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Nach Unfall querschnittsgelähmt Kristina Vogel - Chronik einer Karriere

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Mit elf WM-Titeln ist Vogel die erfolgreichste Athletin ihres Sports.

(Foto: imago/Thomas Frey)

Die Karriere von Kristina Vogel ist jäh beendet. Nach einem schweren Unfall ist sie querschnittsgelähmt. Sie ist die bis dato erfolgreichste Bahnradfahrerin in der Geschichte ihres Sports. Die 27-Jährige ist zweifache Olympiasiegerin und elfmalige Weltmeisterin. In ihrer Karriere holt sie 23 deutsche Meistertitel und stellt mehrere Weltrekorde auf. Ein Rückblick auf eine beeindruckende Karriere.

10. November 1990

Kristina Vogel wird in Leninskoje (Sowjetunion, heute Krigistan) geboren. Als Kleinkind zieht sie mit ihrer Familie ins thüringerische Sömmerda. Dort beginnt sie Karriere im Bahnradsport. Sie fährt von 2004 bis 2005 für den Verein SV Sömmerda. Lange verfolgt sie eine zweite Sportart mit Leidenschaft: das Tanzen. Sie entscheidet schließlich laut eigener Aussage per Münzwurf, welcher Sportart sie den Vorzug gibt - die Trainingszeiten überschneiden sich zu häufig. "Irgendwann waren meine Trainer sauer", erklärt sie der "Thüringer Allgemeinen".

11. bis 15. Juli 2007

Vogel startet mittlerweile für den RSC Turbine Erfurt und fährt bei der Junioren-Europameisterschaft in Cottbus ihre ersten internationalen Erfolge ein. Sie gewinnt Gold im Sprint sowie im 500-Meter-Zeitfahren. Im Keirin wird sie Dritte.

4. bis 7. August 2007

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Seit 2009 ist Kristina Vogel mit ihrem Ex-Kollegen Michael Seidenbecher liiert. Schon ihren ersten Unfall steht er mit ihr zusammen durch.

(Foto: imago/Gerhard König)

Bei der Junioren-WM in Aguascalientes (Mexiko) gewinnt Vogel sogar drei Titel - im Zeitfahren, Sprint und Teamsprint.

12. bis 16. Juli 2008

Vogel wird erneut dreifache Weltmeisterin bei der Junioren-WM in Kapstadt (Südafrika). Sie gewinnt im Sprint, Zeitfahren und Keirin. "Wir haben perspektivisch die Hoffnung, dass sie auch bei den Frauen den Sprung in die Weltspitze schafft", sagt Bundestrainer Detlef Uibel schon damals.

20. Mai 2009

Als Vogel nach dem Training nach Hause fährt, erfasst sie ein Zivilfahrzeug der Thüringer Polizei. Sie knallt mit etwa 50 Stundenkilometern in die Seite des Autos. Bei dem Unfall erleidet sie eine leichte Gehirnblutung, sie bricht sie sich mehrere Brustwirbel, den Kiefer und die Handwurzelknochen. Außerdem verliert sie sechs Zähne, eine Glasscheibe des Autos zerschneidet ihr Gesicht, eine Gesichtshälfte bleibt anschließend taub. Im Krankenhaus muss sie ins künstliche Koma versetzt werden. "Ohne Helm wäre ich tot gewesen, ohne trainierte Rückenmuskeln querschnittsgelähmt", erklärt sie anschließend. Fünf Jahre streitet sie sich gerichtlich mit dem Freistaat Thüringen um Schmerzensgeld.

24. bis 28. März 2010

Bei der Bahn-Weltmeisterschaft in Kopenhagen gibt Vogel ihr Comeback nach einem langen Krankenhaus-Aufenthalt mit mehreren Operationen. "Ich liebe meinen Sport", sagte sie der "Zeit" in einem Interview aus dem Jahr 2016. "Ich wollte und wollte und wollte, so schnell es ging, wieder Fahrrad fahren."

7. bis 11. Juli 2010

Bei der Deutschen Meisterschaft in Cottbus gewinnt Vogel dreimal Gold - im Sprint, Keirin und Zeitfahren.

