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Dreimal WM-Gold in Östersund Ex-Biathletin Henkel bewundert Dahlmeier

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Dreimal WM-Gold 2008 in Östersund: Zum Auftakt gewann Andrea Henkel den Sprint über 7,5 Kilometer, tags darauf auch die Verfolgung. Hinzu kam später noch Gold mit der Staffel.

(Foto: imago sportfotodienst)

Als die Biathlon-WM 2008 zum bisher letzten Mal in Östersund stattfindet, gewinnt Andrea Henkel drei Goldmedaillen. Nun drückt die Laura Dahlmeier die Daumen. Ansonsten hat Henkel nur noch einmal wöchentlich etwas mit ihrem Sport zu tun - in Lake Placid in den USA.

Andrea Henkel steht auf dem Schießplatz der Biathlon-Anlage von Lake Placid. Sie schaut konzentriert durch ein Fernrohr. Ihr linkes Auge zugekniffen, das rechte offen. Wenige Meter vor ihr liegt der 16Jahre alte Van Ledger. Der Nachwuchs-Biathlet visiert die fünf Scheiben in 50 Metern Entfernung an und drückt alle sieben bis acht Sekunden ab. Nach seinem letzten Schuss dreht er sich zu Henkel um und schaut gespannt. "Einer war weit links, die anderen waren gute Treffer", sagt Henkel. Als Ledger dann auf seinen Skiern eine kleine Runde dreht, gibt sie ihm für die nächste Schießübung noch einen Rat: "Vertraue deinem Instinkt."

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"Das ist hier Schülertraining. Vereinsebene": Andrea Henkel.

(Foto: imago/Karina Hessland)

Seit Ende 2015 lebt die Thüringerin in Lake Placid. Ein Jahr zuvor hatte sie den amerikanischen Biathleten Tim Burke geheiratet, der in der zweimaligen Gastgeberstadt der Olympischen Winterspiele zu Hause ist. Ihr sei immer klar gewesen, sagt die 41-Jährige, dass sie zu ihrem Ehemann in den US-Bundesstaat New York ziehen werde. Mit ihrem einstigen Sport hat Henkel nur noch einmal wöchentlich etwas zu tun. Immer mittwochs trainiert sie den örtlichen Nachwuchs.

"Naja, ich helfe eher aus. Damit das Biathlon-Programm am Laufen bleibt. Das ist hier Schülertraining. Vereinsebene", betont sie im Gespräch mit n-tv.de. Ihr eigentlicher Beruf ist Personal Trainer. Sie hat diverse Lizenzen erworben und sich in Lake Placid ihr eigenes Business aufgebaut. Wer abnehmen oder sich in Form bringen will, geht jedoch nicht zu Andrea Henkel, sondern zu Andrea Burke. Allerdings nimmt es die Thüringerin mit dem Nachnamen nicht so genau. "Ich habe offiziell beide Namen. Flüge buche ich immer mit Andrea Burke, aber in meinen Ausweis steht auch noch als Künstlername Andrea Henkel."

Als Biathletin alles gewonnen

Für Van Ledger heißt sie Andrea Henkel. Er habe zunächst einmal googeln müssen, sagt er, wer diese kleine, zierliche Frau eigentlich sei, dann aber im Internet jede Menge Videos von ihren größten Erfolgen gefunden. Das ist auch nicht schwer. Henkel hat 2002 in Salt Lake City bei den Olympischen Winterspielen zwei Goldmedaillen gewonnen. Sie wurde achtmal Weltmeisterin und gewann in der Saison 2006/2007 den Gesamt-Weltcup - was sie als ihren größten Erfolg einschätzt. Es sei grandios, sagt Nachwuchs-Biathlet Ledger von solch einer Person, die alles schon in den ganz großen Rennen erlebt habe, Hinweise und Tipps zu bekommen. Wenn der Teenager anderen erzählt, dass sein Hobby Biathlon sei, komme oft die Frage, von wem er denn trainiert werde. Auf seine Antwort, "Andrea Henkel" seien die Reaktionen immer gleich: "Wow. Cool."

Mixed-Staffeln eröffnen die Biathlon-WM

Mit der Eröffnungsfeier in Östersund haben bei Temperaturen von minus 14 Grad am Mittwochabend die Biathlon-Weltmeisterschaften begonnen. Olle Dahlin, Präsident der Internationalen Biathlon-Union IBU, erklärte die Titelkämpfe um 20.51 Uhr für eröffnet. 35 Nationen sind in Schweden am Start. Bis zum 17. März fallen zwölf Entscheidungen im Einzel, Sprint und Massenstart sowie in der Verfolgung, Staffel, Mixed-Staffel und Single-Mixed-Staffel. Die Wettkämpfe starten an diesem Donnerstag um 16.15 Uhr mit der Mixed-Staffel. Für das deutsche Team starten Vanessa Hinz, Denise Herrmann, Arnd Peiffer und Benedikt Doll. Ihr Ziel: eine Goldmedaille.

Als Henkel 2008 ihre erfolgreichste WM absolvierte, war Ledger gerade mal sieben Jahre alt. In Östersund gewann Henkel zum Auftakt den 7,5 Kilometer Sprint und tags darauf auch die Verfolgung. Hinzu kam später noch Gold mit der Staffel. Bei allen drei Triumphen blieb sie ohne Schießfehler. "Gleich mit einem Sieg eingestiegen und dann den zweiten Wettkampf auch gewinnen können, ist natürlich schön. Und dann noch mit der Staffel Gold gewonnen - das war eine schöne WM", sagt Henkel.

Nun ist die WM wieder in Östersund, Henkel jedoch knapp 6000 Kilometer entfernt. Sie will natürlich die Ereignisse in Schweden verfolgen. Aber Biathlon ist in den USA kein Rand- sondern sogar nur ein Nischensport. Übertragungen gibt es lediglich im Olympic Channel - und das auch nur zeitversetzt. Zudem Henkel hat daheim keinen Fernseher. So bleiben ihr und Ehemann Tim nur die Internetseite des Biathlon-Weltverbandes, IBU.

Henkel rechnet bei WM mit Dahlmeier

Henkel traut den Deutschen zu, in Östersund um Medaillen mitkämpfen zu können - bei Frauen und Männern. Und sie rechnet auch mit Laura Dahlmeier, obwohl Deutschlands beste Biathletin der vergangenen Jahre in dieser Saison wegen vieler Verletzungssorgen nicht die gewohnte Konstanz zeigte. "Laura hat schon öfter bewiesen, dass sie zum Höhepunkt fit ist. Ich fand das immer beeindruckend, dass sie genau weiß, was sie braucht und was sie vielleicht auch nicht machen sollte."

Zweimal im Jahr ist sie immer noch ganz nah dran - bei den Weltcups in Oberhof und Ruhpolding im Januar. Dann trifft Henkel ehemalige Weggefährten und diejenigen, die in ihre Fußstapfen getreten sind. Es sei immer schön, sagt sie, alle wiederzusehen, in Erinnerungen zu schwelgen, sich auszutauschen. Eine Rückkehr nach Deutschland könne sie sich aber trotzdem nicht vorstellen. Ihr zu Hause, sagt Henkel, sei jetzt Lake Placid.

Quelle: n-tv.de

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