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Thole/Wickler spielen um WM-Gold Die perfekt geplante Beach-Sensation

Clemens Wickler und Julius Thole werden zu einem Team gemacht, die Verantwortlichen sprechen von langfristigen Zeitplänen. Die Geschichte um das deutsche Beachvolleyball-Duo, das am Sonntag um WM-Gold spielt, ist aber viel spannender. Es geht darin vor allem um Euphorie.

Wenn bei einer Sportart wie Beachvolleyball, die in Deutschland außerhalb Olympischer Spiele eher ein Nischendasein fristet, hunderte Menschen vor dem Stadion abgewiesen werden müssen, dann muss drinnen etwas Besonderes vor sich gehen. Das "Besondere", das sind in diesen Tagen der Beachvolleyball-WM in Hamburg Clemens Wickler und Julius Thole. Das Stadion, in dem die Athleten über den Sand fliegen, ist bis auf den letzten Platz gefüllt, alle wollen das deutsche Spitzen-Duo sehen, für viele ist bei den Auftritten der beiden schlicht kein Platz mehr.

Hamburger Bürger wissen zu berichten, dass die beiden Beachvolleyballer derzeit das Stadtgespräch sind. Die erste Frage beim Bäcker lautet: "Hast Du Thole/Wickler gesehen?" Dieses Team begeistert die Fans, wann auch immer sie im zur Beacharena umfunktionierten Tennisstadion auflaufen, sind die Ränge bis auf den letzten Platz gefüllt. 12.000 Zuschauer verbreiten eine faszinierende Atmosphäre, weil die beiden jungen Deutschen Leistungen in den Sand zaubern, die das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen.

Immer die richtigen Lösungen

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Bislang hat die Wechselwirkung perfekt funktioniert. Egal ob in der ersten K.o.-Runde gegen die holländischen Weltmeister von 2013, im Achtelfinale gegen die Brasilianer mit Blocker Alison Cerrutti, Olympiasieger von 2016, im Viertelfinale gegen die Amerikaner mit Phil Dalhausser, Olympiasieger von 2008, oder im Halbfinale gegen die hohen Turnierfavoriten Anders Mol und Christian Sorum aus Norwegen: Die Konkurrenz konnte noch so hochkarätig sein, die beiden jungen Deutschen fanden mit ihrer Athletik, ihrem taktischen Vermögen und ihrer ausgeprägten Spielintelligenz immer die richtigen Lösungen.

Das soll auch heute so bleiben, wenn um 14 Uhr der finale Akt einer Weltmeisterschaft folgt, die Thole und Wickler vorkommen muss wie eine Traumreise durch den Sand von Hamburg. Die Veranstalter haben das Areal längst in "Rothenbeach" umgetauft, die Begeisterung, die zwei junge Männer, die nicht nur ihren Sport im Kopf haben, in der Hansestadt und darüber hinaus ausgelöst haben, ist bemerkenswert für eine Sportart wie Beachvolleyball, die außerhalb von Olympischen Spielen in der Öffentlichkeit nicht mehr als ein Nischendasein fristet.

Thole (22) und Wickler (24) sind zwei Athleten, die ihre Passion zum Beruf gemacht haben und den Sport im Sand nicht nur mit ihren sportlichen Darbietungen hervorragend transportieren. Beide haben einen Einser-Abitur-Schnitt, Thole studiert nebenher noch Jura, Wickler BWL. Sie sind in der Lage, über ihre Leidenschaft erfrischend natürlich, eloquent und verbindlich zu plaudern. Zwei solch unverbrauchte Athleten sind ein ideales Vehikel, um Begeisterung und Identifikation zu transportieren.

"Überaus überraschend"

So wusste der lange Blockspieler Thole mit einem breiten Grinsen zu berichten, er habe seinen für Sonntag um 9.45 Uhr nach Zürich geplanten Flug umbuchen müssen. Kleine Planänderung: Statt der Vorbereitung auf das Turnier in den Schweizer Bergen wartet nun das Finale der Weltmeisterschaft. Das kommt nicht nur für Thole überraschend, auch der Rest der Szene reibt sich verwundert die Augen. So findet es Olympiasieger Julius Brink, der die WM als Experte für das Fernsehen begleitet, "überaus überraschend, wie schnell sie auf diesem Niveau spielen".

Für den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) bedeutet das einen Segen. Nach dem enttäuschend zeitigen Ausscheiden der übrigen neun Vertreter, die der Verband ins Titelrennen geschickt hatte, drohten die Weltmeisterschaften zu einer tristen Veranstaltung zu werden. Doch nun treten zwei Himmelsstürmer als Retter auf. "Sie tragen diese WM", sagt Brink, der es als "extrem wichtig" einstuft, "dass da jemand ist, hinter den du dich als Fan stellen kannst".

Diese Rolle hatte Brink selbst jahrelang gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Jonas Reckermann übernommen, ihnen war mit Laura Ludwig und Kira Walkenhorst ein weiteres deutsches Duo gefolgt, das mit außergewöhnlichen Erfolgen glänzte. Nun könnten Thole/Wickler das Erbe dieser Koryphäen antreten, selbst wenn Wickler einschränkt, "so weit ist es noch lange nicht".

Auch wenn der Zeitpunkt überaus früh kommt, ist es generell kein Zufall, dass die Kombination des 2,06 Meter langen Blockspezialisten Thole und des hochveranlagten Abwehrspielers Wickler in der Weltspitze gelandet ist. Dieses Team wurde am Reißbrett entworfen. Im Herbst 2017 verfügte der DVV, dass Wickler und Thole eine Zwangsehe eingehen müssen. Dabei war Wickler, der als größtes Talent im deutschen Beachvolleyball gehandelt wurde, gerade mit Tim Holler Deutscher Meister geworden. Doch die Perspektive mit Thole erschien den Chefstrategen erfolgversprechender. Und siehe da: Sie haben mit ihrer Einschätzung Recht behalten.

Auf der Überholspur in die Weltspitze

Allerdings sind alle Planungen durch das Tempo, das diese beiden Spieler an den Tag legen, längst über den Haufen geworfen worden. "Die Idee war eigentlich, Julius und Clemens für Olympia 2024 aufzubauen", weiß Niclas Hildebrand zu berichten, der als Sportdirektor im DVV für die Sparte Beachvolleyball verantwortlich zeichnet. Dass Thole/Wickler die Weltspitze mit Vollgas auf der Überholspur erreichen würden, hatte auch er nicht auf dem Schirm.

Nun geht es nur noch darum, gegen die Russen Viacheslav Krasilnikov und Oleg Stoyanovskiy das ganze große Ding aus dem Sand zu graben und sich die WM-Krone aufzusetzen. Es wäre ein unglaublicher Erfolg, der nicht nur den Titel und 60.000 Dollar Preisgeld bedeuten würde, sondern auch das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio. Nach den bisherigen Eindrücken dieser Titelkämpfe könnte man die deutschen Senkrechtstarter durchaus als Favoriten handeln. Doch das sehen die Protagonisten anders und verweisen darauf, dass sie gegen ihre Finalgegner in dieser Saison in zwei Begegnungen zwei Niederlagen kassiert haben. "Das sind Wahnsinns-Spieler", sagt Wickler, "die schlagen sehr gut auf und haben einen Monster-Block. Aber mit diesen Zuschauern im Rücken haben wir auch gegen die eine Chance."

Quelle: n-tv.de

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