16. bis 18. Dezember 2010

Im kolumbianischen Cali erringt Vogel ihren ersten Weltcup-Sieg im Sprint. "Das war ein harter Tag mit vielen Rennen, ich bin einfach nur happy", freut sie sich.

4. bis 8. April 2012

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Nach ihrem ersten schweren Unfall kehrt Vogel erfolgreich auf die Bahn zurück.

(Foto: imago sportfotodienst)

Im australischen Melbourne feiert Vogel, die nun für das Team Erdgas 2012 startet, ihren ersten Weltmeistertitel bei den Erwachsenen. Gemeinsam mit Miriam Welte siegt sie im Teamsprint, außerdem holt sie Bronze im Keirin.

2. August 2012

Vogel und Welte werden erstmals Olympiasiegerinnen. Im Teamsprint profitieren sie von einem Wechselfehler ihrer chinesischen Konkurrentinnen. "Auf der einen Seite ist es nicht der Weg, wie man gewinnen möchte. Auf der anderen Seite sind die Regeln für alle da. Weltmeister ist man nur einmal, Olympiasieger bleibt man für immer", so Vogel anschließend. "Wir haben ein Stück Geschichte geschrieben."

26. Februar bis 2. März 2014

Vogel rast bei der WM in Cali (Kolumbien) zu drei Weltmeister-Titeln, im Keirin, Sprint und Teamsprint (mit Welte). Sie ist damit die erfolgreichste weibliche Sportlerin bei der WM.

13. August 2014

Das Landgericht Erfurt spricht Vogel im Streit mit dem Freistaat Thüringen um Schmerzensgeld wegen des Unfalls fünf Jahre zuvor 92.000 Euro zu. Als Polizistin ist sie zugleich Angestellte des Bundeslandes und daher enttäuscht über den langen Prozess. "Wenn ich was gewonnen habe, schmückt sich Thüringen immer gern mit mir, warum lassen sie mich im Prozess so hängen?", fragt sie in der "Zeit".

2. bis 6. März 2016

Bei der Weltmeisterschaft in London (Großbritannien) wird Vogel Weltmeisterin im Keirin und gewinnt zudem zweimal Bronze, im Teamsprint (mit Welte) sowie im Sprint.

6. bis 21. August 2016

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Olympiasiegerin wird sie auch ohne Sattel.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (Brasilien) gewinnt Vogel mit Welte die Bronzemedaille im Teamsprint. Im Sprint krönt sie sich sogar zur Olympiasiegerin - trotz einer Panne. Ihre Sattelstütze löst sich vom Fahrrad und fällt unmittelbar nach der Ziellinie auf die Bahn, sodass sie das Rennen im Stehen zu Ende bringt. Bundestrainer Uibel sagt anschließend: "Kristina ist unser bester Mann."

12. bis 16. April 2017

Bei der WM in Hongkong gewinnt Vogel zweimal Gold, im Sprint und im Keirin, im Teamsprint gibt es gemeinsam mit Welte Bronze. "Jede will mich fallen sehen. Es wird von Wettbewerb zu Wettbewerb schwieriger", sagt sie über die Konkurrentinnen im Keirin: "Die Kunst ist, immer unberechenbar zu bleiben." Zudem wird Vogel in die Athletenkommission des internationalen Radsportverbandes UCI gewählt.

28. Februar bis 4. März 2018

Bei der Bahnrad-WM im niederländischen Appeldoorn wird Vogel erneut Doppel-Weltmeisterin, gewinnt im Sprint und Teamsprint (mit Welte). "Der Druck ist schon enorm", sagt Vogel anschließend.

26. Juni 2018

Vogel kollidiert beim Training in Cottbus mit einem niederländischen Fahrer. Im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn muss sie mehrfach operiert und ins künstliche Koma versetzt werden. Doch die Verletzungen sind so schwer, dass sie von der Brust abwärts gelähmt bleibt. Das gibt sie am 7. September in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" bekannt.

Quelle: n-tv.de, ara

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