Reicht irre Torejagd fürs Wunder?Entfesselte Schweizer haben nach Handball-Drama wieder Hoffnung

Es wird für die Schweiz ein dramatisches Rennen um den Einzug in die Hauptrunde der Handball-EM. Die Eidgenossen liegen vor zwei Tagen noch geschockt am Boden, dann liefern sie ein beeindruckendes Comeback. Nun können sie nur noch hoffen.
Die Schweiz darf zwei Tage nach einem schwer zu fassenden Handball-Drama bei der Handball-EM wieder auf den Einzug in die Hauptrunde hoffen. Im Vorrundenfinale, in dem das Team des ehemaligen Welthandballers Andy Schmid zwei Punkte und 16 Tore auf die Färöer gutmachen muss, legten die Eidgenossen mächtig vor: Mit 43:26 (22:16) überrollten sie vor allem in der zweiten Halbzeit das völlig überforderte Montenegro. Damit müssen die Färöer am Abend (20.30 Uhr) Slowenien schlagen, um das eigene Handball-Märchen perfekt zu machen.
Noch vor 48 Stunden lag die Schweiz schwer geschockt am Boden: Beim 35:38 (20:14) gegen Slowenien hatten sie zwischenzeitlich mit neun Toren geführt, um am Ende eine ganz bittere Niederlage zu kassieren. "Das ist ein Tiefschlag für uns alle", sagte der fassungslose Schmid, einst Bundesligaprofi bei den Rhein-Neckar Löwen, hinterher. "Für mich ist unerklärlich, wie wir in eine solche Abwärtsspirale reinkommen konnten, und ich konnte nicht die richtigen Impulse geben."
Nun lieferte das Team eine beeindruckende Reaktion auf den Tiefschlag. Beste Torschützen für die Schweizer waren Lenny Rubin vom Bundesligisten TVB Stuttgart und Toptalent Luca Sigrist mit jeweils zehn Toren. Bis zur 20. Minute (11:14) konnten die zuvor bereits zweimal deutlich geschlagenen Montenegriner noch einigermaßen Schritt halten, dann zogen die Schweizer davon. Für die erste Zehn-Tore-Führung sorgte Gino Steenaerts beim 26:16, drei Minuten vor dem Ende knackte der Rechtsaußen von den Rhein-Neckar-Löwen dann die magische 16-Tore-Marke. Das von der Schweiz beschworene "Wunder von Oslo" ist wieder möglich.
Da das direkte Duell der Schweizer mit den Färöern mit einem Unentschieden (28:28) endete, würde bei einer Niederlage der Nordeuropäer gegen die bereits für die nächste Turnierphase qualifizierten Slowenen die bessere Tordifferenz entscheiden. Und da hat die Schweiz mit ihrem mächtigen Torfestival für Fakten gesorgt: Die Schweiz steht nun bei 3 Punkten und plus 14 Toren, für die Färöer (3 Punkte, plus 13 Tore) würde jede Niederlage das Ende der Handball-Party bedeuten.
Deutscher Gegner wird spät entschieden
Die Handballer von Nordmazedonien dürfen derweil weiter leise auf ein Duell mit Deutschland in der Hauptrunde hoffen. Die Nordmazedonier setzten sich am Dienstag in Herning dank eines Treffers in letzter Sekunde mit 24:23 (13:9) gegen Rumänien durch und zogen so in der Gruppe B nach Punkten mit Portugal gleich.
Die Chancen auf die nächste Runde stehen für Nordmazedonien (Torverhältnis: -11) aber trotz des ersten Sieges schlecht: Nur bei einer hohen Niederlage von Portugal (+6) gegen den Weltmeister und Olympiasieger Dänemark am Abend (20.30 Uhr) würden sie doch noch in die Hauptrunde einziehen und als vierter deutscher Gegner neben den Dänen, Titelverteidiger Frankreich und Norwegen feststehen.