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Tournee als Traum und Trauma Geiger tankt Kraft, Eisenbichler ein paar Bier

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Weiter geht's - mit gemischten Gefühlen.

(Foto: imago images/Fotostand)

Vierschanzentournee vorbei, ab nach Hause! So läuft es normalerweise. Doch was ist in diesem Winter schon normal? Für die Skispringer geht es aus Bischofshofen direkt weiter zum nächsten Weltcup. Karl Geiger freut sich danach auf zwei Menschen ganz besonders.

Erst der Heimsieg, dann das Bergisel-Trauma und zum Abschluss ein kleines Happy End: Karl Geiger war nach einer nervenaufreibenden Tournee voller Gefühlsschwankungen einfach nur glücklich. "Das gibt Kraft, wenn man weiß, dass es noch funktioniert und man es nicht verlernt hat", sagte der Oberstdorfer. Nach den anstrengenden Wochen mit dem Titel bei der Skiflug-WM, der Geburt von Töchterchen Luisa, dem positiven Coronatest inklusive Quarantäne und der schlussendlich erfolgreichen Tournee, dachte Geiger zuerst an seine Familie. "Ich freue mich riesig, wenn ich die dann wieder sehen und in den Arm nehmen kann", sagte der Gesamt-Zweite.

In Bischofshofen krönte Geiger schließlich eine Aufholjagd mit dem besten Tournee-Ergebnis seiner Karriere, nachdem er beim Debakel in Innsbruck mit einem schlechten Sprung jegliche Siegchancen verspielt hatte. "Auf und Ab mit Happy End", betitelte der 27-Jährige sein Abschneiden. Vor zwei Jahren wurde Geiger Tournee-Dritter, nun Zweiter - und zum 70. Jubiläum in der kommenden Saison dann Erster? "Schön wär's schon", sagte er. Und lachte.

Das tat auch Bundestrainer Stefan Horngacher: "Vielleicht schaut dann der Einser raus." Der Österreicher hatte für seinen Vorzeige-Adler nur lobende Worte übrig. "Die Leistung von Karl ist sehr, sehr hoch einzuschätzen, großer Respekt", sagte Horngacher, es sei "einfach nicht mehr drin gewesen". Der "grandiose" Kamil Stoch, der mit dem riesigen Vorsprung von 48,1 Punkten zum dritten Mal triumphierte, sei in dieser Form "fast unschlagbar" gewesen.

"Mei, das passiert"

Markus Eisenbichler, mit großen Ambitionen in die Tournee gestartet, kam hingegen nicht in Schwung. In Bischofshofen verpasste der Weltmeister gar den zweiten Durchgang und rutschte auf Gesamtrang 16 zurück. "Mei, das passiert", sagte der Bayer, "ich bin nie so richtig locker reingekommen."

Die Enttäuschung wollte "Eisei" im Anschluss mit mehreren alkoholischen Getränken vergessen machen. "I werd ma heid a paar Bier einelatschen, und dann werd's scho wieder wern", sagte er. Nach dem Bier folgt die Regeneration, obwohl es keine Verschnaufpause gibt. Bereits am Wochenende steht der Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt auf dem Programm. Für Horngacher ein spezieller Wettbewerb, da er seit Jahren mit seiner Familie wenige Kilometer entfernt von der Schanze im Schwarzwald lebt. Jetzt habe er noch "drei bis vier Tage" mit der Mannschaft, "dann kann ich endlich wieder zu Hause einziehen", sagte Horngacher. Auch die Springer müssen fokussiert bleiben, "es werden knackige Tage", weiß Geiger.

Bis zum nächsten Saisonhöhepunkt, der Heim-WM von 23. Februar bis 7. März in Oberstdorf, geht es Schlag auf Schlag. Horngacher blickt zuversichtlich voraus, sein Team sei "auf einem guten Weg", und auch "die Zeit von Markus wird noch kommen". Geiger, der mit dem Heimsieg auf der Schattenbergschanze weiteres Selbstvertrauen für die WM gesammelt hat, freute sich auf die ruhigeren Stunden nach der anstrengenden Tournee-Zeit. "Jetzt kümmern wir uns erst mal um die Regeneration", schrieb er auf Instagram - und postete ein Emoji mit zwei anstoßenden Biergläsern.

Quelle: ntv.de, David Ryborz & Christoph Leuchtenberg, sid