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Wachs-Drama macht Hennig traurig Langlauf-Rüpel siegt nach Bewährungsstrafe

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Grober Jubel.

(Foto: dpa)

Die Top Ten sollten es werden, doch der Ski lässt es nicht zu: Skilangläuferin Katharina Hennig erlebt nach starker Saison eine tiefe Enttäuschung bei der Heim-WM. Auch die deutschen Männer sind chancenlos, während an der Spitze ein Weltmeister auf Bewährung jubelt.

Norwegens strahlende Skilanglauf-Königin Therese Johaug stolzierte nach ihrem elften WM-Titel juchzend durch den Oberstdorfer Schnee, ein paar Meter entfernt kauerte Katharina Hennig wie ein Häuflein Elend. "Ich bin sehr traurig. Es ist bitter, wenn es an einem Tag, der vielleicht der wichtigste im Jahr ist, so schiefläuft", sagte die Wahl-Allgäuerin, nachdem sie völlig verwachst hatte und bei der Johaug-Gala im Skiathlon mit Riesen-Rückstand auf Platz 29 gelandet war.

Schon auf der ersten Hälfte des 15-Kilometer-Rennens war Hennig aufgrund des klar unterlegenen Materials hoffnungslos zurückgefallen. "Es ist sehr deutlich, dass wir uns beim Klassisch-Wachs vergriffen haben", sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder: "Wir hatten schnelle Ski, aber nicht den nötigen Grip, gerade wenn es am Burgstall zur Sache ging."

Die 24 Jahre alte Hennig, die in dieser Saison an der absoluten Weltspitze gekratzt und beim über zwei Jahre akribisch vorbereiteten Heimauftritt zumindest unter die Top Ten laufen wollte, machte ihren Serviceleuten "keinen Vorwurf". Dennoch saß der Frust tief: "Man hat einiges von mir erwartet, da ist man am Ende blitzeblau, körperlich wie geistig", sagte sie, "aber ich werde mich irgendwann beruhigen. Mein Papa ist hier, mein Freund auch, das wird helfen." Beste Deutsche war Pia Fink auf Platz 19 (+2:56,2 Minuten). "Es war ein sehr schweres Rennen. Ich kann zufrieden sein, vor einem Skiathlon habe ich immer Respekt", sagte Fink.

Deutsche Herren abgeschlagen

Die 32 Jahre alte Johaug lag vor den Schwedinnen Frida Karlsson (+30,0 Sekunden) und Ebba Andersson (+30,2). Nach einer Kollision mit Karlsson war Johaug früh im Rennen zu Fall gekommen, steckte dies aber schnell weg. Bei ihrer siebten WM-Teilnahme seit 2007 - 2017 in Lahti hatte sie wegen einer Sperre nach einem positiven Test auf das Steroid Clostebol gefehlt - gewann Titelverteidigerin Johaug den Skiathlon zum dritten Mal und zog dadurch mit ihrer Landsfrau Marit Björgen gleich. "Ich habe gestern noch mit Marit getextet. Ich war sehr nervös, aber sie hat mir geschrieben, dass ich schon stark genug sei", meinte Johaug.

Rekordweltmeisterin Björgen steht bei 18 Titeln, mehr Goldmedaillen als Johaug hat unter den Langläuferinnen zudem nur die Russin Jelena Wälbe (14) gewonnen.

Völlig chancenlos waren die deutschen Männer beim Skiathlon-Sieg des Russen Alexander Bolschunow. Nach 30 Kilometers hatte Lucas Bögl, mit Platz 29 Bester eines DSV-Quartetts, 4:10 Minuten Rückstand. "Rüpel" Bolschunow, der am Freitag wegen eines Bodychecks gegen den Finnen Jona Mäki in der Staffel von Lahti Ende Januar vom Weltverband FIS zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, gewann vor den Norwegern Simen Hegstad Krüger (+1,1 Sekunden) und Hans Christer Holund (+1,7). Bolschunow hatte Absicht bestritten. Jonas Dobler (36.), Friedrich Moch (38.) und Florian Notz (48.) lagen noch deutlich weiter zurück.

Der 24 Jahre alte Bolschunow hängte auf den letzten 500 Metern die Konkurrenz ab und darf sich nun Weltmeister nennen. Zuvor hatte Bolschunow bereits das Trio Johannes Kläbo, Emil Iversen und Sjur Roethe mit seinem hohen Tempo abgehängt. Bolschunow, der sich nach Überquerung der Ziellinie freudig auf die Brust klopfte, sicherte sich nach viermal Silber in Seefeld nun seinen ersten WM-Titel.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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