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"Bewusst, dass es vorbei ist" Felix Neureuther startet in die Ski-Rente

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Sektdusche und ab ins Leben außerhalb des Skisports: Felix Neureuther.

(Foto: imago images / Sammy Minkoff)

Jetzt ist er ein Ex-Skirennfahrer: Felix Neureuther ist offiziell Sportrentner und kann sich auf neue Ziele konzentrieren. Dem Sport möchte der 35-Jährige treu bleiben, etwa als Experte. Zunächst einmal freut er sich aber auf den Sommer - weil seine Zehennägel hoffentlich endlich einmal heil bleiben.

Ja, berichtete Felix Neureuther, als er seine letzte Dienstreise beendet hatte, er habe "schon ein bisschen gefeiert". Auf der Busfahrt von Andorra nach Barcelona schwelgte der jetzt ehemalige Skistar in Erinnerungen mit den nunmehr Ex-Kollegen. Nach einem Abendessen im Hotel ging es noch zu einem Abstecher in die Stadt, aber, versicherte er mit treuherzigem Blick: "Es hat sich in Grenzen gehalten." Seiner einjährigen Tochter Matilda wegen.

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Das Interesse an seiner Person reißt nicht ab.

(Foto: dpa)

Mit einem dicken Rucksack auf den Schultern und einer großen Rolltasche an der rechten Hand ging Neureuther aus dem Flughafen in München hinaus in sein neues Leben, für das ihm sein bisheriges jede Menge gelehrt hat. Zum Beispiel: "Wenn du ein kleines Kind zuhause hast und kommst vom Feiern heim, dann ist es deinem kleinen Kind egal, ob du gefeiert hast oder nicht." Daher hielt er sich in seinen ersten Stunden als Skirennläufer a.D. lieber zurück.

Es werde, sagte Neureuther, schon ein paar Wochen dauern, "bis dir bewusst wird, dass es vorbei ist". Spätestens aber im Mai werde die Gewissheit einsetzen: "Ich muss jetzt gar nicht mehr zum Training." Und auf den Sommer freut er sich ohnehin, weil dann "hoffentlich meine Zehennägel nicht mehr abgehen". Mit diesem Problem haben Skirennläufer zu kämpfen, weil sie ihre Füße grundsätzlich in Skistiefel zwängen, die mindestens eine Nummer zu klein sind. Vorbei.

"Felix war und ist einmalig"

Was nun auf ihn zukommt, davon hat Neureuther eine Ahnung, aber auch großen Respekt. "Ich weiß schon, was abläuft im Leben", sagte er, aber er sei auch gespannt, "ob ich das auf die Reihe bekomme", also den bevorstehenden "Übergang vom Leistungssportler zum normalen Familienmenschen". Denn es sei ja eben so: "Der Leistungssport ist schon eine Blase, in der du dich bewegst und wo dir alles abgenommen wird." Nun aber müsse und wolle er alles alleine hinbekommen.

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Im Deutschen Skiverband müssen sie es künftig auch alleine hinbekommen, also ohne ihre Galionsfigur. "Felix war und ist einmalig, den wird es kein zweites Mal geben", sagt Wolfgang Maier, Alpindirektor und "wie eine Vaterfigur für mich", wie Neureuther betont. "Es ist nicht so, dass jetzt die Lichter ausgehen, es wird auch ohne Felix weitergehen, aber anders werden. Wir haben eine Perspektive mit Stefan Luitz oder Thomas Dreßen und anderen", versichert Maier.

Neureuther wünscht sich aber, dass Nachfolger ihren eigenen Weg gehen. "In meine Fußstapfen muss gar keiner treten", jeder müsse vielmehr versuchen, "neue Fußstapfen zu hinterlassen". Zugleich warnt er seine alten Kollegen: "Von der Wohlfühloase wirst du sicher nicht besser werden. Du musst den Schweinehund überwinden können und einfach kämpfen." Heißt: Dem ein oder anderen wurde es zuletzt im DSV zu einfach gemacht. Früher, gesteht er, auch ihm. Neureuther wird sich alles ganz genau anschauen, wohl auch als Experte für einen Fernsehsender. "Das würde mir schon Spaß machen, so ein bisschen meinen Senf abzugeben und meine Meinung kund zu tun. Ich kenne mich ja auch nicht so schlecht aus im Skisport", sagt er.

Und auf gar keinen Fall solle der bisherige Konkurrent Marcel Hirscher nun auch noch aufhören: "Ich würde ihm noch zu gerne beim Skifahren zuschauen. Das macht er zu gut." Vor allem aber will Neureuther nun "das, was mir der Sport gelehrt hat, ins Leben mitnehmen". Das sei, ergänzte er mit vielsagendem Grinsen: "Einfach auch mal harte Arbeit und Disziplin, auch wenn bei mir die Disziplin ab und zu mal ein bisschen gelitten hat."

Quelle: n-tv.de, Thomas Häberlein, sid

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