Sport

37 Minuten Rückstand bei Vuelta Froome fährt munter in die Belanglosigkeit

imago0048865242h.jpg

"Alles in allem fühle ich mich gut", so Froome.

(Foto: imago images/Sirotti)

Chris Froomes Leistungen bei der Vuelta haben gerade wenig mit dem zu tun, was ihn zu vier Tour-Siegen getragen hat. Der Brite ist schon nach vier Etappen abgeschlagen und bestenfalls noch Mittelmaß. Trotzdem blickt er optimistisch in die Zukunft.

Die Kletterpartie in den französischen Pyrenäen fällt aus, und natürlich ist die Pandemie schuld. Für Chris Froome ist das allerdings keine allzu schlechte Nachricht, auch wenn der viermalige Tour-de-France-Sieger gute Erinnerungen an den Col du Tourmalet im Grenzgebiet zwischen Frankreich und Spanien hat. Mit dem Triumphator von einst hat Froome bei dieser Vuelta jedoch kaum noch etwas zu tun, der Brite fährt weit hinterher und dürfte daher nicht unglücklich über die kurzfristige Änderung der Route am Sonntag sein.

Am Donnerstag beim jüngsten Schlagabtausch der Top-Favoriten der Spanien-Rundfahrt im Gebirge war Froome, der über Jahre die Szene dominiert hatte, abgeschlagen ins Ziel gekommen. Mit 7:04 Minuten Rückstand auf die Gruppe um Tagessieger Daniel Martin und Top-Favorit Primoz Roglic wurde ihm der bittere Sturz in die Mittelmäßigkeit vor Augen geführt.

Über Jahre war Froome der Mann, den es bei den großen Landesrundfahrten zu schlagen galt. Insgesamt sieben Triumphe bei Tour, Giro und Vuelta stehen in seinem Palmares. Und nun? 37:45 Minuten Rückstand in der Gesamtwertung nach Tag vier, Platz 77, noch hinter Fahrern wie den deutschen Grand-Tour-Debütanten Georg Zimmermann (28./CCC) oder Jannik Steimle (65./Deceuninck-Quick Step).

Zwei Jahre ohne Tagessieg

Trotzdem ist Froome nicht unzufrieden. "Alles in allem fühle ich mich gut", hatte der Brite schon nach dem Auftakt am Dienstag gesagt, als er über elf Minuten auf die Besten eingebüßt hatte: "Ganz generell bin ich mit dem Gefühl in den Beinen zufrieden. Ich weiß, dass dies der Weg ist, den ich in den nächsten Wochen gehen muss, um wieder mein Top-Level zu erreichen."

Doch kann er das überhaupt noch? Seit dem 25. Mai 2018 hat Froome keinen Tageserfolg mehr gefeiert. Die Vuelta ist seine erste große Landesrundfahrt seit über zwei Jahren. Ein Horror-Sturz im Juni 2019 kostete ihn beinahe die Karriere, bedingt durch eine lange Reha verlor er Form und Führungsrolle beim Star-Team Ineos, im August reichte es nicht einmal mehr für den Sprung ins Tour-Aufgebot.

Die Vuelta ist sein Trostpflaster. Mehr als ein dreiwöchiges Intensivtraining unter Rennbedingungen wird das Rennen für ihn aber nicht, seine Leistungen sind vor diesem Hintergrund zu bewerten. In seinem Team ist er nun als Helfer für Richard Carapaz aus Ecuador gefragt.

Nur ein Toursieger in Froomes Alter

Froome erkennt seine Rolle an. Seinem Selbstverständnis entspricht sie nicht. Er hat die Tour de France viermal gewonnen, zuletzt 2017. Er jagt dem fünften Sieg hinterher, der ihn auf eine Stufe mit den Rekordsiegern Anquetil, Merckx, Hinault und Indurain stellen würde.

Froome wagt den Angriff auf Gelb ab 2021 beim Team Israel Start-Up Nation, dem er sich für unbestätigte fünf Jahre angeschlossen hat. Für Mäzen Sylvan Adams ist es ein Investment mit hohem Risikopotenzial. Froome wird bei der Tour 2021 bereits 36 Jahre alt sein. In diesem Alter gewann die Tour nur der Belgier Firmin Lambot - 1922.

Lambot wird sich diesen Rekord mutmaßlich nicht teilen müssen - ebenso wenig wie Merckx und Co. Froomes Weg zurück zu alter Stärke bleibt steinig, seinem künftigen Team fehlt die Qualität in der Breite, zudem ist der Generationenwechsel im Radsport längst eingeleitet. Der amtierende Tour-Sieger heißt Tadej Pogacar - und ist erst 22.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.