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Albiceleste mit B-Elf und Messi Finale für König Ottos Griechen

Olymp oder Hades, Achtelfinale oder Heimflug: Für Otto Rehhagel und die griechische Nationalmannschaft geht es gegen den WM-Favoriten Argentinien um alles oder nichts. Weltfußballer Messi soll gegen die Helenen die Kapitänsbinde tragen - und endlich sein erstes Tor machen.

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"Wir haben nichts zu verlieren: Otto Rehhagel.

(Foto: dpa)

Vor seiner vielleicht letzten Mission mit den Griechen wirkt Otto Rehhagel gelassen, fast teilnahmslos. Beim Training auf der Gelände der idyllisch gelegenen "Northwood High School" im Norden von Durban mit Blick auf den Indischen Ozean schreitet der 71-Jährige wie ein Feldherr über den Rasen und tritt gedankenverloren ein paar Grasbüschel fest. Unterdessen bereiten sich seine Spieler mit Aufwärmübungen, zehn Minuten Torschusstraining und einigen Spielchen auf das Finale der Gruppe B (20.30 Uhr im ZDF und im n-tv.de-Liveticker) gegen den Top-Favoriten Argentinien in Polokawane vor. Ein paar kurze Anweisungen und Korrekturen von Rehhagel, das war es.

Zu den täglichen Pressegesprächen im Trainingscamp erscheint der einstige Meistertrainer von Werder Bremen und des 1. FC Kaiserslautern in Südafrika nie selbst. Am Montagabend entsandte er die Reservisten Stelios Malezas und Athanasios Prittas, die beide noch kein einziges Länderspiel für den Europameister von 2004 bestritten haben. Den eigenen Kontakt mit den ungeliebten Medienvertretern beschränkt Rehhagel auf das Nötigste, verbreitet seine Weisheiten nur auf den vom Weltverband Fifa obligatorisch vorgeschriebenen Terminen einen Tag vor den Spielen und danach.

Letzte Reise vor dem Knock- Out?

Vor dem Duell mit dem Tabellenführer aus Südamerika (6 Punkte) spielte der "Oldie", dessen Ablösung nach der WM als beschlossene Sache gilt, die eigenen Chancen herunter. Auch wenn sein Kollege Diego Maradona wohl nur eine mit Superstar und Weltfußballer Lionel Messi verstärkte "B-Elf" aufbieten wird, ist der Respekt groß. "Sie haben ein Weltklasse-Team mit außerordentlicher Qualität. Sie sind klar besser als wir", lobte Rehhagel. "Aber wir sind froh, dass wir noch eine Chance haben, uns für das Achtelfinale zu qualifizieren und werden sehen, was wir ausrichten können. Aber es wird sehr schwer."

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Die Verdienste von Rehhagel für den griechischen Fußball kann man gar nicht hoch genug einschätzen: Angelos Charisteas. "Wir vertrauen ihm wie Kinder."

(Foto: dpa)

Nach dem deprimierenden 0:2 zum Auftakt gegen Südkorea und der "Wiederauferstehung" beim 2:1-Sieg gegen Nigeria, als die Griechen in fünften WM-Spiel ihrer Historie die ersten Tore und den ersten Sieg bejubeln durften, stehen die Hellenen vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe. Sie müssten mehr Zähler verbuchen als die punktgleichen Südkoreaner gegen Nigeria (0), das mit einem Erfolg ebenfalls noch eine Achtelfinal-Chance besitzt. In Griechenland glaubt keiner an ein solches Wunder. "Letzte Reise vor dem Knock- Out?", schrieb die Zeitung "Eleftherotypia".

Bricht der Bann bei Messi?

