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Kati Wilhelm - eine Legende hört auf "Die roten Haare bleiben"

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Mit einem Lachen in die "Sportler-Rente": Kati Wilhelm.

(Foto: REUTERS)

Der Biathlon-Weltcup macht zum Ende der olympischen Saison im sibirischen Chanty-Mansisk Station. Und mit dem Massenstart-Rennen an diesem Samstag beendet Kati Wilhelm ihre außergewöhnliche Biathlon-Karriere und geht in Sportlerrente - mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie sie im Interview mit n-tv.de sagt.

n-tv.de: Wann ist der Entschluss gefallen, dem Weltcup-Zirkus den Rücken zu kehren? Mit 33 sind Sie ja noch nicht im "sportlichen Rentenalter".

Kati Wilhelm: Ich wollte nicht als "Rentner" gehen, sondern als erfolgreiche Athletin, die selbst entschieden hat: 'Jetzt ist Schluss. Das ist jetzt der richtige Zeitpunkt.' Und der Entschluss ist nach Olympia zu Hause gefallen. Nach ein paar Tagen Ruhe.

Wie wurde Ihre Rücktrittsankündigung aufgenommen?

Ich glaube, dass viele gedacht haben, dass ich noch weitermache. Aber als sich der Schock gesetzt hatte, weil es so überraschend kam, haben viele gesagt, dass sie mich total verstehen können. Und es auch gut finden, dass der Entschluss von mir selbst kam und nun auch gefallen ist. Es war aber nicht leicht für mich.

Was kommt nun nach dem Leistungssport?

Ich werde mich jetzt meinem Studium widmen - intensiver als bisher. Da ist noch einiges zu machen. Insgesamt betrachtet, will ich mir aber erst einmal Zeit nehmen, ein bisschen was ausprobieren. Die Karriere und den Sport gewissermaßen erst einmal sacken lassen.

Da schließt sich die Frage nach der Familienplanung an.

Ja, die kommt dann auch irgendwann. Ich muss da aber nichts übereilen. Jetzt ist es erst einmal wichtig, sich neu zu orientieren, und dann kommt auch irgendwann die Zeit, an all das andere zu denken. Schwanger bin ich auf jeden Fall noch nicht. (Lacht)

Können Sie sich eventuell auch eine Zukunft im Biathlon vorstellen - als Trainerin, Jugendkoordinatorin oder TV-Expertin?

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Fannähe zeichnet Kati Wilhelm aus.

Sicherlich. Es ist vieles vorstellbar. Ich habe eine Menge Erfahrungen in meiner Karriere gesammelt und war auch immer selbständig in meinen Entscheidungen. Daher kann ich mir schon vorstellen, dass ich mein Wissen weitergeben werde. Aber in welcher Art, das dann sein wird, muss ich erst einmal sehen. In Richtung TV könnte auch einiges möglich sein. Erst einmal abwarten.

Was werden Sie nach ihrem Abschied vom Leistungssport wohl am meisten vermissen?

Die Leute um mich herum, mit denen ich die ganze Zeit zu tun hatte, auf jeden Fall. Es war ja doch eine lange Zeit, die man zusammen verbracht hat. Ich hoffe aber, dass ich genug gefordert bin und genug andere Aufgaben habe, sodass ich vielleicht gar nicht viel vermissen werde, weil mir einfach die Zeit dafür fehlt. Die Reiserei während des Weltcups könnte mir aber schon fehlen.

Apropos Ortswechsel: Sie sind einst nach Ruhpolding gezogen, um noch einmal neue Trainingsreize zu setzen. Aber zieht es Sie als gebürtige Thüringerin nach der Karriere nicht wieder zurück nach Steinbach-Hallenberg oder Oberhof?

Das weiß ich noch nicht. Ich werde aber erst einmal meine Wohnung in Ruhpolding behalten, weil ich noch öfter dort sein werde - auch um abzutrainieren.

Sie gelten als volksnahe Sportlerin. Bleiben Sie es auch nach dem Karriereende? Wie können ihre Fans weiter mit Ihnen in Kontakt bleiben? Stichwort Internet, Facebook oder Twitter?

Bei Facebook und Twitter bin ich nicht. Meine Homepage wird es aber weiterhin geben und auch aktualisiert. Ich denke nicht, dass die Person Kati Wilhelm komplett vom Erdboden verschwindet. Ich gehe auch davon aus, dass man mich des öfteren noch sehen wird.

Sie sind ja Quereinsteiger im Biathlon-Sport. Glauben Sie, Sie hätten ähnliche Erfolge wie Ihre Olympiasiege und Weltmeistertitel auch im Langlauf erreichen können?

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Zum Abschluss noch Olympia-Bronze in Vancouver.

(Foto: picture-alliance / Sven Simon)

Ich weiß nicht, ob ich das geschafft hätte. Mittlerweile ist das für eine deutsche Langläuferin ja möglich, aber zu meiner Zeit, war das eher unerreichbar. Aber die Popularität, die ich im Biathlon erreicht habe mit meinen Erfolgen, hätte ich im Langlauf definitiv nicht geschafft. Biathlon war und ist in Deutschland einfach populärer und erfolgreicher und ist mittlerweile, denke ich,  die Wintersportart Nummer eins hierzulande. Und wenn man da auch noch gut ist, ist das schon eine schöne Sache.

Da schließt sich die Frage an: Müssen sich die deutschen Biathlon-Fans ohne Kati Wilhelm Sorgen machen um den deutschen Biathlon-Sport?

Ich glaube nicht. Es ist zwar immer schwierig, genug guten Nachwuchs zu finden. Mit einem Einbruch ist aber nicht zu rechnen. Mit der Lena (Magdalena Neuner) und der Tina (Tina Bachmann) haben sich zwei Athletinnen bereits zum Teil mehr als erfolgreich neben den Alten etabliert. Zudem gibt es noch einige Talente Anfang 20, die noch angreifen können.

Frank Luck hat es gemacht, Sven Fischer auch: Wird es ein Abschiedsrennen von Ihnen in Oberhof geben. Und wenn ja, wann?

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Rote Haare auch privat.

(Foto: picture-alliance / SCHROEWIG/Eva)

Ein Abschiedsrennen wird es so nicht geben, aber eine Art Abschiedsfeier. Eine Möglichkeit, mich bei den Fans zu bedanken und für die Fans, sich von mir zu verabschieden. Das wird auf jeden Fall bei mir zu Hause in Steinbach-Hallenberg sein. Aber wann, steht noch nicht fest.

Zum Abschluss interessiert natürlich: Bleiben die roten Haare auch nach dem Karriereende?

Ja, (Lacht) Ich habe diesbezüglich noch keinen anderen Plan. Ich habe die roten Haare nicht für den Biathlon, sondern weil sie mir gefallen und sie zu mir passen. Meine Mentalität ändert sich ja nicht, nur weil ich jetzt kein Biathlon mehr mache. Deswegen bleiben die roten Haare, solange ich an ihnen Spaß habe und auch gern ein paar Stunden beim Friseur zubringe.

Mit Kati Wilhelm sprach Thomas Badtke

Quelle: n-tv.de

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