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Erste Rundfahrt nach Horrorsturz Froome arbeitet an Comeback des Jahres

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Zurück ins Gelbe Trikot, das ist das Ziel von Chris Froome.

(Foto: dpa)

Als sein kolumbianischer Teamkollege Egan Bernal im vergangenen Sommer zum Triumph bei der Tour de France fährt, kämpft Chris Froome mit seiner eigenen Genesung. Nun ist er zurück und wirkt ehrgeiziger denn je.

Wer mit 55 Stundenkilometern gegen eine Wand brettert, äußert eigentlich nicht so schnell irgendwelche ehrgeizigen Ziele. Bei Chris Froome ist das anders. Gut acht Monate nach seinem Horrorsturz, der dem viermaligen Toursieger im schlimmsten Fall auch hätte das Leben kosten können, kehrt der britische Profi bei der UAE-Tour in den Radrennsport zurück. Und auch wenn er zunächst als Helfer eingeplant ist und noch ordentlich Trainingsrückstand haben dürfte, ist sein Ziel bereits klar definiert: der fünfte Triumph bei der Tour de France, die am 27. Juni in Nizza beginnt.

"Der einzige Termin, den ich selbst festgelegt habe, ist die Tour. Die Aussicht auf ein fünftes Gelbes Trikot ist für mich riesig", sagte der 34-Jährige unlängst in einem von seinem Team Ineos veröffentlichten Interview. Es wäre zweifellos das Comeback des Jahres und mehr als ein kleines Sportmärchen, nachdem sich Froome bei seinem Sturz bei der Dauphiné-Tour im Juni unter anderem Brüche am Oberschenkel, an der Hüfte, am Ellbogen, an den Rippen und im Nackenbereich zugezogen hatte. Zyniker kommentierten damals, Froome besitze derzeit "mehr gebrochene Knochen als Siege bei Grand Tours".

Das dominante Team Ineos (früher Sky) hat aber nicht nur Froome in seinem Kader, sondern auch den Waliser Geraint Thomas und das kolumbianische Supertalent Egan Bernal, die die vergangenen beiden Frankreich-Rundfahrten für sich entschieden haben. Angesichts des verschobenen Comebacks und eines gerade abgebrochenen Trainingslagers wird Froome zunächst wieder gehobenes Niveau nachweisen müssen, um im Vergleich mit Thomas und Bernal beim Saisonhöhepunkt überhaupt ein Wörtchen bei der Kapitänsrolle mitreden zu können.

"Fühlt sich an, als hätte ich eine zweite Chance bekommen"

"Natürlich kommt Chris zurück und will nach dem fünften Sieg greifen. Er arbeitet sehr, sehr hart daran, wieder das dafür erforderliche Niveau zu erreichen", sagte Ineos-Teamchef Dave Brailsford. Froome weiß, welcher Weg auf ihn wartet - und auch, wie viel Glück er im Sommer hatte. "Es fühlt sich so an, als hätte ich nach einem solchen Sturz eine zweite Chance bekommen, wieder zum Profirennen zurückzukehren. Ich halte das definitiv nicht für selbstverständlich." Sein eigenes Endresultat wird deshalb bei der an diesem Sonntag in den Vereinigten Arabischen Emiraten beginnenden Rundfahrt noch nebensächlich sein.

Der in Kenia geborene Froome ist extrem zäh. Nach seinem schweren Sturz vor acht Monaten richtete er den Fokus schnell wieder nach vorne, bei einem Tour-Anstieg lief er nach einem Sturz einst ein paar Meter den Berg hinauf. "Niemand sollte Chris unterschätzen", warnte Brailsford. Mit einem fünften Tour-Sieg könnte Froome mit den Radsport-Größen Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleichziehen. "Das ist so eine Motivation", sagte Froome - der Weg dorthin beginnt an diesem Sonntag.

Quelle: ntv.de, tno/dpa