Fußball-WM 2010

"Steht nicht ernsthaft in der Kritik" Sammer vertraut auf Löw

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer gilt als ernsthafter Nachfolgekandidat, sollte Bundestrainer Joachim Löw seinen Vertrag nach der WM nicht verlängern. Bis dahin zeigt er sich erst einmal überaus loyal, lobt Löws bisherige Arbeit und stärkt ihm mit Blick auf die Nominierung des WM-Kaders und den Fall Kuranyi den Rücken. Große Stücke hält Sammer auch auf Bastian Schweinsteiger.

Nicht durchsetzen kann er sich im Machtkampf um den neuen Sportdirektor. Am 8. Februar 2006 entscheidet der DFB sich für Matthias Sammer …

Matthias Sammer stärkt das Amt Bundestrainers, bevor er es im Sommer vielleicht selbst übernimmt.

In der Diskussion um den deutschen WM-Kader und eine mögliche Begnadigung von Kevin Kuranyi hat Matthias Sammer um Vertrauen für Joachim Löw geworben. Alle Themen rund um die Nationalmannschaft seien "stets hochemotional", sagte Sammer der "Welt am Sonntag". Löw dürfe das aber nicht tangieren. In der Vergangenheit habe er bewiesen, "dass er richtige Entscheidungen trifft." Sammers Fazit fällt deshalb positiv aus: "Ich kann nicht erkennen, dass Jogi Löw ernsthaft in der Kritik steht."

Zuletzt war immer wieder darüber spekuliert worden, dass Sammer als möglicher Bundestrainer in Frage käme, falls Löw nach der WM seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern sollte. Nun aber wirbt ausgerechnet Sammer trotz früherer Differenzen mit der Nationalmannschaftsleitung um Unterstützung für die Entscheidungen von Löw. "Als DFB-Sportdirektor sage ich, dass Löw unser Bundestrainer ist und er die Entscheidungen trifft, wen er für seine Mannschaft braucht. Diese sind von allen zu respektieren."

Schweinsteiger der künftige Anführer

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Bastian Schweinsteiger spielt bei den Bayern die beste Saison seiner Karriere.

(Foto: AP)

Dennoch schaltete sich Sammer auch in die sportlichen Fragen bei der Nationalmannschaft ein. So ist der DFB-Sportdirektor davon überzeugt, dass Bastian Schweinsteiger in Zukunft die Rolle von DFB-Kapitän Michael Ballack als Führungsspieler übernehmen wird. "Keine Frage, das kann er. Er ist in der Lage, der Nationalmannschaft in Zukunft seinen Stempel aufzudrücken. Ich sehe nicht nur eine enorme Entwicklung seiner sportlichen Leistungen", lobte Sammer die Persönlichkeits-Entwicklung Schweinsteigers. Aber auch Ballack traut Sammer in Südafrika eine starke WM zu: "Er wird bei der Weltmeisterschaft erneut seine ganze Klasse abrufen, da bin ich sicher."

Sammer ordnete die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika in die langfristige Bestrebung des deutschen Fußballs ein, in die europäische Spitze zurückzukehren. "Da müssen wir erst wieder hin, sind aber noch weit davon entfernt. Der Anschluss an die Topligen ist wieder hergestellt. Mehr noch nicht", unterstrich Sammer.

Begnadigung kein Einknicken

Zum Fall Kuranyi machte Sammer klar, dass eine Begnadigung des Schalkers, der von Löw nach seiner Stadionflucht im Oktober 2008 aus dem DFB-Team verbannt worden war, keinen Autoritätsverlust des Bundestrainer darstellen würde: "Überhaupt nicht", sagte Sammer und ergänzte: "Bei der Nationalmannschaft wurden schon nach wesentlich schlimmeren Verfehlungen Entscheidungen revidiert."

Die Voraussetzungen müssten stimmen und eine Wiederholung der Vorfälle ausgeschlossen sein. "Dann ist eine Begnadigung ein Zeichen von Größe. Wer meint, dass das eine Form von Schwäche ist, ist nicht würdig, Nationalspieler zu sein", erklärte der DFB-Sportdirektor.

Magath sauer auf Kuranyi und Löw

In der Bundesliga konnte Kuranyi allerdings erneut keine Werbung für sich machen. Während Leverkusens Angreifer Stefan Kießling beim 3:0 gegen Hannover 96 mit einem Doppelpack (schon 21 Saisontreffer) erfolgreich war und auch Stuttgarts Cacau und sogar Bayern-Stürmer Miroslav Klose am 32. Spieltag getroffen haben, ging Kuranyi gegen Schlusslicht Hertha BSC leer aus - und handelte sich eine Rüge seines Vereinstrainers Felix Magath ein.

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Kevin Kuranyi ist mit 18 Saisontoren der zweitbeste deutsche Stürmer.

(Foto: APN)

"Wir können nicht zufrieden sein mit dem, wie Kevin zurzeit spielt", sagte Magath im ZDF. Hinsichtlich eines Nationalmannschaftscomebacks stichelte der Schalke-Coach: "Das ist die Entscheidung des Bundestrainers. Nur Joachim Löw kann entscheiden, ob er bei der WM lieber mit einem Typ wie Kuranyi oder einem Podolski spielt. Zudem hat er sich ja sehr frühzeitig festgelegt, dass er Kevin nicht unbedingt mitnehmen will. Von daher ist es jetzt natürlich schwierig für ihn zu sagen: 'Kevin, komm doch mit'." Würde Kuranyi weiterhin treffen, würde er es Löw leichter machen. Fakt bleibt aber auch: Gemessen an der Zahl seiner Saisontore ist Kuranyi (18) noch immer der zweitbeste deutsche Stürmer. Das Trio Cacau, Klose und Podolski kommt zusammen nur auf 17 Tore, von denen der Stuttgarter Cacau allein zwölf erzielt hat.

Quelle: n-tv.de, dpa/sid