Sport

"Hast du noch Sex oder ...?" Golf fasziniert trotz Imageproblems

imago17615408h.jpg

Der Nordire Rory McIlroy 2014 beim Ryder Cup im schottischen Gleneagles. Möglicherweise ist die Golfikone 2022 zusammen mit dem bedeutendsten Turnier in Deutschland zu Gast.

(Foto: imago/GEPA pictures)

Kaum eine Sportart leidet so sehr unter ihrem schlechten Image wie das Golfen. Der "Sport" gilt als hoffnungslos versnobt. Dabei begeistert die Symbiose aus mentaler und körperlicher Beanspruchung immer mehr Menschen.

Die meisten Golfer werden mit diesem Spruch schon mal konfrontiert worden sein, dieser scheinbar lustigen Frage: "Hast du noch Sex oder golfst du schon?" Auch wenn sie dann meist genervt die Augen verdrehen, beschreibt der Spruch das Image ihres Sports ganz gut. In den Köpfen vieler Nicht-Golfer wabert noch immer das Bild des elitären, angestaubten Golfsports umher.

Nicht ganz zu Unrecht, denn das Stereotyp des typischen Golfers, "des über 50-jährigen Besserverdieners, der lieber unter seinesgleichen bleibt, auf der Klubterrasse seinen Champagner trinkt und bewegungsarm nebenbei sein Golfwägelchen schiebt", resultiert aus einer seit Jahren entstandenen unglücklichen Außendarstellung. Werbetreibende und Filmemacher verknüpften nur zu gern und gekonnt das Bild des Golfers mit der sozialen Oberklasse.

Hohes Ansehen in USA und Südafrika

61936732.jpg

Die deutsche Golferlegende Bernhard Langer bezeichnet das Golfen als die "schwierigste Sportart der Welt".

(Foto: picture alliance / dpa)

Während in den USA oder in Südafrika der Golfsport dank niedriger Zugangshürden und als Schulsport höchstes Ansehen genießt, fristet er in Deutschland noch immer ein Schattendasein. Aber es besteht Hoffnung: Denn mittlerweile öffnen sich immer mehr Golfklubs der "schwierigsten Sportart der Welt", wie Golflegende Bernhard Langer sie einst treffend bezeichnete. Auch der Deutsche Golf Verband (DGV) öffnet die Tür einen Spalt und stellt mittlerweile Beschränkungen wie die Platzreife offen zur Diskussion.

Fernsehanstalten wie der SWR tragen ebenso ihren Teil zu einer steigenden Bekanntheit bei, indem sie im September unter anderem den Solheim Cup aus St. Leon-Rot live im frei empfangbaren TV zeigten. Ein Novum im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Steigende Mitgliederzahlen

Die Mitgliederzahlen des DGV waren sowieso seit jeher imposant: Insgesamt 639.137 Mitglieder verteilten sich in Deutschland im vergangenen Jahr auf 846 Golfklubs und -anlagen. Damit liegt der Deutsche Golf Verband im Ranking der deutschen olympischen Sportverbände auf Platz acht vor telegenen Sportarten wie Basketball, Schwimmen oder Volleyball. Der DGV verzeichnete als Dachverband der Golfklubs und -anlagen im zurückliegenden Jahr ein Wachstum von 0,2 Prozent, was einem absoluten Zuwachs von 1402 Golfspielern entspricht. Der Großteil davon liegt allerdings in der wenig zukunftsträchtigen Altersgruppe von über 50 Jahren.

Begeisterung nimmt zu

*Datenschutz

Auch wenn der große Golfboom noch etwas entfernt scheint, nimmt die Begeisterung doch schrittweise zu. Immer mehr Breitensportler sieht man auf den Driving Ranges der Republik. Sportliche Erfolge von Starspieler Martin Kaymer sowie große Golfevents im eigenen Land wie der Solheim Cup in St. Leon Rot und die Hoffnung auf den Ryder Cup 2022 entfachen Begeisterung.

Viele öffentliche Golfanlagen werben mit attraktiven Starterangeboten, denn von vielen Golfanfängern wird nach der ersten Golfstunde immer der selbe Tenor übermittelt: "Ich dachte, golfen sei ein teurer, langweiliger Sport, doch als ich das erste Mal auf der Driving-Range stand und einen Ball traf, hat mich das Fieber gepackt."

"Den kleinen weißen Ball in das viel zu kleine Loch"

In der Kniffligkeit der Sportart liegt auch der große Reiz. Norbert Dickel, Stadionsprecher von Borussia Dortmund und Präsident der golfenden Fußballer (Gofus), sagt: "Das ist wirklich der einzige Sport auf der Welt, den keiner richtig erlernt. Das Besondere ist die Auswahl von tausenden Plätzen mit unterschiedlichen Layouts - und die Kunst, diese dann zu bezwingen und zu spielen. Und dann auch noch den kleinen weißen Ball in das viel zu kleine Loch reinzubekommen. Es ist einfach etwas Überragendes, Golf zu spielen!"

Das beliebte Vorurteil, dass Golfen kein Sport sei, kommentierte Rory McIlroy, seines Zeichens einer der besten Golfer der Welt, diese Woche süffisant, indem er seine Trainingsdaten 2015 veröffentlichte. Der Nordire hat nach eigenen Angaben rund 16.500 Bälle geschlagen, aber auch 6350 Autogramme gegeben. Außerdem ist er 1036 Kilometer gejoggt, hat 6800 Liegestütze absolviert und 6320 Klimmzüge in der Statistik stehen. Im Fitnessstudio war er insgesamt rund 112 Stunden. Nicht schlecht dafür, dass Golf kein Sport sein soll.

Ryder Cup 2022 in Bad Saarow?

Einen neuen Impuls zur Imageverbesserung für den deutschen Golfsport könnte es schon im November geben: Die Entscheidung über den Austragungsort des Ryder Cups 2022 steht an. Rund um das European-Tour-Finale der DP World Tour Championship in Dubai könnte schon eine Entscheidung fallen. Im Verlosungstopf: Deutschland mit dem A-Rosa Resort am Scharmützelsee in Bad Saarow, Mitbewerber Österreich mit dem herausragenden Golf Club Fontana bei Wien, Italien mit der Golfanlage Parco di Simione bei Rom und Spanien mit dem Vorzeigeresort PGA de Catalunya.

Im September konnten die deutschen Verantwortlichen mit der Steuerbefreiung für den Ryder Cup 2022 nun die letzte Hürde aus dem Weg räumen. Es ist also angerichtet. Der Golfsport könnte nun auch in Deutschland durchstarten.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema