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DFB-Team nach 11:0 selbstkritisch Keine Werbung für Frauenfußball

Die deutschen Fußballfrauen empfanden fast schon ein bisschen Mitleid mit dem Gegner. "Wenn du elf Stück bei der WM bekommst, dann ist das schon ein bisschen peinlich", sagte Abwehrspielerin Ariane Hingst nach dem 11:0-Schützenfest gegen Argentinien zum Auftakt der WM in Schanghai. Sie selbst habe es sich verkniffen, ebenfalls nach vorne zu stürmen und ein Tor erzielen zu wollen. "Bei solchen Ergebnissen sieht das immer so erzwungen aus, wenn du als Abwehrspielerin das zehnte Tor machst", sagte Hingst.

So einfach hatten es sich die Frauen um DFB-Trainerin Silvia Neid im Schanghaier Hongkou-Stadion beim besten Willen nicht vorgestellt. Und ausschließlich erfreut war die Mannschaft über den höchsten Sieg der WM-Geschichte letztlich auch nicht. "Es ist eher schade, dass ein Eröffnungsspiel mit einem solchen Ergebnis endet", sagte die dreifache Torschützin Birgit Prinz nach dem 11:0.

Doch die Schuld für einen solch einseitigen Fußballabend, der schon zur Halbzeit zahlreiche chinesische Zuschauer aus dem Stadion vertrieben hatte, übernahmen die deutschen Frauen nicht. "Wir haben einfach nur unseren Job gemacht und gut Fußball gespielt. Was können wir dafür, wenn der Gegner so schwach ist", sagte Prinz.

Selbst DFB-Präsident Theo Zwanziger stellte der Freude über den gelungenen Auftakt zum Trotz die Sinnfrage. "Unter solchen Umständen sollte man eine Ausweitung der Teilnehmerzahl auf 24 Mannschaften gut überlegen", sagte Zwanziger. Zwar gibt es bislang keine konkreten Pläne über eine Expansion des Turniers, doch dass die Idee der Vergrößerung innerhalb des Weltverbandes FIFA durchaus auf Zustimmung trifft, ist kein Geheimnis. Schließlich bietet ein größeres Turnier noch mehr wirtschaftliches Potenzial.

Auch die deutschen Spielerinnen diskutieren innerhalb der Mannschaft über eine Erweiterung des Teilnehmerfeldes. "Einerseits halte ich es für sinnvoll im Interesse des Frauenfußballs, aber dann müssen auch die stärksten Mannschaften der Welt hier sein", sagt Stürmerin Petra Wimbersky, die eine Diplomarbeit über das Thema Marketing im Frauenfußball geschrieben hat.
Argentinien zählt sicherlich nicht zum erlesenen Kreis, auch wenn der Mannschaft bei der Südamerika-Qualifikation erstmals ein Sieg über den Erzrivalen Brasilien gelang. "Dafür haben starke Nationen aus Europa den Sprung nach China verpasst", sagt Wimbersky.

Auch Sturmkollegin Sandra Smisek, die in Form eines Dreierpacks von der Schwäche der Argentinierinnen profitierte, zweifelt an Werbeeffekt des Kantersieges. "Die Weltmeisterschaft wäre schöner, wenn die Mannschaften gleichwertiger wären. Ich hoffe, dass andere Spiele nicht so ausfallen, weil es als Werbung für den Frauenfußball nicht gut ist", so Smisek.
von Marcel Grzanna, sid

Quelle: ntv.de

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