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Mark Spitz feiert 70. Geburtstag Ein Schnauzer sorgt für Schwimm-Spektakel

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Wenn Mark Spitz in München antrat, gewann er Gold. In sieben Disziplinen ging er an den Start und wurde siebenmal Olympiasieger.

Seine Glanztage liegen 48 Jahre zurück. Trotzdem ist Mark Spitz bis heute weltweit bekannt. Dank seiner Gold-Gala bei den Sommerspielen 1972 in München. In einer Zeit, in der Badekappe und Schwimmbrille Fremdwörter sind, wird Spitz sieben Mal Olympiasieger. Trotz eines Handicaps.

Er ist schon lange nicht mehr der "Mustache man" und sein Markenzeichen ist auch schon seit vielen Jahren weg. Als 1988 die ersten grauen Haare kamen, entschied sich Mark Spitz, seinen Schnurrbart abzunehmen. "Es war ein Geschenk zum Valentinstag an meine Frau Suzy", sagte Spitz vor wenigen Monaten.

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So sieht Mark Spitz heute aus.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Doch auch ohne seinen markanten Oberlippenbart wird der mittlerweile gänzlich ergraute Spitz selbst im Alter von nun 70 Jahren immer noch vor allem mit zwei Dingen in Verbindung gebracht - und beide sind unzertrennbar miteinander verbunden. Seine sieben Goldmedaillen bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München - und sein dicker, dunkler Schnurrbart. Und es hat fast den Anschein, als sorge sein Schnauzer für mehr Gesprächsstoff als die sieben Olympiasiege.

Was war beeindruckender? Dass da ein 22-Jähriger in sieben Finals sieben Mal Gold gewann und dabei sieben Weltrekorde aufstellte? Oder das ihm all das trotz eines Schnurrbarts gelang? Zwar war an Schwimmkappe und Schwimmbrille damals noch nicht zu denken, doch zumindest Bärte galten als unnötiger Wasserwiderstand. Doch dann kam dieser Mark Andrew Spitz - und sorgte mit einem Schnauzer für Spektakel. Der Kalifornier ließ sich seinen Schnurrbart einst aus Wut über seinen Coach Doc Counsilman wachsen, der ihn sowohl an der Universität von Indiana als auch im Nationalteam trainiert hatte. Counsilman hatte ihm gesagt, er müsse "glattrasiert" zu den US Trials Anfang August 1972 in Chicago antreten. Spitz nahm dies zum Anlass, den Rasierer komplett zur Seite zu legen. "Es hat fast vier Monate gedauert, bis ich meinen Schnauzer hatte", erinnert sich Spitz.

Coach ärgert "verrückter Schnauzer"

Während Counsilman sich zu Beginn der US-Olympiaausscheidung noch über "diesen verrückten Schnauzer" aufregte, schwamm Spitz drei Weltrekorde. Und da der Aberglaube auch bei Schwimmern eine große Rolle spielt, reiste er anschließend auch mit seinem "mustache" nach München. Dort kam es im Training zu einer kuriosen Begegnung mit den sowjetischen Schwimmern. Diese fragten verwundert, ob der Oberlippenbart Spitz nicht behindere, ihn langsamer mache? "Nein. Im Gegenteil", antwortete dieser und lieferte gleich eine - wenngleich nicht ganz ernst gemeinte - Erklärung mit. "Der Bart leitet das Wasser vom Mund weg, mein Kopf ist dadurch tiefer und stromlinienförmiger im Wasser. Und deshalb bin ich bei der Olympiaqualifikation die Weltrekorde geschwommen." Ein Jahr später, so Spitz, hätten dann alle sowjetischen Schwimmer einen Schnurrbart getragen.

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Spitz und sein legendärer Schnauzbart bei den Olympischen Spielen 1972 in München.

(Foto: imago images/Christian Schroth)

Spitz war nicht nur witzig, sondern vor allem schnell. Er sorgte für magische Momente in München. Die Schwimmwettbewerbe wurden zum Spitz-Spektakel. Unrasiert rasierte dieser 22-jährige US-Amerikaner alle. "Es passte einfach alles und war gar nicht so schwer. Eigentlich war es sogar relativ leicht", meint Spitz. Allerdings hätte er fast auf den Start über die 100 Meter Freistil verzichtet.

