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Weltmeister in der Provinz Großkreutz fängt wieder ganz unten an

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In Darmstadt schob man den Weltmeister zuletzt ab.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kevin Großkreutz hat mehr Pokale als die meisten seiner Kollegen. Gleiches gilt für seine Ausrutscher. Inzwischen ist er in der 3. Liga angekommen. In Uerdingen soll es nun wieder aufwärts gehen - auch dank russischer Gelder.

An den Höhepunkt seiner Karriere erinnert nur noch die Tätowierung auf seiner Schulter. Vor vier Jahren holte Kevin Großkreutz als Teil der deutschen Fußball-Nationalmannschaft den WM-Titel in Brasilien und ließ sich den Moment in Gestalt des Pokal auf der Haut verewigen. In der kommenden Saison läuft er in den Niederungen der 3. Liga für den neureichen Aufsteiger KFC Uerdingen auf - und hofft auf einen erneuten Wendepunkt. "Der Trainer hat mich überzeugt, der Verein hat mich überzeugt", sagte Großkreutz bei Sky Sport News HD, "außerdem kann meine Familie zu Hause leben. Das ist das Wichtigste momentan, dass meine Frau und mein Kind in der Nähe sind, und ich wieder nah an meiner Familie dran bin."

Mit dem WM-Turnier, bei dem Großkreutz nicht zum Einsatz kam,  begann für den zweimaligen deutschen Meister mit Borussia Dortmund  (2011, 2012) ein mustergültiger Abstieg. Sein Wechsel zu Galatasaray Istanbul 2015 entpuppte sich als Flop, weil er wegen eines Formfehlers ein halbes Jahr nicht spielen durfte, Heimweh kam hinzu. Nach der Rückkehr nach Deutschland stieg er mit dem VfB Stuttgart aus der Bundesliga ab und wurde im März 2017 im Anschluss an eine Party in Stuttgart in eine Schlägerei verwickelt. Der sechsmalige Nationalspieler erlitt Kopfverletzungen und musste im  Krankenhaus behandelt werden. Der VfB vollzog die Trennung.

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Früher Gelbe Wand - jetzt gelbe Stufen in dm Grotenburg-Stadion.

(Foto: picture alliance / Roland Weihra)

Auch beim Zweitligisten SV Darmstadt 98 fand er sein Glück nicht wieder. Und nun Uerdingen... Das Wetter passte sich der neuen Situation schon einmal an. Um 20.40 Uhr kam Großkreutz wenige Stunden nach Verkündung des Transfers bei strömendem Regen im Trainingslager seines neuen Klubs im österreichischen Hopfgarten an. "Kevin hatte eine schwere Zeit, aber man muss es ganz realistisch sehen: Sonst hätten wir ihn auch nicht bekommen", sagte KFC-Trainer Stefan Krämer der "Westdeutschen Zeitung".

"Punkte sammeln - und dann träumen"

Großkreutz zu seinen Plänen: "Wir sollten den Ball erst mal flach halten, aber wir haben auf jeden Fall eine gute Mannschaft. Und wir wollen natürlich ohne Ende Punkte holen." Der Aufstieg sei "natürlich ein Traum, träumen kann man ja", so Großkreutz, "aber wir sollten erst mal diese Saison gut überstehen, guten und leidenschaftlichen Fußball zeigen, und wenn wir dann erfolgreich sind, dann kann man weitersehen."

Die Sonne der Copacabana ist längst Vergangenheit, Krefeld die Gegenwart. Wegen der schlechten Witterung wurde die erste Trainingseinheit des 29-Jährigen am Freitagvormittag in den Kraftraum verlegt, am Nachmittag ging es für Großkreutz unter gestiegenem Medieninteresse erstmals im neuen Dress auf den Trainingsplatz. Sagen durfte er aber nichts, alle Pressetermine mit Großkreutz wurden kurzerhand abgesagt.

Bei Uerdingen gilt er als großer Hoffnungsträger für eine sonnige Zukunft - und um die jüngste Erfolgsgeschichte der Krefelder zügiger fortzuschreiben als gedacht. Nach "Bild"-Informationen soll der millionenschwere russische Investor und Präsident Michail Ponomarew eine Ablösesumme von rund 350.000 Euro auf den Tisch  gelegt haben - eine beträchtliche Summe für einen Drittligisten. Zudem wurde Großkreutz direkt für drei Jahre an den Verein gebunden.

Quelle: n-tv.de, jwu/sid

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