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Lebensgefährte als Verbandschef Die brisante Idee von Claudia Pechstein

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Claudia Pechstein sieht ihren Lebensgefährten Matthias Große als logischen Kandidaten für das vakante DESG-Präsidentenamt.

(Foto: imago/VIADATA)

Dem überraschenden Rücktritt der Verbandspräsidentin folgt unmittelbar der Vorschlag der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Sie bringt ihren Lebensgefährten Matthias Große als einzig logischen Kandidaten bei der DESG ins Spiel. Eine polarisierende Idee.

Claudia Pechsteins Lebensgefährte Matthias Große will die von einer in die nächste Krise taumelnde Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) als Präsident "vor dem drohenden Untergang" retten. "Dieser Verband hat so viele Verbindlichkeiten. Man weiß nicht einmal, ob sie nicht schon hätten Insolvenz anmelden müssen. Es geht einfach nicht so weiter", erklärte Große. "Die leben wie die Fürsten und haben gar kein Geld. Ich will Flagge zeigen."

Via Facebook hatte sich Pechstein am Donnerstagabend für ihren Partner starkgemacht und verkaufte ihn als einzig logischen Kandidaten. Das dürften im deutschen Eisschnelllauf-Lager nicht alle so sehen. Pechstein, die ihr Umfeld stets in Gegner und Verbündete unterteilt, hat in Große ihren wichtigsten Unterstützer gefunden. Er tritt als lautstarker Anpeitscher auf, als Pressesprecher oder "Bodyguard", wie Pechstein es einmal formuliert hat. Sein Gehabe war vor allem in den Anfangsjahren der Beziehung äußerst zweifelhaft. Die Liste der Beschwerden gegen Große ist lang.

Derweil hat der für alle überraschende Rücktritt der führungsschwachen Präsidentin Stefanie Teeuwen einen Tag vor den deutschen Meisterschaften ein bezeichnendes Bild auf den nach dem Rückzug des Hauptsponsors DKB finanziell am Boden liegenden Verband geworfen. "Die Finanzsituation ist schwierig, aber wir stehen nicht vor der Pleite. Aber 400.000 Euro zu ersetzen, ist nicht einfach", räumte DESG-Schatzmeister Dieter Wallisch ein. Der Pensionär aus München ist neben Vizepräsident Uwe Rietzke das einzig noch verbliebene Präsidiumsmitglied nachdem vor einigen Wochen auch Vizepräsident Hubert Graf aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niedergelegt hatte.

"So was von unprofessionell"

"Ein Rücktritt der Präsidentin einen Tag vor der Eisschnelllauf-Saison ist so etwas von unprofessionell. Es sei denn, es ist ihr persönliches Leid widerfahren", kritisierte Große nun. Teeuwen hat bisher keine Gründe für ihren Rückzug genannt. Neben den akuten Finanzproblemen könnte aber auch die fehlende Rückendeckung durch Präsidium und Trainerteam den Ausschlag gegeben haben. "Sie hatte kein Standing im Verband", sagte der Berliner Stürzpunkt-Trainer Uwe Hüttenrauch.

Wenn er Verantwortung übernähme, würde er den Verband "komplett durchrütteln", kündigte Große an. Er habe erlebt, was sich dort abspiele, wo nur hinter dem Rücken von Betroffenen geredet werde. "Wer soll diese Suppe auslöffeln? Es geht um die Zukunft der Sportler und des Verbandes", sagte er. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, werde "es den Verband 2022 nicht mehr geben", prognostizierte er. "Die Situation destabilisiert die aktuelle Verbandssituation weiter", konstatierte auch Teeuwens Amtsvorgänger Gerd Heinze. Er hält aber personelle Diskussionen derzeit für verfrüht.

"Das kann ich nicht ernst nehmen"

Unmittelbar nach dem "Rücktritts-Hammer" von Teeuwen waren Spekulationen über die Nachfolge ins Kraut geschossen. "Ein neuer Eisschnelllauf-Präsident muss drei wichtige Komponenten erfüllen: Er muss nicht nur Englisch und Deutsch, sondern auch ein bisschen Niederländisch und Norwegisch sprechen, er muss gut mit der Wirtschaft vernetzt sein und er muss ein Standing haben beim DOSB und dem Eislaufverband ISU", erklärte Hüttenrauch als Mann der Basis sein Anforderungsprofil.

Wallisch will nun aber nichts über das Knie brechen. "Mit zwei Präsidiumsmitgliedern sind wir noch geschäftsfähig", sagte der Schatzmeister. Erst nach den Meisterschaften würden sich die letzten Funktionsträger zusammensetzen, um über Wege aus der Krise zu beraten. Er hält es für möglich, dass eines der Präsidiumsmitglieder kommissarisch bis zur nächsten Wahl das Chef-Amt übernimmt.

DESG-Sportdirektor Matthias Kulik gibt sich diplomatisch. "Es geht hier um politische Entscheidungen im Sinne des Verbandes. Deshalb will ich zurückhaltend reagieren", sagte er bezüglich Pechsteins Vorschlag, der unter Trainern so einiges Kopfschütteln ausgelöst hatte. "Da kann ich nicht ernst nehmen. Das ist genau so unrealistisch, als würde ich meine Frau für das Präsidentenamt vorschlagen", sagte Bundestrainer Erik Bouwman, der zuvor bei Pechstein wegen der Ausbootung aus seiner Trainingsgruppe auf Kritik gestoßen war.

Quelle: n-tv.de, tno/dpa/sid

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