Obwohl Spitz bereits beide Schmetterlings-Strecken, die 200 Meter Freistil sowie beide Freistil-Staffeln gewonnen hatte, fehlte ihm das Selbstvertrauen. Er war sichtlich beeindruckt vom australischen Titelverteidiger Michael Wenden, der im Vorlauf und im Halbfinale jeweils vor ihm angeschlagen hatte. "Er hatte eine unglaubliche Schnelligkeit und diesen ungeheuren Windmühlenschlag. Ich hatte echt Angst vor seinem Speed", betont Spitz. Seine Überlegung: lieber sechs Goldmedaillen in sechs Rennen holen, als zusätzlich noch einmal Dritter oder Vierter über die 100 Meter Freistil zu werden.

US-Nationaltrainer Peter Daland war nicht als Coach, sondern als Psychologe gefragt. Er stichelte seinen Star, erzählte ihm, dass die 100 Meter Freistil "das wichtigste Rennen der Olympischen Schwimmwettbewerbe" seien. Wer das gewinne, so Daland, sei der schnellste Schwimmer der Welt. Das sei wie in der Leichtathletik. Da interessiere es auch nicht, wer die anderen Wettbewerbe gewinne, sondern nur, wer Olympiasieger über die 100 Meter werde. Dalands Psycho-Spielchen wirkten. Spitz schwamm. Er dominierte und gewann in Weltrekordzeit von 51,22 Sekunden - und unterbot die alte Bestmarke von Wenden um fast eine Sekunde. "Was er damals erreicht hat, ist außerordentlich und rangiert ganz oben in der Liste Errungenschaften dieser Welt", sagt Wenden noch heute.

Spitz hängt in Amerikas Wohnstuben

Nach seiner Gala von München beendete Spitz im Alter von 22 Jahren seine Karriere. Er wurde der erste Athlet der Olympiageschichte, der sein Gold zu Geld machte. Spitz unterschrieb lukrative Werbeverträge, verdiente so in den ersten beiden Jahren nach München sieben Millionen Dollar. Das berühmte Foto in der "Sports Illustrated", das ihn mit seinen sieben Goldmedaillen um den Hals zeigt, fand mehr als eine Million Abnehmer. Spitz hing in Amerikas Wohnstuben, Küchen und Kinderzimmern - und wird mitunter heute noch darauf angesprochen. "Die Leute erwarten irgendwie immer noch, dass ich so aussehe wie damals auf dem Poster", sagte Spitz im Sommer 2016. Bereits vor vier Jahren beschrieb er sich trotz aller Erfolge, Ehrungen und Auszeichnungen als "ganz gewöhnlicher Kerl, der Olympischen Ruhm erlangt" habe.

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Anfang der 1990er Jahre versuchte Spitz ein Comeback - jedoch ohne Schnauzer und ohne Erfolg.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Obwohl seine Olympischen Glanztaten fast 48 Jahre zurückliegen und er 1992 kläglich beim Versuch scheiterte, sich als 41-Jähriger für die Sommerspiele in Barcelona zu qualifizieren, ist Mark Spitz in den USA bis heute ein olympisches Idol. Er steht auf einer Stufe mit Sportlern wie Jesse Owens, Carl Lewis oder Michael Phelps. Letzterer hatte 2008 in Peking acht Goldmedaillen gewonnen - und somit den Rekord von Spitz gebrochen. "Ich bin geehrt, zu einer kleinen Gruppe olympischer Legenden gezählt zu werden", sagt Spitz. Allerdings habe er für all seine Erfolge hart gearbeitet. Und er sei niemals geschwommen, um berühmt zu werden, sondern, weil ihm der Sport selbst wichtig gewesen sei. Spitz: "Wenn die Leute dann hinterher etwas Nettes sagen, genießt du selbstverständlich den Ruhm. Und wenn es weniger nett ist, dann ignorierst du es einfach."

Quelle: ntv.de