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Niederlage trotz Jugendstils Neue deutsche Schwäche

Drei Namen stehen für die Niederlage der DFB-Elf gegen Serbien: Lukas Podolski, Miroslav Klose – und der des Schiedsrichters. Beim glücklosen Podolski war der rechte Fuß mal wieder der linke, Klose flog vom Platz und kommentierte: "Fußball ist ein Kampfsport".

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Ohne Fortune: Lukas Podolski.

(Foto: dpa)

Ein dummes Foul, ein verschossener Elfer - Miroslav Klose und Lukas Podolski standen am "schwarzen Freitag" von Port Elizabeth als größte deutsche Verlierer da. Kloses Gelb-Rote Karte leitete die bittere 0:1-Niederlage gegen Serbien ein. Und Podolskis erster Elfmeter-Fehlschuss für Deutschland ausgerechnet in seinem 75. Länderspiel machte bei der Fußball-WM den Pleiten-Pech-und-Pannen-Tag der deutschen Mannschaft perfekt.

"Ich bin enttäuscht und traurig, dass ich der Mannschaft nicht helfen konnte", gestand der 32-jährige Klose, der sich ausgerechnet in seinem 98. Länderspiel den ersten Platzverweis im Nationaltrikot leistete. Und Podolski verpasste die erhoffte Tor-Krönung in seinem Jubiläumsspiel nicht nur in der 60. Spielminute, als er bei seiner größten Torchance vom Elfmeterpunkt an Vladimir Stojkovic scheiterte. "Der Torwart hat die Ecke geahnt", kommentierte Podolski und fügte genervt hinzu: "Eigentlich bin ich ein sicherer Elfmeterschütze."

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Der verschossene Elfmeter.

(Foto: AP)

Abgesehen von den beiden Deutschen nahm auch die Schiedrichter entscheidenden Einfluss aufs Spiel, und das nicht immer im Sinne der Regeln. Bastian Schweinsteiger monierte die unerwarteten Auslegungen durch den spanischen Referee: "Das ist lächerlich. Wenn es in jedem Spiel eine Rote Karte gibt, wie es hier der Fall ist, dann kann etwas nicht stimmen." Bei einer Schulung vor der WM habe die FIFA die Spieler zudem informiert, dass es nur Gelbe Karten gebe, wenn die Attacke nur auf den Körper geht, so Schweinsteiger. Alberto Undiano Mallenco hatte die Richtlininen des Weltverbandes offensichtlich anders interpretiert. Inklusive der Gelb-Roten Karte gegen Miroslav Klose zog der Referee gleich acht Mal den gelben und einmal den roten Karton aus der Tasche.

Biss, aber kein Tor

Lukas Podolski explodierte im ersten Spiel gegen Australien wie von Bundestrainer Joachim Löw angekündigt, verwunderte mit überraschender Spritzigkeit und Treffsicherheit. Die Bundesliga-Saison war für den Kölner noch alles andere als gut gelaufen, zwischenzeitlich fiel er in ein regelrechtes Loch.

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Wladimir Stojkovic ballt die Fäuste, Sami Khedira, links, tröstet Lukas Podolski.

(Foto: REUTERS)

Bei der Niederlage gegen die kämpfenden Serben war nun alles wie gehabt: Podolski biss, rackerte, erarbeitete sich Chancen – aber ins Tor traf er nicht. Als der Angreifer fast allein in halblinker Position vor Serbiens Keeper Wladimir Stojkovic auftauchte, schoss er den Ball am langen Pfosten vorbei. Es war vielleicht die beste Möglichkeit des Spiels – abgesehen vom Strafstoß, den Podolski ebenfalls nicht im Tornetz unterbrachte.

Vor dem Fehlschuss hatte der 25-Jährige seine drei Elfmeter für Deutschland alle verwandelt, zudem traf er eiskalt im Elfmeterschießen gegen Argentinien im WM-Viertelfinale 2006. "Es gibt keine klaren Vorgaben von mir, ob Schweinsteiger oder Podolski schießt. Beide sind gute Schützen", bemerkte Joachim Löw: "Lukas hat bislang jeden Elfmeter verwandelt, aber dieser war nicht gut geschossen." Das sah Podolski freilich anders: "Der war mit ganz viel Schmackes geschossen." Recht hatten beide - denn der Ball des Kölner kam zwar hart, aber nicht platziert aufs Tor.

Klose, der Kampfsportler

Zum Sündenbock mochte niemand den im gesamten Spiel vom Schussglück verlassenen Podolski stempeln. Und keiner wollte auch "Rotsünder" Klose öffentlich anklagen. "Bei zwei Fouls kann man nicht zweimal Gelb zeigen in einem WM-Spiel", ergriff auch Podolski Partei für seinen Partner in der Offensive. Der vom Platz gestellte selbst konnte eine "gewisse Wut" auf den spanischen Schiedsrichter nicht verhehlte: "Ich sage, es ist ein Fußballspiel, ein Kampfsport."

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37. Minute - der Anfang vom (vorläufigen) Ende.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der erfahrene Klose wusste aber auch, dass er sich ungeschickt verhalten hatte. Bereits in der 12. Minute hatte er nach einem Foul an Branislav Ivanovic die Gelbe Karte gesehen. Dann ging der älteste und erfahrenste deutsche Feldspieler in der 37. Minute noch einmal am Mittelkreis zu ungestüm in einen Zweikampf mit Dejan Stankovic. "Ich versuche den Ball zu spielen", versuchte sich Klose zu verteidigen und beharrte: "Ich habe mich nicht zu doof angestellt."

Doof nicht, aber zumindest ungeschickt, könnte man Klose vorwerfen. Für den Stürmer ist es bereits die dritte Weltmeisterschaft, mit Werder Bremen und dem FC Bayern spielt er seit Jahren auf internationalem Top-Niveau - wenn er nicht auf der Bank sitzt, wie in der vergangenen Saison häufig geschehen. Ob nach so vielen Jahren nur durch mangelnde Spielpraxis das Feingefühl für den Schiedsrichter verloren geht? Wohl kaum.

Der Bundestrainer hadert

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Bundestrainer Joachim Löw nach dem Spiel, bedient.

(Foto: dpa)

Löw war auch sauer auf den Referee. "Das war kein gelbwürdiges Foul", meinte der Bundestrainer. Aber Klose von jeder Schuld freisprechen, das wollte er auch nicht: "Man muss dort auch nicht unbedingt versuchen, den Ball von hinten zu gewinnen. Er versucht den Ball wegzuspitzeln und trifft das Bein", beschrieb Löw die verhängnisvolle Szene.

Klose und Podolski gehören zu den erfahrensten Spielern der deutschen Nationalmannschaft. Bei der WM 2006 waren sie ein erfolgreiches Duo, bei der Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich zwei Jahre später ebenfalls. Ältere Leistungsträger gehen meist voran, reißen ein Spiel an sich, vor allem wenn es nicht rund läuft. Gestern machten die Erfahrenen die entscheidenden Fehler.

Klose muss nun im Gruppen-Finale am kommenden Mittwoch in Johannesburg gegen Ghana gesperrt zuschauen - sein 100. Länderspiel könnte er jetzt bei der WM frühestens im Viertelfinale bestreiten. "Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft gegen Ghana gewinnen kann", sagte er. Vielleicht ist dann Podolski der Deutschland-Retter: "Jetzt müssen wir uns zusammenreißen und Ghana schlagen", sagte der traurige Jubilar nach seinem verkorksten 75. Einsatz für Deutschland

Quelle: ntv.de, mit dpa