Fußball-WM 2010

"Die wahren Galaktischen" Die Welt gratuliert Spanien

Spanien ist ein würdiger Weltmeister, da ist sich die Weltpresse einig. Auch Expertin Angela Merkel lobt das Team für seinen "hervorragenden Fußball". Die Niederlande müssen nach der schweren Niederlage auch den Vorwurf verkraften, sie hätten "brutal" gespielt.

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Die Freude war groß, jetzt kommen die Jubelhymnen.

(Foto: dpa)

Würdige Champions - schlechte Verlierer: Kanzlerin Angela Merkel und die Weltpresse gratulierten brav dem verdienten Fußball-Weltmeister, auf die unterlegenen Holländer prasselte dagegen bitterböse Kritik ein. Das spanische Team habe bei der WM "hervorragenden Fußball gezeigt und in perfekter Harmonie gespielt", lobte die als Fan bekannte Regierungschefin. Frankreichs Fußball-Bibel "L'Equipe" feierte die Spieler des Welt- und Europameisters, die mit dem ersten WM-Titelgewinn Historisches schafften, als "die wahren Galaktischen".

Dagegen wurde mit Oranje nach dem "hässlichen Finale" (The Times) abgerechnet. Der Vize-Weltmeister hatte das Gros der zwölf Gelben und einer Gelb-Roten Karte abgeräumt. "Die Biester 0, die Schönen 1: Spanien erobert die Weltspitze und schlägt die holländischen Holzschuhe", titelte "The Daily Mail" in England. "Nach einem so giftigen WM-Finale muss das Stadion nun dekontaminiert werden", ergänzte "The Guardian".

"Unverschämte Gewalt"

"Mit unverschämter Gewalt hat Holland von Anfang an versucht, Spanien zu stoppen, und der inkompetente Schiedsrichter hat es toleriert", urteilte "Marca" aus Spanien. Doch auch in neutralen Ländern bekamen die Niederländer, die allein sieben Gelbe und John Heitingas Ampelkarte auf dem Konto hatten, ihr Fett weg. "Fußball ist Krieg - Spanien ist Weltmeister", schrieb "Die Presse" aus Österreich. "Das Finale glich zeitweise einem Rückfall in den Fußball vor 30 Jahren, als mit Ausnahme von Mord und Totschlag auf dem Spielfeld noch so ziemlich alles erlaubt war, ergänzte der "Kurier".

Oranje habe "mit hochgeklappten Stollen" gespielt, befand das dänische "Ekstra Bladet" und verpasste Bayern-Profi Mark van Bommel und dem Ex-Hamburger Nigel de Jong die Vorreiter-Rolle. Beide hätten "wie Rausschmeißer in einer Kneipe" agiert. "Die Niederländer entschieden sich für Aggressivität, die in Brutalität umschlug. Es hätten noch mehr von ihnen als Heitinga vom Platz fliegen müssen", fand "Expressen" in Schweden.

Ganz Holland hasst Webb

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Howard Webb (ganz links) und die alte Einsicht: Wie man's macht, macht man's falsch.

(Foto: AP)

Umso unverständlicher war deshalb, dass sich die Holländer auch noch als schlechte Verlierer erwiesen, da sie Referee Howard Webb hinterher die Schuld für die Niederlage gaben. "Der Mann war auf Spaniens Seite", meinte Coach Bert van Marwijk. Das "Algemeen Dagblad" nannte den Engländer schlicht und einfach eine "Schlafmütze". Zwar unterliefen Webb viele Fehler, insgesamt profitierte Holland aber eher von seinen Entscheidungen: So hätten van Bommel und Kung-Fu-Treter de Jong zwingend Rot statt Gelb sehen müssen. Kurz vor dem Tor durch Andrés Iniesta verweigerte der 38-Jährige den Holländern allerdings einen klaren Eckball, ein angebliches Foul an Eljero Elia blieb ungeahndet.

Die spielfreudigen Spanier, die dank Iniestas Treffer in der 116. Minute triumphierten, wurden als verdiente Sieger angesehen. "Conquistadores - Spanien vergrößert sein Imperium: Nach Europa erobern sie die Welt", fasste "Tuttosport" das Geschehen zusammen. "Ein gerechter Sieg für die Mannschaft, die die WM mit Fußballspielen gewinnen wollte", schrieb "The Mirror". Und "Le Parisien" meinte: "Die Besten haben den WM-Titel geholt. Dank der Kaltblütigkeit ihres genialen kleinen Mittelfeldspielers. Iniesta lässt Spanien in die Geschichte eingehen. Die große Fußball-Nation hat ihren Platz an der Seite von Brasilien, Italien, Deutschland oder Frankreich voll und ganz verdient."

Im Land des Verlierers herrschte Katzenjammer. "Oranje heult und steht zum dritten Mal nach einem verlorenen Finale mit leeren Händen da. Die Mission der Elftal mag gescheitert sein, doch die Nationalelf kann mit erhobenem Haupt zurückkehren", glaubt das "Algemeen Dagblad".

"De Telegraaf" titelte: "Gekämpft wie Löwen - die Oranje-Helden scheitern nach einer fantastischen WM." Die Zeitung "de Volkskrant" ging immerhin indirekt auf die Härte im Spiel ein. "Das Finale passte zu dem Bild, dass die Niederlande-Elf während des wunderbaren Abenteuers in Südafrika von sich schuf: Eine unnachahmliche Aneinanderreihung von Raritäten, Aufbäumen, Charakter, Widerstandskraft, Schwächen und manchmal auch niederträchtigem Spiel, das im Finale zu neun Gelben Karten führte.

Quelle: ntv.de, dpa