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Erste Interessenten melden sich Honda steigt aus Formel 1 aus

Der Total-Rückzug des Auto-Giganten Honda hat die Formel 1 geschockt, doch die deutschen Hersteller halten der Motorsport-Königsklasse auch inmitten der Wirtschaftskrise die Treue. Zur Bedingung für das Überleben des Milliarden-Rennzirkus machten aber auch Mercedes und BMW drastische Einsparungen. "Das ist ein Weckruf", sagte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nach dem plötzlichen Ausstieg des japanischen Autobauers.

Findet der bislang von Honda mit bis zu 400 Millionen Euro jährlich unterstützte Formel- 1-Rennstall nicht schnell einen Käufer, gehen in der kommenden Saison nur noch neun Teams an den Start. "Wenn die Teams jetzt nicht merken, was passiert ist, muss man alle Hoffnung aufgeben", warnte Automobil-Weltverbandschef Max Mosley, der seit Jahren für Sparmaßnahmen wirbt.

Sparmaßnahmen nötig

Für das McLaren-Mercedes-Team um Weltmeister Lewis Hamilton gab Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug aber Entwarnung. "Unser Formel-1-Engagement steht auf finanziell soliden Beinen", sagte Haug. Auch BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger betonte, die Honda-Entscheidung habe auf das Engagement der Bayern in der Motorsport-Königsklasse keinen Einfluss. "Es gibt keine bessere Plattform als die Formel 1, um unsere Markenwerte zu demonstrieren. BMW nutzt das Formel-1-Projekt zudem gezielt als Technologiebeschleuniger für die Serie", sagte Draeger.

Sparmaßnahmen sind allerdings aus Sicht beider deutscher Hersteller unausweichlich. Haug nannte die Kürzung der Ausgaben um mindestens 50 Prozent in den kommenden zwei Jahren als Ziel. Aus seiner Sicht waren zu hohe Kosten und die sportliche Schwäche für Hondas Rückzug verantwortlich. Zwar habe der Rennbahn-Rivale zuletzt "extrem aufgerüstet", aber weder zahlungskräftige Sponsoren noch Erfolge vorweisen können, sagte Haug. In der Konstrukteurswertung waren die Japaner in der abgelaufenen Saison Neunter und damit Vorletzter geworden.

"Eine große, große Schande"

Eine emotionale Pressekonferenz in Tokio setzte den Schlusspunkt unter das Formel-1-Engagement des Autobauers Honda, der 1964 sein Grand-Prix-Debüt feierte und seit 2006 wieder ein eigenständiges Team unterhielt. "Es war eine sehr schwierige Entscheidung", betonte Firmenchef Takeo Fukui. Die unsichere Lage der Weltwirtschaft zwinge das Unternehmen jedoch, die Mittel für den kostspieligen Rennsport zu streichen.

Schon zu Beginn der abgelaufenen Saison hatten die Japaner dem Kunden-Team Super Aguri weitere finanzielle Unterstützung versagt und den Rennstall so zum Rückzug getrieben. Auch als Motorenlieferant will Honda künftig nicht mehr auftreten. "Das ist eine große, große Schande", klagte Ecclestone, der Honda nach zuletzt enttäuschenden Ergebnissen im kommenden Jahr unter den Top 4 erwartet hatte.

Bereits drei Interessenten

Fieberhaft arbeiteten Teamchef Ross Brawn und Geschäftsführer Nick Fry in den Stunden nach der Honda-Entscheidung an einem Rettungspaket für den in Brackley in Mittelengland beheimateten Rennstall. "Es wird hart, aber es gibt gute Gründe zur Hoffnung", sagte Fry dem TV-Sender Sky. Mindestens drei Übernahme-Interessenten hätten sich bereits gemeldet, als Motorenlieferant ist Ferrari im Gespräch.

Beim Saisonstart am 29. März in Melbourne will das Team um den britischen Piloten Jenson Button unbedingt an den Start gehen. "Wir müssen positiv bleiben und als Team zusammenstehen, sonst wird keiner an einer Übernahme interessiert sein", befand Button, der angeblich ein Jahresgehalt von 29 Millionen Euro kassiert.

Mosley für Einheitsmotor

Doch Mosley warnte nach dem Honda-Schock erneut eindringlich vor einem "Weiter so". Der Internationale Automobil-Verband FIA sehe sich bestätigt, "dass die Kosten für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft unhaltbar" seien, hieß es in einem Schreiben an alle Formel-1-Teamchefs. Darin machte sich Mosley erneut für die Einführung eines Einheitsmotors stark, über dessen Konstruktion derzeit ausschließlich mit dem Motorenbauer Cosworth verhandelt werde.

Die großen Hersteller lehnen einen Standardantrieb bislang ab. Beim Treffen der Teamvereinigung FOTA waren am Donnerstag jedoch zusätzliche Sparpotenziale diskutiert worden. So sollen die Kosten für die Motoren und die erlaubten Testkilometer schon von 2009 an deutlich reduziert werden. Nur mit einer "radikalen Wende" in der Kostenfrage könne sich die Formel 1 stabilisieren, urteilte Mosley.

Von Endzeit-Stimmung mochte Rechte-Mitinhaber Ecclestone indes nichts wissen. "Die Formel 1 ist in keiner größeren Krise als jede andere Firma der Welt", erklärte der Brite der BBC. Dagegen unkte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda nach dem Honda-Ausstieg im Gespräch mit der österreichischen Nachrichten-Agentur APA: "Ich hoffe nur, dass das nicht ansteckt."

So hatte auch der in Köln beheimatete Toyota-Rennstall schon vor einigen Wochen Überlegungen bestätigt, sein Motorsport-Budget mittelfristig eher für eine Rückkehr in die Le-Mans-Serie zu verwenden.

Quelle: ntv.de