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Obszöne Beleidigung gegen Domenech Frankreich schickt Anelka heim

Skandal bei der Equipe Tricolore: In der Halbzeitpause der WM-Vorrunden-Begegnung zwischen Frankreich und Mexiko soll es zu einem wortstarken Disput zwischen Nicolas Anelka und Nationaltrainer Raymond Domenech gekommen sein. Nun darf der französische Angreifer seine Koffer packen.

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Böse Worte: Nicolas Anelka.

(Foto: Reuters)

Der Ausspruch ist nicht unbedingt druckreif, der französischen Sportzeitung "L'Equipe" aber war das egal. In weißen Buchstaben auf schwarzem Hintergrund prangte auf der Titelseite der französischen Sporttageszeitung der Satz: "Va te enculer, sale fils de pute." Die Moderatoren der französischen Radiosender brachen sich beinahe die Zunge ab, um die Formulierung zu umgehen, der englische Dienst der Nachrichtenagentur AFP veröffentlichte vor seiner Meldung einen Warnhinweis: Vorsicht, obszöne Wörter!

"Fick dich in den Arsch, du Hurensohn", lautet der Satz auf Deutsch. Gesagt hat ihn, wenn L'Equipe denn auch richtig zugehört, recherchiert oder von den Lippen abgelesen hat, der schon häufiger als Exzentriker auffällig gewordene Nicolas Anelka. Gefallen sind seine sehr bösen Worte kurz nach dem Abpfiff der ersten Halbzeit im Spiel zwischen Frankreich und Mexiko (0:2) - der Adressat: Raymond Domenech. Der umstrittene Nationaltrainer mit dem ewig gequälten Blick hatte zuvor das taktische Verhalten von Anelka angemahnt.

"Okay, du bist raus"

Nach der offensichtlich wenig sachbezogenen Antwort von Anelka auf die Aufforderung, er möge doch nicht immer vorne stehen bleiben, verzichtete Domenech auf eine weitere Auseinandersetzung: "Okay, du bist raus", ließ er Anelka wissen, in der zweiten Halbzeit ersetzte er den Angreifer des englischen Double-Gewinners FC Chelsea durch einen gewissen Andre-Pierre Gignac - zu Recht, wie die Tageszeitung Le Figaro den Vorgang kommentierte. "Anelka ist in seinem Status als enfant terrible in eine neue Dimension eingedrungen." Frankreichs Fußball-Verband FFF reagierte derweil und schickte Anelka vorzeitig nach Hause.

Obszöne Äußerungen und Gesten sind offensichtlich in Mode bei den Franzosen, zumindest bei den Fußball-Nationalspielern. William Gallas, der bereits vor dem Beginn der WM mitgeteilt hatte, dass er gegenüber den Medien kein Wort sagen würde, hielt tatsächlich Wort und den Mund, wählte nach der Niederlage allerdings die nonverbale Kommunikation mit dem Reporter des französischen TV-Senders TF1: Er zeigte ihm auf die Bitte nach einer Stellungnahme kurzentschlossen den ausgestreckten Mittelfinger.

Acht Transfers seit 1997

Dass Anelka und Domenech irgendwann aneinandergeraten würden, war irgendwie abzusehen, erstaunlich ist allenfalls, dass es derart lange gedauert hat. Der 31 Jahre alte Angreifer wurde dereinst mit dem Satz auffällig: "In Frankreich macht man komische Menschen zum Nationaltrainer." Kurioserweise holte dieser komische Mensch namens Domenech den komischen Menschen namens Anelka wieder zurück in die Nationalmannschaft, nachdem Anelka von Vorgänger Jacques Santini vor der WM 2002 aus dem Kader geworfen worden war.

Anelka wiederum fiel in den vergangenen Jahren vornehmlich dadurch auf, dass er seine Vereine wechselte wie andere Menschen ihre Unterwäsche. Mit acht Transfers seit 1997 hat er es auf eine Gesamtablösesumme von 134,6 Millionen Euro gebracht - er ist nach dieser Rechnung der teuerste Spieler der Welt. Seit 2008 spielte Anelka mit dem nun verstoßenen Michael Ballack beim FC Chelsea und brachte es dort in 84 Spielen auf 31 Treffer. Für Frankreich traf er bei seinen 69 Einsätze 14-mal.

Nur die Spitze des Eisberges

Der Fall Anelka ist aber offensichtlich nur die Spitze des Eisberges. Dass sich in der Equipe Tricolore mittlerweile mehrere Gruppen gebildet haben, die sich untereinander nicht leidet können, gilt als offenes Geheimnis. Nach dem Spiel gegen Mexiko sprach der eher stille Yoann Gorcuff mit Journalisten - und duckte sich scheu weg, als hinter ihm Anelka und Franck Ribery vorbeiliefen. Da habe der Klassenbeste "dem Rüpel der Schule" Platz gemacht, "um keinen Schlag auf den Hinterkopf zu bekommen", schrieb L'Equipe.

Am Dienstag spielt der Vizeweltmeister gegen Gastgeber Südafrika. Der Sieger hat eine Minimalchance aufs Achtelfinale - wenn Uruguay und Mexiko nicht Unentschieden spielen. Aber wie sagte der ehemalige Nationaltrainer Aime Jacquet schon nach dem 0:2 gegen Mexiko: "Ich habe gedacht, Frankreich würde ein gutes Match machen - wie naiv ich doch war."

Quelle: ntv.de, sid