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Zverev sorgt für Wimbledon-Ärger Hochbegabt, arrogant, eigensinnig

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Sichtlich genervt: Alexander "Sascha" Zverev in Wimbledon.

(Foto: AP)

Beim Tennis-Turnier von Wimbledon legen die Organisatoren besonderen Wert auf die Etikette. Alexander Zverev schert sich nicht darum und provoziert mit arroganten und aggressiven Aussagen. Der 21-Jährige fällt nicht zum ersten Mal negativ auf.

Der große deutsche Tennis-Hoffnungsträger ist wieder einmal früh gescheitert. In Wimbledon muss sich Alexander Zverev in der dritten Runde dem Letten Ernests Gulbis 6:7 (2:7), 6:4, 7:5, 3:6, 0:6 geschlagen geben. Bei seinem 13. Anlauf bei einem der vier Major-Turniere fliegt er bereits zum 11. Mal vor der zweiten Woche raus. Dabei war der 21-Jährige gerade dabei, diese Bilanz zu schönen, hatte er doch erst Anfang Juni bei den French Open erstmals in seiner Karriere ein Grand-Slam-Viertelfinale erreicht.

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Nun hat Zverev durchaus eine Entschuldigung für sein Ausscheiden parat: "Ich war krank und hatte 24 Stunden nichts gegessen. Das hatte definitiv etwas damit zu tun. Es hat sich angefühlt, als hätte jemand den Stecker gezogen in der Mitte des vierten Satzes." Er litt in den vergangenen Tagen an einem Magen-Darm-Infekt. "Sascha", wie sein Spitzname aufgrund seiner russischen Herkunft lautet, muss sich beim Zweitrunden-Spiel gegen den US-Amerikaner Taylor Fritz sogar übergeben.

"Nichts riesengroß Falsches gesagt"

Allerdings fällt er im Spiel nicht nur aufgrund seiner Kraftlosigkeit auf, sondern auch wegen seiner Aggressivität und Arroganz. Zverev kassiert im dritten Satz eine Verwarnung des Linienrichters, weil er flucht. Vor allem im traditionellen, noblen Wimbledon werden derartige Äußerungen ungern gesehen. Der Schiedsrichter erklärt Zverev die Situation, der sagt Richtung Linienrichter: "Was er sagt, ist uninteressant. Er ist ein Linienrichter." Er mault, schlägt mit dem Schläger auf das Netz - und erntet dafür Buh-Rufe. Selbst nach dem Seitenwechsel beruhigt er sich nicht. Zverev regt sich weiter auf: "Will der (Linienrichter, Anm.d.Red.) Aufmerksamkeit oder was? Seit wann kann ein Linienrichter eine Verwarnung vergeben?" Und etwas später: "Er will Aufmerksamkeit, weil er mal auf so einem großen Court in Wimbledon steht. Er hofft wohl, dass man sich so sein Gesicht merkt." Nach dem Spiel erklärt er: "Ich kann mich nicht erinnern, was ich gesagt habe." Aber: "Ich habe nichts riesengroß Falsches gesagt."

Es ist nicht das erste Mal, dass der Jungprofi für negative Schlagzeilen sorgt. Im Oktober 2016 zerdeppert er - in bester Tradition legendärer Tennisprofis wie Goran Ivanisevic - im Achtelfinale von Shanghai gegen Jo-Wilfried Tsonga gleich zwei seiner Schläger, ähnliches wiederholt er im April dieses Jahres im Miami-Finale gegen John Isner, gegen den er unterliegt. Auch im vergangenen Jahr agiert er in Wimbledon höchst aggressiv, etwa gegen den Österreicher Sebastian Ofner, als er seinen Schläger in die Luft wirft. "Ich will nur ab und zu meine Wut rauslassen können", erklärte er dem "Spiegel". "Ich habe das Gefühl, dass ich danach entspannter bin, mich wieder aufs Match konzentrieren kann."

Zverev ein "ungeschliffener Diamant"

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Vielleicht hilft die Aggressivität dem Spieler Zverev, der Persönlichkeit Zverev allerdings sicher nicht. Der 21-Jährige gilt bei vielen Zuschauern als arrogant, als unnahbar. Sein Ex-Trainer Juan Carlos Ferrero verlangte mehr Respekt und Disziplin: "Ich hatte ihn unter anderem gebeten, pünktlicher zu sein, und darauf hingewiesen, dass es nicht gut war, dass er Tag für Tag 20 oder 30 Minuten zu spät zum Training kam." Auch im deutschen Tennis sorgte er bereits für Entsetzen. So etwa als er im Jahr 2016 sowohl seine Olympia- als auch seine Davis-Cup-Teilnahme absagt. "Das macht mich sprachlos", so damals der DTB-Sprechen Hans-Jürgen Pohmann gegenüber dem "Tagesspiegel".

2017 fehlte Zverev erneut beim Davis Cup. Er hätte gern gespielt, doch seine Berater verwiesen auf den schwierigen Wechsel vom Rasen auf den Hartplatz - und "es ist eine sehr lange Saison". Zu diesem Zeitpunkt ist Boris Becker bereits Head of Men's Tennis des deutschen Teams - und der nimmt den jungen Profi in Schutz. "Es ist wirklich nicht so, dass Sascha das Herz nicht am rechten Fleck hat oder sich nicht als Deutscher fühlt", sagte Becker und verwies auf die Bedeutung des gebürtigen Hamburgers: "Hoffentlich gewinnen wir den Davis Cup auch irgendwann, aber das können wir nur mit Sascha Zverev. Wir müssen ihn pflegen." Und: "Ich habe von Zverev als ungeschliffenem Diamanten gesprochen. Er ist noch sehr ungeschliffen."

"Ihr werdet mich hier nicht mehr sehen"

Nun ist Zverev Dritter der Tennis Weltrangliste, hinter den Topstars Rafael Nadal und Roger Federer, vor Größen wie Juan Martin Del Potro und Marin Cilic. Dass er sein Tennis-Handwerk versteht ist unbestritten. Es gibt keinen Konkurrenten, der Zverev nicht eine goldene Zukunft prophezeit. Auch sein Wimbledon-Bezwinger, Gulbis, glaubt daran: "Ich denke, er ist ein künftiger Grand-Slam-Sieger. Er wird seinen Weg finden." Zverev bringt es nur (noch) zu selten bei Grand-Slam-Turnieren zusammen.

Das scheint nicht nur seine Kritiker, sondern auch ihn selbst ordentlich zu wurmen. Für die kommenden Tage will er nichts mit Tennis zu tun haben. "Ich bin auf dem Boot in Monte Carlo, ihr werdet mich hier nicht mehr sehen. Morgen und übermorgen bin ich am Wasser", so der 21-Jährige mit Blick auf die Rückkehr in seine Wahlheimat. Er sagt aber auch: "Ich habe noch ungefähr 15 Mal Paris zu spielen, 15 Mal Wimbledon. Das wird alles noch, ich mache mir keine Sorgen."

Quelle: n-tv.de

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