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Aber taugt die als Vorbild? Es gibt doch schon längst eine Super League

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Die Euroleague ist von Ergebnissen in der heimischen Liga fast vollständig entkoppelt.

(Foto: imago/Camera 4)

Zwölf Spitzenklubs wollen im Fußball eine Super League gründen. In welchem unübersichtlichen Chaos das enden kann, zeigt der europäische Basketball, wo nationaler Erfolg in der obersten Etage fast keine Rolle mehr spielt.

Olympiakos Piräus ist im europäischen Basketball eine große Nummer - und der Verein, anhand dessen sich die Perversion des Europapokals am eingängigsten beschreiben lässt. Denn Piräus spielt nach einem Zwangsabstieg national nur in der zweiten Liga, hat aber ein ständiges Teilnahmerecht an der Euroleague, der unangefochtenen Königsklasse im europäischen Basketball. Nach der nordamerikanischen NBA ist sie als zweitstärkste Liga der Welt bekannt. Wie kann das sein?

Nun, weil die Euroleague im Basketball eine geschlossene, unabhängige Liga ist. Die allermeisten Startplätze werden über sogenannte A-Lizenzen vergeben. Wer einen großen (vermarktbaren) Namen, eine schmucke Halle und dazu mediale Präsenz mitbringt, hat gute Karten, dieses dauerhafte Teilnahmerecht von den Liga-Bossen zu kriegen, das völlig unabhängig vom sportlichen Erfolg ist.

Aktuell haben 11 von 18 Teams so eine Lizenz. Und wenn die Chefs mal einen Verein dabeihaben wollen, ihm aber nicht direkt die dauerhafte A-Lizenz ausstellten möchten, stellen sie gerne mal eine Wildcard aus. In der Vergangenheit profitierte davon unter anderem der FC Bayern München. Neben dem spielt aus Deutschland aktuell auch Alba Berlin in der Königsklasse des Basketballs mit.

Bundesliga? Zweitrangig!

Beide Klubs sind Anwärter auf eine A-Lizenz, die Bayern haben schon ein ganz konkretes Angebot bekommen und müssen es nur noch annehmen. Beide Teams sind in Metropolen zu Hause, haben große Hallen und große Namen. Diesen Glanz will die Euroleague. Deswegen ist auch der Standort London immer wieder im Gespräch, obwohl England ein Basketball-Entwicklungsland ist.

Die beiden deutschen Vereine müssen mit einer heftigen Doppelbelastung klarkommen. Denn sie spielen in der Basketball-Bundesliga und der Euroleague in zwei 18er-Ligen mit anschließenden Playoffs. Und dann wäre da noch der nationale Pokal. Die Folgen für die Liga sind klar: Die Stars spielen, wenn es drauf ankommt. Im nationalen Alltag muss mal der zweite Anzug reichen. Münchens Topscorer in der Euroleague, Wade Baldwin IV (15,2 Punkte), spielt international im Schnitt fünf Minuten mehr als national. Das hat Auswirkungen aufs Niveau, die Bayern sind in der Liga trotz des klar besten Kaders nur Dritter, in der Euroleague haben es die Münchner auf Rang fünf und damit in die Playoffs geschafft - als erster deutscher Klub überhaupt.

Die Frage, die über allem steht: Wie lange tun sich das die teilnehmenden Klubs noch an? Und wann steigt der erste Klub aus den nationalen Wettbewerben aus?

Nur eine Handvoll Klubs qualifiziert sich überhaupt noch über die nationalen Wettbewerbe für die Euroleague, unter der als zweiter Wettbewerb der Eurocup stattfindet. Er wird ebenfalls von der Euroleague ausgerichtet und ist das Äquivalent zur Europa League im Fußball. Wer im Eurocup mitspielen darf, man kann es sich denken, entscheiden im Zweifel die Bosse.

Bamberg als mahnendes Beispiel

Im Basketball gibt es natürlich solche, denen das alles mächtig aufstößt. Unter dem Dach des Basketball-Weltverbands FIBA wird seit der Saison 2016/2017 die Champions League ausgetragen, nachdem die FIBA versucht hatte, die Euroleague wieder unter ihren Einflussbereich zu kriegen. Dabei kam es zum Bruch.

Für die Teilnahme an der Champions League qualifizieren sich die Vereine ganz herkömmlich über die nationalen Ligen und Pokalwettbewerbe. Die Anteile an der Champions League hält zur Hälfte eine Vereinigung von zehn Nationalverbänden. Unterhalb der international drittklassigen Champions League (die größten Clubs spielen in den Wettbewerben der Euroleague) steht der FIBA Europe Cup, der in Konkurrenz zum Eurocup stehen soll. Wettbewerb Nummer vier also im europäischen Basketball.

Die Inflation der Wettbewerbe führt dazu, dass es für die großen europäischen Ligen etliche Startplätze gibt, deren Vergabe völlig unübersichtlich ist. Der Fan bleibt auf der Strecke, denn nationaler Erfolg und seriöse Arbeit ist keine Garantie mehr dafür, sich auf größter Bühne zeigen zu dürfen. Zu oft entscheidet das Geld, das an einem Standort zu verdienen ist.

Wie frustrierend alles sein kann, zeigt das Beispiel Brose Bamberg. Der Klub zog sich 2018 vergrämt aus den Wettbewerben der Euroleague zurück, weil die Liga-Bosse A-Lizenz oder Wildcard verweigerten. Bamberg war zum ersten Mal seit Jahren nicht Meister geworden, verlor also das Startrecht für die Euroleague und hätte so nur im zweitklassigen Eurocup antreten dürfen. Gleichzeitig bedachte die Euroleague den FC Bayern mit einer Wildcard für zwei Jahre. München ist eben attraktiver als die fränkische Provinz. Bamberg schloss sich damals für fünf Jahre der Champions League an.

Quelle: ntv.de

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