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Deutsche Tennis-Damen im Aufwind Geniale Görges heizt Boom an

Mit einem Geniestreich krönt sich Tennisspielerin Julia Görges zur Sandplatz-Königin von Stuttgart. Sie bezwingt im Finale die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki und verstärkt den von Andrea Petkovic ausgelösten Boom des deutschen Damen-Tennis. Ab sofort gehören beide zu den Top 30 der Welt.

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Julia Görges zeigte gegen die Nr. 1 der Tenniswelt, Caroline Wozniacki, keine Nerven.

(Foto: dpa)

Viel Zeit, um den bislang größten Erfolg ihrer Karriere zu feiern, blieb Julia Görges nicht. Nur einen Tag nach ihrem sensationellen Sieg beim Stuttgarter Hallenturnier wurde in Schleswig-Holstein ihr kleiner Neffe getauft - und die 22-Jährige als Patin schon morgens in der Kirche gebraucht. Erst am Sonntag hatte Görges durch ihren 7:6 (7:3), 6:3-Erfolg gegen die Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki (Dänemark) den Boom des deutschen Damen-Tennis' weiter verstärkt und eine ganze Arena zum Kochen gebracht.

"Diese Stimmung war der Wahnsinn, da kriegt man eine Gänsehaut", sagte sie. "Meinen ersten Turniersieg habe ich zwar schon letztes Jahr in Bad Gastein erlebt. Aber das hier vor deutschem Publikum ist etwas ganz Besonderes. Hier haben schon so viele Top-Spielerinnen gewonnen, das habe ich früher selbst immer im Fernsehen gesehen."

Erster deutscher Sieg seit 1996

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Neben dem obligatorischen Pokal gab es auch einen flotten Flitzer.

(Foto: dpa)

Seit Anke Hubers Triumph 1996 hatte keine deutsche Spielerin mehr den Titel beim "Porsche Grand Prix" geholt. Selbst Steffi Graf, die in ihrer Laufbahn sonst alles erreicht hat, sah dort stets Andere mit dem traditionellen Siegerauto davonfahren. Görges hat mit dem Gewinn der 111.000 Dollar (76.200 Euro) Preisgeld und des 400 PS starken Sportwagens also nicht nur ihrer eigenen Karriere einen gewaltigen Schub gegeben, sondern auch dem gesamten deutschen Damen-Tennis. Dessen Aufschwung hat nun auf einmal auch eine breite Basis.

Begonnen hatte die Woche von Stuttgart noch als "Eine-Frau-Show" von Andrea Petkovic. Doch im weiteren Verlauf erreichten erstmals seit 1984 wieder vier deutsche Spielerinnen das Viertelfinale. Seit Montag gehören in Petkovic (Platz 15) und Görges (Platz 27) auch wieder zwei von ihnen zu den Top 30 der Weltrangliste. Das gab es zuletzt im August 1999 - kurz bevor Graf ihren Rücktritt erklärte.

"Man muss die Euphorie ein bisschen bremsen"

Görges warnte nach ihrem großen Erfolg davor, jetzt zu viel von ihr und ihren Freundinnen zu erwarten. "Man muss die Euphorie ein bisschen bremsen und uns Spielerinnen auch Zeit geben, um sich kontinuierlich zu entwickeln", sagte sie. "Ich will meinen Weg weiter step by step gehen und Stabilität zeigen. Denn eine Top-Spielerin macht vor allem aus, dass sie nicht nur fünf Wochen lang oben steht."

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Nach ihrem sensationellen Sieg bleibt die 22-Jährige am Boden: "Ich will meinen Weg weiter step by step gehen und Stabilität zeigen."

(Foto: dpa)

Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass sich die deutschen Spielerinnen auf ihrem Vormarsch gegenseitig pushen - und sich dabei auch noch immer sehr gut verstehen. "Noch vor einiger Zeit habe ich gedacht: Huch, da steht eine Top-Spielerin auf der anderen Seite. Was soll ich hier? Aber das hat sich geändert", beschreibt Görges die neue Situation. Das hat wiederum auch etwas mit Petkovic' Erfolgen bei den Australian Open und in Miami zu tun: "Zu sehen, dass Andi zuletzt all diese Top-Leute geschlagen hat, gab uns anderen Spielerinnen auch Mut."

"Juleeeeee, wie wahnsinnig bist du denn!!!"

Die im Viertelfinale an Wozniacki gescheiterte Petkovic war eine der ersten und euphorischsten Gratulantinnen von Görges. Sie schrieb ihr sofort eine SMS und twitterte anschließend in die Welt: "Juleeeeee, wie wahnsinnig bist du denn!!! Hammerhart und wehe du lässt mich den Porsche nicht mal Probe fahren."

Übertroffen wurde das nur noch von Görges' Vater Klaus. Der hätte am Sonntag am liebsten die ganze Halle umarmt und ist aufgrund seines emotionalen Mitfieberns während des Turniers selbst zu einem kleinen Medienereignis in Stuttgart geworden. Aber auch für ihn galt: Zum ausgiebigen Feiern blieb keine Zeit. Denn der kleine Enkel wartete am Montagmorgen in der Kirche schließlich auch auf ihn.

Quelle: ntv.de, dpa