Diego Maradona hat es 1994 gegen die Griechen vorgemacht, zwei Tage vor seinem 23. Geburtstag soll auch Lionel Messi erstmals mit der Kapitänsbinde um den Arm endlich seinen WM- Torjubel in die Fußball-Welt hinausschreien. "Ich erinnere mich, als ich das Tor erzielt habe, war das so eine Erleichterung. Vielleicht kann Messi dieselbe Erfahrung machen", sagte Argentiniens Nationalcoach Diego Maradona am Montag bei einer Pressekonferenz in Pretoria. Der mittlerweile 49-Jährige hatte bei der WM 1994 in den USA gegen Griechenland seinen achten und letzten WM-Treffer erzielt. "Ein Torjubel für die Ewigkeit", titelt die Fifa-Homepage heute noch.

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Maradona ist vom Einsatzwillen seines Lieblings schwer begeistert.

(Foto: AP)

Wie die Zeitung "La Nacion" berichtete, wird Maradona seinen Nachfolger mit der magischen Nummer 10 als Kapitän der Albiceleste aufs Feld schicken. Doch weder die Nummer von "El Diez", noch der ausgebliebene Torerfolg beunruhigen Messi. "Ich will ein Tor schießen, aber ich werde deswegen nicht verrückt", sagt er vor dem Duell.

Maradona funkelt mit Brillanten

Seine Kritiker in der Heimat brachte der Ballflüsterer in Südafrika schon zum Schweigen. Sowohl gegen Nigeria (1:0) als auch gegen Südkorea (4:1) zauberte Messi im Mittelfeld. Der dritte Treffer von Gonzalo Higuain gegen die Asiaten ging allein auf das Konto des nur 1,69 Meter großen Fußball-Giganten. Nur der Pfosten verhinderte Messis ersten Treffer bei seiner Nagelprobe in Südafrika.

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Sowohl gegen Nigeria als auch gegen Südkorea zauberte Messi im Mittelfeld.

(Foto: AP)

Nationalcoach Maradona weiß, wie wichtig Messi für sein Team, ja für das fußballerische Wohlergehen der ganzen Nation ist. Ihn mal dem Volk vorzuenthalten, "wäre eine Sünde", sagte er. Maradona weiß, Messi macht den Unterschied. Dass die beiden Charaktere kaum unterschiedlicher sein könnten, zeigen auch die WM-Tage in Südafrika. Maradona lacht laut beim Training, scherzt schon mal mit den Journalisten, nicht nur seine Brillanten in beiden Ohren verleihen den "Gauchos" einen eigenen Glanz. Für die Fotografen trug er bei einer Pressekonferenz auch gern die neue Designer- Sonnenbrille, die ihm seine Töchter zum Vatertag geschenkt hatten.

Messi funkelt auf dem Platz

Juwel Messi funkelt einzig auf dem Spielfeld. Im Scheinwerferlicht auf einem Podium kneift er die Augen zusammen, hält die Hand schützend vors Gesicht. Und doch: Der da sitzt ist derselbe, der auf dem Platz baumlange Abwehrspieler und muskelbepackte Verteidiger vernascht, dass eigentlich diese ihr Gesicht verbergen müssten. Sein Auswahl-Coach erzielte insgesamt acht WM-Tore. Messi kommt bislang auf eines, das war am 16. Juni 2006 beim 6:0 über Serbien. Es wird Zeit für Torjubel Nummer zwei.

Papastathopoulos weiß, was auf die Abwehr zukommt. Maradona kann sich den Luxus leisten, den dreifachen Torschützen gegen Südkorea, Gonzalo Higuain, durch Diego Milito vom Champions-League-Sieger Inter Mailand zu ersetzen. Die Qualität der "Gauchos" wird dadurch nicht leiden. "Milito ist wie alle Argentinier ein toller Spieler. Jeder von ihnen kann den Unterschied machen. Wir dürfen uns keinen Fehler erlauben", sagte Papastathopoulos. Pantelis Kapetanos brachte auf den Punkt, was alle denken. "Argentinien hat 22 Spieler, die sehr sehr gut sind. Und der 23. ist Messi, der noch darüber hinausragt."

Quelle: ntv.de, dpa