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Niederlande und Uruguay Sieger und Verlierer feiern

Holland ist im Finale, das erste Mal seit 32 Jahren. Uruguay war das erste Mal im Halbfinale, seit 40 Jahren. Nach dem 3:2 (1:1)-Sieg der der Niederlande gegen die Südamerikaner wird deshalb nicht nur in Orange gefeiert. Auch im kleinen Uruguay gehen Zehntausende auf die Straße - und sind stolz auf ihr Team.

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(Foto: AP)

Mit dem Schlusspfiff brach ein Jubel los, der wohl bis in die letzte Ecke des Oranje-Königreichs zu hören war: Endlich stehen die Niederlande wieder in einem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft. Nach 32 Jahren gibt es wieder die reale Chance auf den ersten Stern am Trikot. Immer wieder ertönten in der Nacht die Rufe "Viva, Viva Holland!".

Das Gegentor in der ersten Hälfte brachte die Holländer zwischenzeitlich aus dem Konzept. Doch der nüchterne Trainer Bert van Marwijk sah, wie seine Mannschaft per Doppelschlag in Führung ging – und am Ende trotzdem Nervenflattern bekam: "In der zweiten Hälfte haben wir das Spiel in den Begriff bekommen. Wir hätten sogar das 4:1 machen müssen, aber am Ende wurde es nochmal eng. Das letzte Endspiel liegt 32 Jahre zurück, das ist unglaublich, was wir erreicht haben." Ex-HSV-Spieler Rafael van der Vaart schlotterten nach dem Anschlusstreffer der "Urus" auf dem Feld die Knie: "Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt wie in den letzten Minuten."

Der folgende Freudentaumel der rund 40.000 Fans auf dem Museumsplein vor dem altehrwürdigen Reichsmuseum in Amsterdam war beispielhaft für das ganze Land. "Nederland Wereldkampion!", lautete einer der beliebtesten Sprechchöre der unvermeidlichen Bier-Polonaisen: "Niederlande Weltmeister".

Wunschgegner Deutschland

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Freudenfeier im kühlen Nass: Fans von Oranje in Rotterdam.

(Foto: dpa)

Wieder schien es, dass die Holländer nach den Südafrikanern die größten Freunde der Vuvuzelas sind. Der von Tröten-Tönen untermalten Siegesgewissheit auf Hollands größter Fanmeile in Amsterdam stand der Jubel auf dem Stadhuisplein in Rotterdam in nichts nach. Riesenstimmung herrschte auch auch in anderen Städten - von Groningen über Eindhoven bis Maastricht.

Auf mehr als elf Millionen wurde die Zahl der Fernsehzuschauer geschätzt - rund 70 Prozent der gesamten Bevölkerung der Niederlande. Wo immer im allgemeinen Jubel über das 3:2 über Uruguay die Frage "Wie geht's weiter?" gestellt wurde, kam die Sprache rasch auf Deutschland. "Ihr Deutschen seid unser Wunschgegner für das Finale", sagte ein weißhaariger Fan im Amsterdamer Café Gruter. Warum? "Natürlich, weil wir uns für die Niederlage im WM-Finale 1974 in München revanchieren möchten!"

Uruguay feiert trotzdem

Auch in Uruguay wurde gefeiert - trotz der 2:3-Niederlage gegen die Niederlande. Zehntausende Menschen gingen in der Hauptstadt Montevideo und an vielen anderen Orten auf die Straße. "Stolz, ich empfinde Stolz. Dass wir als so kleines Land so weit gekommen sind. Mit anständigem Fußball und ohne große Namen. Moralisch sind wir schon Weltmeister", meinte ein Fan der "Charrúas" nach dem Spiel in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires.

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Dem Schock folgte der Stolz: Uruguay-Anhängerin im Stadion.

(Foto: dpa)

Uruguays Coach Oscar Tabarez hob nach der Niederlage ebenfalls das Positive hervor: "Wir hatten es verdient, im Halbfinale zu sein. Ich bin sehr stolz auf meine Spieler und darauf, was wir erreicht haben. Aber die Niederlage ist gerecht, wir akzeptieren sie. Natürlich sind wir traurig, aber wir haben viel erreicht, sind weit gekommen - obwohl uns das keiner zugetraut hatte."

In Montevideo war die Stimmung mindestens so gut wie schon bei den vorangegangenen Siegen der Nationalelf. Tausende Menschen feierten auf Straßen und Plätzen und riefen immer wieder "Ich bin hellblau, ich bin hellblau" - wie die Nationalfarben. "Bewegt" zeigten sich viele Menschen und bekräftigten: "Holland war nicht besser" und "Uruguay hat das Spiel zeitweise dominiert".

Weniger Einwohner als Berlin

Es war das erste Mal seit 1970, dass das kleine südamerikanische Land mit etwa 3,4 Millionen Einwohnern das Halbfinale einer WM-Endrunde erreichte. Zum Vergleich: Allein in der deutschen Hauptstadt leben mehr Menschen. Die beiden Weltmeistertitel 1930 und 1950 der "Urus" liegen schon fast ein Menschenleben zurück.

Der populäre Präsident José Mujica hatte sich das Halbfinal-Spiel in einem Sportzentrum zusammen mit 1500 Kindern und Jugendlichen in Montevideo angesehen. In der Menge waren auch ehemalige Fußballer sowie Minister und enge Mitarbeiter des Staatschefs.

Quelle: ntv.de, rpe/dpa