.

Im Jahr 2013 wählt das IOC einen neuen Präsidenten. Ein Kandidat wird Thomas Bach sein, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes und derzeit IOC-Vizepräsident. In den letzten Monaten wurde wiederholt spekuliert, dass sich Bach nicht mit letztem Einsatz für Münchens Olympiabewerbung engagieren könnte. Denn hätte die Erfolg, könnten seine Wahlchancen sinken. DOSB-Sprecher Christian Klaue wies diesen Zusammenhang gegenüber n-tv.de entschieden zurück.

1,3 Milliarden Euro sind im Bid Book als Veranstaltungsbudget (OCOG) veranschlagt für die Durchführung der Olympischen Spiele, aufgebracht wird das Geld von Veranstaltern und IOC. Die Deckung des Budgets wird zu je einem Drittel vom Bund, dem Freistaat Bayern und der Stadt München garantiert. Weitaus spannender und größer als das OCOG-Budget ist das Non-OCOG-Budget. Es beinhaltet alle weiteren Kosten, also vorwiegend Infrastrukturmaßnahmen. Das umfasst nicht nur Straßen und Bahntrassen, sondern häufig auch die meisten Sportstätten, die den Ausrichtern nach den 16-tägigen Spielen als olympisches Erbe erhalten bleiben. IOC-Präsident Jacques Rogge findet deshalb: "Das sind keine Kosten der Spiele." In München werden derzeit 1,837 Milliarden Euro im Non-OCOG veranschlagt. Eine Vervielfachung des Budgets wäre keine Überraschung, sondern üblich. Der 33-Millionen-Euro-Etat für die Bewerbung ist bisher nicht gedeckt.

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Die nächsten Olympischen Winterspiele finden 2014 in Sotschi statt. Sie werden richtig teuer, sind für das Image Russlands aber unbezahlbar.

(Foto: dpa)

Für Sotschi, den Gastgeber 2014, wurden die Kosten zunächst mit 8,6 Milliarden Dollar beziffert. Jetzt werden sie nur noch geschätzt, zuletzt auf 30 Milliarden.

Quelle: n-tv.de

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