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WM in Belarus Diktator macht sich zum Eishockey-Problem

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Der Widerstand gegen Lukaschenko ist groß.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Der Eishockey-Weltverband hat ein Problem, denn die WM 2021 soll neben Lettland auch in Belarus stattfinden. Dort regiert Diktator Alexander Lukaschenko, dessen gewalttätiges Vorgehen gegen Demonstrationen massive Kritik verursacht. Das Turnier soll ihm aber aus einem anderen Grund wieder entzogen werden.

Seit mehr als 100 Tagen lässt Alexander Lukaschenko Demonstranten im Land niederknüppeln. Die Gewalt des Diktators gegen das eigene Volk ist für den Eishockey-Weltverband IIHF aber bislang kein ausreichender Grund, Belarus die WM im kommenden Frühjahr zu entziehen. Stattdessen könnte der sorglose Umgang mit der Corona-Pandemie den umstrittenen Staatschef die Co-Gastgeberrolle kosten.

Noch spielt die IIHF trotz großen politischen Drucks nicht zuletzt vom Mitausrichter Lettland auf Zeit. Doch der Bericht einer Expertenkommission, der dem Council bei seiner Sitzung in Zürich vorgelegt wurde, weist den Weg: Darin wird explizit "Skepsis" an den "nationalen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie", der "Zahl der Fälle seit September" und der "Berichterstattung über die Infektionszahlen in Belarus" geäußert, es bestehe ein "erhebliches Risiko" für die Sicherheit und Gesundheit der Teilnehmer und der Fans.

Der Hintergrund: Aufgrund seiner Statuten kann der Weltverband "nicht aus politischen Gründen ein Turnier verlegen". Darauf wies die IIHF im September ausdrücklich hin und setzte deshalb die Kommission ein. "Unter normalen Umständen wäre es unrealistisch, dass Belarus und Lettland gemeinsam eine WM ausrichten könnten", fasste Verbandspräsident Rene Fasel jetzt deren Ergebnis zusammen. Der 70-jährige Schweizer, der als gewiefter Diplomat gilt, deutete damit erstmals die Möglichkeit einer Absage an.

Ausgerechnet Russland?

Nach Informationen des kanadischen Fachblatts "Hockey News" reist Fasel in der kommenden Woche nach Moskau, um sich mit dem russischen Verbandschef Wladislaw Tretjak zu treffen. Der Plan von Fasel, der nach seinem Abschied von der IIHF im nächsten Jahr mit einem Job in der russischen Eishockey-Liga KHL liebäugelt, ist offenbar: Ausgerechnet Russland soll als zweiter WM-Gastgeber neben Lettland für das Turnier (21. Mai bis 6. Juni 2021) einspringen. Dass der Eishockey-Olympiasieger bereitsteht, hatte Fasel schon zuvor erklärt.

Was auf den ersten Blick nach einer schnellen Lösung in der Not aussieht, birgt neue Probleme. Denn voraussichtlich zum Jahresende entscheidet der Internationale Sportgerichtshof Cas über die im Dopingskandal ausgesprochene Vierjahressperre gegen Russland. Werden die Sanktionen der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) bestätigt, darf Russland keine Weltmeisterschaften ausrichten. Die IIHF müsste sich dann sogar neue Ausrichter für zwei Weltmeisterschaften suchen. Denn Russland ist ohnehin bereits mit St. Petersburg als Gastgeber 2023 vorgesehen. Die Wada-Sperre hatte Fasel zuletzt als "kollektive Bestrafung" kritisiert und von einem "sehr ernsten Problem" für die Eishockey-WM gesprochen.

Fasel und die IIHF stehen unter enormem wirtschaftlichen Druck. Denn nach der Corona-Absage der WM im vergangenen Frühjahr in der Schweiz muss die nächste Weltmeisterschaft unbedingt stattfinden, will der Verband nicht in große finanzielle Nöte geraten. Denn die A-WM ist seit Jahrzehnten neben dem Olympiaturnier das einzige lukrative Turnier, mit dessen Einnahmen und TV-Geldern die Wettbewerbe der Frauen und der Nachwuchsmannschaften, aber auch der unteren Leistungsklassen finanziert werden. "Dieses Turnier ist das wichtigste Gut der IIHF und unterstützt so viel, was wir tun", sagte Fasel nach der Council-Sitzung: "Wir müssen die IIHF mit allen Mitteln schützen."

Quelle: ntv.de, Thomas Lipinski, sid