Wunschkonzert

WM-Wunschkonzert auf n-tv.de Warum Griechenland es schaffen kann

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Lissabon, 4. Juli 2004: Die Sensation ist perfekt und Griechenland Europameister.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Kaka, Messi, Ronaldo & Co. spielen woanders. Griechenland setzt auf Karagounis, Gekas und Charisteas. Kurz: Sie haben bei der Fußball-WM keine Chance – genau wie 2004.

Kalimera, habe natürlich den Text des Kollegen Axel Witte gelesen und bin schon ein bisschen neidisch, wenn ich sehe, wer da so alles für Argentinien spielt. Aber wie das so ist mit der Lieblingsfußballmannschaft: mitgefangen, mitgehangen. Und bei einer Weltmeisterschaft ist ein Grieche nun einmal für Griechenland.

Kommt ja auch nicht so oft vor, genau genommen ist das Turnier in Südafrika erst die zweite WM mit hellenischer Beteiligung. Bei der Premiere 1994 in den USA schnitt die Mannschaft nicht sonderlich erfolgreich ab, es reichte nur für drei Gruppenspiele, dann ging es zurück nach Hause. Vier Tore schossen die Bulgaren und die Argentinier, zwei die Nigerianer, wir keins, was unterm Strich null Punkte und null Tore auf der Habenseite bedeutete. Und wer jetzt, das nur am Rande, beim Stichwort Habenseite einen Scherz über den vorübergehenden Liquiditätsengpass des griechischen Staates erwartet, hat sich getäuscht.

Ronaldo & Co. spielen woanders

Für Griechenland zu sein ist ein bisschen so, wie dem VfL Bochum die Daumen zu drücken. Es geht nicht darum den Gegner an die Wand zu spielen und ein fußballerisches Feuerwerk abzubrennen. Kaka, Messi, Ronaldo & Co spielen woanders. Es geht einfach darum, auch mal zu gewinnen. Irgendwie. Egal wie.

So wie 2004 bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal, als die Griechen und ihr deutscher Trainer Otto Rehhagel auf ihrem sensationellen Triumphzug zum Titelgewinn nacheinander Frankreich, Tschechien und Portugal schlugen. Jeweils mit 1:0. Großartig. Hinterher haben all die, die nicht gewonnen haben, moniert, es sei beileibe nicht die beste Mannschaft Europameister geworden. Kann sein. Nur: Warum haben die anderen dann nicht gewonnen? Eben.

Auch wir lieben schönen Fußball

Defensiv zu spielen ist kein Verbrechen, vor allem dann nicht, wenn eine Mannschaft die Spieler für ein atemberaubendes Angriffsspiel schlicht und ergreifend nicht hat. Es ist nicht so, dass wir Griechen keinen schönen Fußball lieben und uns, was das betrifft, nicht manchmal heimlich wünschen, unsere Mutter wäre Brasilianerin. Dass wir keine Traumpässe, Tricks und tolle Tore sehen wollen. Aber was nicht geht, das geht halt nicht. Stets defensiv zu spielen ist nur dann ein Betrug am Zuschauer, wenn eine Mannschaft sich hinten rein stellt, die es eigentlich besser und vor allem schöner kann. Ist das also geklärt.

Nun also das Turnier in Südafrika, Gruppe B mit Argentinien, Nigeria und Südkorea. Der Plan ist klar: Wer siebenmal hintereinander mit 1:0 gewinnt ist Weltmeister. Das dürfte zu schaffen sein, zumal Angelos Charisteas immer noch dabei ist. Das ist der, der im Viertelfinale 2004 gegen Frankreich und im Finale gegen Portugal jeweils das 1:0 erzielte. Nur Traianos Dellas, letzter Libero des Weltfußballs und Siegtorschütze im Halbfinale 2004 gegen Tschechien, hat seine Karriere beendet. Aber Otto wird schon was einfallen, der noch vier weitere Europameister mit nach Südafrika nimmt: Georgios Seitaridis, Kapitän und Leitwolf Giorgios Karagounis, Kostas Katsouranis und Torwart Konstantinos Chalkias, der allerdings 2004 nur auf der Bank saß.

Außerdem sind wir schon Weltmeister

Ganz groß auftrumpfen wird auch Theofanis Gekas, der in der Qualifikation zehn der 21 griechischen Treffer erzielte. Mit Hertha BSC ist er zwar in dieser Saison abgestiegen, aber das ist Arne Friedrich auch, und der darf bei Deutschland mitspielen. Außerdem kam Gekas erst zur Rückrunde nach Berlin und spielt demnächst in Frankfurt.

Und er sagt das, was ein guter griechischer Spieler über Otto Rehhagel sagen muss: "Für mich ist er der beste Trainer, den ich kennengelernt habe. Er ist nach Griechenland gekommen, als Griechenland im Fußball ein Niemandsland war. Er hat es in wenigen Jahren geschafft, uns an erster Stelle in Europa zu platzieren." Ach ja, Gekas war auch schon Torschützenkönig der Bundesliga. Womit wir wieder beim VfL Bochum sind. Für den erzielte er in der Saison 2006/2007 20 Treffer, das ist noch gar nicht so lange her. Kurz: Die Griechen haben keine Chance – genau wie 2004.

Und falls Sie jetzt auf eine Schlusspointe warten, bitteschön: Die Griechen sind längst Weltmeister. Nein, nicht im Schuldenmachen. Sex. 164 Mal im Jahr. Will der Kondomhersteller Durex herausgefunden haben. Das ist spitze. Nur keinen Neid.

Quelle: ntv.de

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