Fußball-WM 2010

Kein Bad in der Menge DFB-Kicker flüchten in den Urlaub

Na, die beiden haben sich, ja, was? Was zu sagen? Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und seine Freundin Sarah Brandner verlassen nach ihrer Ankunft am Flughafen in München den Flughafen.

Nationalspieler Bastian Schweinsteiger (l) und seine Freundin Sarah Brandner sind gleich nach München weitergeflogen. Sie scheinen sich auf die kommenden Urlaubswochen zu freuen.

(Foto: dpa)

Nach zwei Monaten auf WM-Mission kehren die WM-Helden auf deutschen Boden zurück. Noch im Flugzeug hatte es Grund zum Jubeln gegeben, als Thomas Müller die Nachricht von seinen Auszeichnungen als bester Torschütze und bester Nachwuchsspieler der WM erhielt. Feiern wollen auch 1000 Fans der Nationalmannschaft. Sie warten am Gate auf ihre Idole, müssen aber enttäuscht abziehen - Lahm, Schweinsteiger und Co. haben es eilig und nehmen den Hinterausgang Richtung Urlaub.

2s3k2410.jpg3775643788031411942.jpg

(Foto: dpa)

Am Ende gab es nochmal eine Enttäuschung: Die WM-Bronzemedaillen-Gewinner sind wieder in der Heimat. Am Montagmorgen um 06.16 Uhr landeten Jogi Löw und seine "Boy Group" mit dem neuen Airbus A380 auf dem Flughafen Frankfurt am Main - und verschwanden ohne Tuchfühlung mit 1000 wartenden Fans in den Urlaub. Während des zehnstündigen Fluges von Südafrika nach Deutschland hatte Lufthansa-Chefpilot Jürgen Raps, der den DFB-Tross schon fünf Wochen zuvor ans Kap geflogen hatte, in 11.500 Metern Höhe mit Endspiel-Informationen versorgt. TV-Bilder konnten die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht sehen.

Shooting Star Thomas Müller durfte über den Wolken noch einmal doppelt jubeln. Da im WM-Endspiel von Johannesburg weder der Spanier David Villa noch der Niederländer Wesley Sneijder trafen, die wie Müller bei fünf Turnier-Treffern standen, wurde der 20-Jährige aufgrund seiner drei Vorlagen sensationell Torschützenkönig der Fußball-Weltmeisterschaft. Zudem wurde der Münchner zum "Jungstar" der WM gekürt.

2s3k0709.jpg384404637991825290.jpg

Nix wie weg: Auch Thomas Müller hatte es eilig.

(Foto: dpa)

"Das freut mich natürlich besonders, 40 Jahre nach Gerd Müller den Goldenen Schuh gewonnen zu haben", sagte der neue Müller noch über den Wolken. Der "Bomber der Nation" war 1970 bester WM-Torjäger. 2006 gelang dies auch Miroslav Klose. "Ich bin zwar der Typ, der die Belastung gut wegsteckt. Aber natürlich tut jetzt ein bisschen Abstand auch nicht so schlecht. Dass man mal durchschnaufen kann", beschrieb Müller die Stimmung auf dem Heimflug.

Nur schnell weg

Nach einer kurzen Begrüßung auf heimatlichem Boden durch Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth flüchteten Spieler, Trainer und Betreuer in alle Himmelsrichtungen. Die Enttäuschung bei den rund 1000 wartenden Fans war dementsprechend groß. Die Fußball-Anhänger, die vor dem Terminal ausharrten, machten lange Gesichter. Sie hatten keine Chance, einen Blick auf ihre Idole zu ergattern. Auch einen offiziellen Empfang für die WM-Bronzemedaillen-Gewinner gab es nicht - nach der Landung ging es gleich in die Ferien.

Busse brachten die Spieler samt ihren Lieben zu ihren Anschlussflügen. "Das war der ausdrückliche Wunsch der Spieler, dass sie so schnell wie möglich in ihre Heimatorte und in den Urlaub kommen", erklärte ein DFB-Sprecher.

Hühnchen für Löw

Auf dem Lufthansa-Sonderflug hatten die meisten Spieler und Trainer nach zwei Monaten Rackern und Schwitzen schon ihre Liebsten an der Seite. In der Business-Class genoss auch Joachim Löw nach dem WM- Stress neben seiner Frau Daniela die Annehmlichkeiten des neuen Airbusses. An Urlaub kann der Bundestrainer derzeit aber noch nicht denken, denn nach einem kurzen Durchpusten muss der 50-Jährige erst seine berufliche Zukunft klären. "Es werden selbstverständlich Gespräche stattfinden. Und es ist logisch, dass eine Entscheidung zeitnah gefällt werden muss", sagte Löw.

2s3k1056.jpg2085563568563975098.jpg

Löw wollte noch nicht über seine Zukunft sprechen.

(Foto: dpa)

Zunächst aber erlebte der Freiburger bei Rotwein und Hühnchen süßsauer das WM-Finale aus einer völlig neuen Perspektive. Live-Bilder vom "wichtigsten Spiel überhaupt" gab es für Löw und sein Team trotz Hightech im Super-Airbus nicht. Kapitän Jürgen Raps gab der Mannschaft die Spiel-Informationen durch. "Spanien gewinnt 1:0", berichtete der Lufthansa-Chefpilot ohne Emotionen.

Feierstimmung bei der Crew

Gefeiert wurden bei 900 Stundenkilometern Reisegeschwindigkeit nur die deutschen Spieler, die mit ihren erfrischenden Auftritten in Afrika und dem dritten Platz die Fußball-Welt überrascht und die Fans in der Heimat in Begeisterung versetzt hatten. "Wir gratulieren Ihnen alle", lauteten die Glückwünsche aus dem Cockpit.

Das Kabinen-Personal hatte sich kleine Deutschland-Fahnen auf die Wangen geschminkt, und am Airbus waren eine schwarz-rot-goldene Fahne sowie die Aufschrift "Vielen Dank" aufgeklebt worden. Sogar die Pralinen-Schachteln waren bedruckt: "Vier Wochen Emotionen auf höchstem Niveau." Die Flugsicherung übermittelte beim Landeanflug auf Frankfurt Glückwünsche. Löw betonte: "Wir sind enorm stolz auf die Spieler und alle, die an unserem Erfolg beteiligt waren."

Quelle: ntv.de, dpa